Arzt aus Baden-Baden äußert sich zu Missbrauchsvorwürfen

Baden-Baden (sga) – Im Prozess gegen einen Arzt aus Baden-Baden, der Patientinnen sexuell missbraucht haben soll, hat sich dieser nun zu den Vorwürfen geäußert.

Das Urteil ist noch nicht gefallen: Aktuell werden mehrere Zeugen im Landgericht angehört. Foto: Friso Gentsch/dpa

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Das Urteil ist noch nicht gefallen: Aktuell werden mehrere Zeugen im Landgericht angehört. Foto: Friso Gentsch/dpa

Immer wieder wird während der Verhandlung im Landgericht besprochen, was im Behandlungszimmer eines Arztes aus Baden-Baden geschehen sein soll. Und immer wieder weichen die Schilderungen der Zeugen voneinander ab. Der Vorwurf jedoch ist eindeutig: Der Mediziner soll Patientinnen sexuell missbraucht und die Nebenklägerin vergewaltigt haben.

Doch ob es tatsächlich zu den Übergriffen gekommen ist oder die Betroffenen die Behandlungsmethoden falsch interpretiert haben, steht immer noch im Raum. Fakt ist, dass mittlerweile zehn weitere Frauen durch die Berichterstattung auf das Verfahren aufmerksam geworden sind und bei der Polizei von ähnlichen Situationen berichtet haben.

Im Fall der Nebenklägerin wurde am Freitag die Aussage einer Mitarbeiterin von „Pro Familia“ verlesen. Die Geschädigte habe mehrmals mit ihr Kontakt aufgenommen und vom sexuellen Übergriff erzählt: So soll der 56-Jährige sich während einer osteopathischen Behandlung ihre Beine über seine Schultern gelegt und seinen Finger vaginal in sie eingeführt haben.

„Die Aussagen über die Behandlungsmethoden stimmen“

Für Rechtsanwalt Edgar Gärtner war diese Aussage von „besonderer Relevanz“, weiche sie doch von den bisher angehörten Schilderungen ab. Erst am Mittwoch berichtete eine enge Vertraute der 44-Jährigen im Zeugenstand, dass ihre Freundin von dem Einführen der Zunge in die Scheide erzählt habe.

Doch ganz gleich, was wem wie erzählt worden ist: Der Angeklagte weist nach wie vor jegliche Anschuldigungen zurück und geht auf die Besonderheit der Osteopathie ein: Dabei werde „nicht unbedingt dort behandelt, wo es weh tut“. Deshalb kläre er vorher immer seine Patienten auf – auch, wenn eine Zeugin, die ihm (unabhängig von diesem Verfahren) ebenfalls einen Übergriff vorwirft, etwas anderes behaupte. Laut der 35-Jährigen soll der Mediziner auch ihre Beine während einer Behandlung um seinen Körper geschlungen und sich auf sie gelegt haben, sodass sie sein Geschlecht deutlich spürte.

„Das ist keine Kategorie bei der Behandlung“, äußerte sich der Arzt zu den Vorwürfen. Abgesehen davon sei es auch nicht ungewöhnlich, dass sich die Patientinnen bis auf die Unterhose entkleiden müssen, „das gilt übrigens auch für Männer“. Das Problem: „Es wird immer wieder sexualisiert. Doch diese Vorgänge gibt es selbst beim Sex nicht!“ Er könne sich nicht vorstellen, wie die von den Frauen beschriebenen Situationen überhaupt zu einer Erregung führen sollen. „Die Aussagen über die Behandlungsmethoden stimmen. Aber sie wurden anders interpretiert.“ Auf die Frage, wie lange er während der Behandlung mit seinem Penis in der Nähe der Vagina der Patientin sei, könne er noch nicht mal eine Antwort geben, weil das bei keiner einzigen Behandlung eine Rolle spiele. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.

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Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
19. November 2021, 16:51 Uhr
Lesedauer:
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