Architektonische Vielfalt bei „Eberts Garten“ vermisst

Baden-Baden (hez) – „Eberts Garten“ in Baden-Baden sorgt schon lange für Diskussionen, Nun hat sich der Gestaltungsbeirat wieder mit dem Thema befasst. Es sind noch viele Fragen offen.

Hofbildungen kennzeichnen die geplante Anordnung der großen Baukörper auf dem Gelände von „Eberts Garten“. Foto: Henning Zorn

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Hofbildungen kennzeichnen die geplante Anordnung der großen Baukörper auf dem Gelände von „Eberts Garten“. Foto: Henning Zorn

Bei einem in der Vergangenheit höchst umstrittenen Bauprojekt schreitet die Planung voran. Doch als sich der städtische Gestaltungsbeirat jetzt mit der Bebauung des ehemaligen Gärtnereigeländes „Eberts Garten“ in Oos befasste, zeigte sich auch, dass noch viele Fragen offen sind.

Die Zukunft des großen Areals zwischen Sinzheimer Straße und Saarstraße war lange Grund für heftige Streitigkeiten. Die Verwaltung wollte eine überwiegend gewerbliche Nutzung, biss damit aber im Gemeinderat, der sich für die Schaffung von Wohnraum aussprach, auf Granit. Die Treubau AG aus Freiburg, die das Gelände gekauft hat, entwickelte dann ein Konzept, das ein autofreies Stadtquartier mit einem ungewöhnlichen Nutzungsensemble vorsieht: frei finanzierte und öffentlich geförderte Wohnungen, betreutes Wohnen, Pflegeheim, Kindertagesstätte und ein Hotel.

Viel Lob für Planung der Außenanlage

Heftige Kritik an dem Vorhaben äußerten Firmen in der Nachbarschaft, die ein Konfliktpotenzial durch die Nähe von Gewerbe und Wohnen befürchten. Daher soll es dazwischen eine gewisse Pufferzone geben. Dies betrifft ganz besonders die Fassadengestaltung und den Verzicht auf Aufenthaltsräume in den Sozialgebäuden zur Saarstraße hin.

Treubau-Architektin Astrid Fath verwies bei der jetzigen Sitzung des Gestaltungsbeirats darauf, dass das Bebauungskonzept noch nicht ausgereift sei. Nur im Bereich des Wohnens habe man bislang die Fassadengestaltung detaillierter herausgearbeitet. Bei den anderen Gebäuden (Hotel, Pflegeheim, Kita) sei dies noch nicht möglich, da es dafür noch keine Nutzer und Betreiber gebe. Auffallende Elemente des Konzepts sind die Bildung von Höfen nach innen, die Bemühung um Fassadenbegrünung und die sehr geschlossene Front zur Saarstraße.

Viel weiter gediehen sind die Detailplanungen für die Außenanlagen. Landschaftsarchitekt Christian Wild betonte, dass man den Bestand an alten Bäumen der ehemaligen Baumschule nutzen wolle: „Dieser Ort soll keine Standard-Begrünung erhalten, sondern etwas ganz Besonderes werden.“ Verschieden gestaltete Bereiche – Präriegarten, Senioren-Garten, Kinder-Garten, Obst-Garten – sollen für Aufenthaltsqualität sorgen. Mit Natursteinen will man den auf dem Gelände entdeckten Eidechsen weiterhin einen Lebensraum anbieten. Ein Weg wird als „Gartenpromenade“ die einzelnen Bereiche der Außenanlagen verbinden.

Kritik: „Vielfalt der Bausteine“ fehlt

Der Gestaltungsbeirat sprach von einem „soliden Konzept“ und zeigte sich vor allem von der Freiraumplanung angetan. Hingegen gab es kritische Worte zur Gestaltung der Baukörper. Architektin Stefanie Eberding vermisste gerade bei der Fassadenplanung prägende individuelle Elemente. Es fehle vor allem an einer „Vielfalt der Bausteine“. Die weitgehend geschlossene Front der Baukörper zur Saarstraße vermochte sie auch nicht zu begeistern.

Der Treubau AG wurde empfohlen, verschiedene Architekten mit der Gestaltung der Baukörper zu beauftragen, um größere Vielseitigkeit zu erreichen. Astrid Fath erklärte, dass man weiter an der architektonischen Ausformung des Ensembles arbeiten werde. Die Stadt will nun rasch den Bebauungsplan „Eberts Garten“ voranbringen, machte Kurt Armbruster, Leiter des Fachgebiets Stadtplanung, deutlich. In Kürze solle es den Offenlagebeschluss geben, dann könne man bald den Bebauungsplan als Satzung beschließen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
12. November 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
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