Arzt aus Baden-Baden wegen Vergewaltigung angeklagt

Baden-Baden (sga) – Ein Arzt aus Baden-Baden ist angeklagt, weil er eine seiner Patientinnen vergewaltigt haben soll. Beim zweiten Verhandlungstag am Ladgericht wurde der Ehemann des Opfers angehört.

Am Montag fand der zweite Verhandlungstag im Verfahren gegen einen 56-jährigen Arzt (links) statt. Foto: Harald Holzmann

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Am Montag fand der zweite Verhandlungstag im Verfahren gegen einen 56-jährigen Arzt (links) statt. Foto: Harald Holzmann

Hat die 44-Jährige, die einem Arzt aus Baden-Baden sexuellen Missbrauch vorwirft, nach dem Vorfall erneut Kontakt zu dem mutmaßlichen Täter gesucht? Ihr Ehemann jedenfalls konnte am zweiten Verhandlungstag keine Antwort geben, „meine Frau macht die Dinge oft mit sich selbst aus“.

Der Vorwurf ist dagegen klar: Ein 56-jähriger Mediziner, der seit über 30 Jahren als Arzt tätig ist und seit 2008 eine Praxis in Baden-Baden führt, soll während mehrerer Behandlungen Patientinnen unsittlich berührt und die am Montag als Zeugin geladene Nebenklägerin sexuell missbraucht haben. Was genau vorgefallen ist, erzählte die 44-Jährige mehrere Stunden unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Er selbst kenne den Arzt auch, da er auf Empfehlung seiner Frau wegen einer Verletzung bei ihm gewesen sei – jedoch, bevor jene Vorwürfe geäußert worden sind. Der Mediziner soll laut Anklage die 44-Jährige zu einem Kuss gezwungen und auf einer Liege im Behandlungszimmer missbraucht haben. Davon berichtet habe ihm seine Frau nur in Ansätzen auf einem Rastplatz, während sie mit dem Fahrrad unterwegs zu Freunden gewesen seien. Dort habe sie von einem „sexuellen Übergriff“ gesprochen, Genaueres jedoch offengelassen.

„Ich war eher als Back-up für sie da.“

„Warum soll ich etwas hinterfragen, das mir meine Frau erzählt?“, antwortete der als Journalist tätige Mann, als Verteidiger Edgar Gärtner nach darauffolgenden Gesprächen zwischen den Eheleuten fragte. Er habe ihr vorgeschlagen, mit der Freundin, die sie damals besuchen wollten und die Jura studiert hat, über den Vorfall zu sprechen – was sie dann auch gemacht habe. Über den Inhalt des Gesprächs habe sie ihm aber nichts erzählt.

Auch sonst sei nur „punktuell“ über das Geschehene geredet worden. Seine Frau versuche oft, „Dinge selbst zu lösen“ und habe dementsprechend „autonom“ agiert: „Ich war eher als Back-up für sie da.“

Hilfe habe die in Darmstadt als Statistikerin tätige Nebenklägerin von der Ärztekammer in Hessen in Anspruch genommen, doch beim Kontakt mit dem zuständigen Mitarbeiter habe sich ein „Sinneswandel“ ergeben, sagte der Zeuge. Mit dem von ihm geäußerten Vorschlag, den mutmaßlichen Täter anzuzeigen, sei man in der Ärztekammer auf keine offenen Ohren gestoßen.

„Vielleicht nicht, weil sie etwas verschweigen wollte“

Vielmehr habe der Mitarbeiter die Frau dazu animiert, mit dem Arzt Kontakt aufzunehmen „Ich habe ihr davon abgeraten“, so der Ehemann. Dass trotzdem ein Gespräch stattgefunden habe, habe er erst im Zeugenstand erfahren, „meine Frau hat mir davon nichts erzählt“.

„Vielleicht nicht, weil sie etwas verschweigen wollte“, entgegnete der Verteidiger, der mehrmals hinterfragte, weshalb in der Ehe nicht genauer über den Vorfall gesprochen worden sei. „Vielleicht war ich da etwas unsensibel“, so der Ehemann, der nicht mehr zu den Vorwürfen sagen konnte. Die Verhandlung wird am Mittwoch um 9 Uhr im Landgericht Baden-Baden weitergeführt. Dann soll der zuständige Mitarbeiter der Ärztekammer vernommen werden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
15. November 2021, 19:02 Uhr
Lesedauer:
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