Asiatische Hornissen vernichten Bienenvolk in Neuweier

Baden-Baden (cn) – Klaus und Renate Eckerle aus Neuweier sind geschockt: 22.000 ihrer Honigbienen sind von asiatischen Hornissen getötet worden.

Renate Eckerle zeigt die schwarze Stelle, an der die asiatische Hornisse bereits die Baumrinde abgefressen hat.  Foto: Christina Nickweiler

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Renate Eckerle zeigt die schwarze Stelle, an der die asiatische Hornisse bereits die Baumrinde abgefressen hat. Foto: Christina Nickweiler

Ungewöhnlich eifrige Flugbewegungen registrierte Klaus Eckerle an seinen beiden Bienenstöcken auf dem Dach seiner Garage in Neuweier. Ungewöhnlich deshalb, da Anfang November die Bienen sich üblicherweise im Bienstock zurückziehen. Als er und seine Frau Renate Eckerle den Deckel an einem der beiden Bienenstöcke abnahmen, sind sie erschrocken: Darin entdeckten sie rund ein Dutzend riesengroße asiatische Hornissen, doch von ihren eigenen Bienen war nichts mehr übrig.

„Ich war geschockt, als ich diese fremde Insekten in dem Kasten entdeckt habe. Ein ganzer Bienenstock ist vernichtet“, erzählt Klaus Eckerle im Gespräch mit dem BT. Mehr als 40 Jahre ist der Neuweierer nun schon Hobby-Imker. „Meinen ersten Bienenstock habe ich von einem Kumpel und dessen Vater geschenkt bekommen als ich 15 Jahre alt war“, berichtet er. Der Imker weiß über die Befindlichkeiten der Bienen. „So etwas habe ich aber noch nicht erlebt“, schüttelt der Imker den Kopf.

So hat er im September seine Bienen für die Winterzeit noch einmal mit einer zuckerhaltigen Flüssigkeit gefüttert. Im Oktober folgte die Herbstbehandlung gegen die Varroamilbe. Deswegen habe er in der Zeit danach zunächst überhaupt nicht bemerkt, was da in seinen Bienenstöcken passiert ist, berichtet Klaus Eckerle. Tatsächlich fanden in der Zeit von rund drei Wochen die Bienen in den Kästen durch die asiatischen Hornissen den Tod. Eckerle nennt eine Zahl von rund 22.000 getöteten Tieren, darunter eine neue Zuchtkönigin, die der Imker erst dieses Jahr für 50 Euro gekauft hatte.

Asiatische Hornisse frisst die Honigbiene restlos auf

Die eingeschleppte Hornissenart ist rund drei Mal so groß wie die heimische Honigbiene und vertilgt diese restlos. Besonders dreist: Die asiatische Hornisse fängt die Biene im Flug und tötet sie, haben die Eckerles herausgefunden. Deswegen glaubt Klaus Eckerle, dass der zweite Bienenstock, bei dem er kurzerhand das Schlupfloch mit Klebeband verkleinert hat, wohl nicht überleben wird. „Der zweite Stock ist größtenteils geschädigt“, zeigt er sich entsetzt.

Die Eckerles recherchierten im Netz zu der asiatischen Hornisse und begannen ihre Umgebung genauer zu betrachten. Renate Eckerle erzählt:

Der übermächtigen und gefräßigen asiatischen Hornisse ist die heimische Honigbiene hilflos ausgeliefert.  Foto: Renate Eckerle

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Der übermächtigen und gefräßigen asiatischen Hornisse ist die heimische Honigbiene hilflos ausgeliefert. Foto: Renate Eckerle

„Als so eine große asiatische Hornisse von dem Blatt eines Kiwi-Baums in unserem Garten herunterhing und gleichzeitig eine Biene vertilgte, habe ich sofort die Kamera geholt und fotografiert.“ Einige Tage später hat sich Renate Eckerle auf den Weg gemacht, um Ausschau nach einem großen, mindestens fußballgroßen Nest irgendwo in einer Baumkrone am Rande des Neuweierer Waldes zu halten.
In rund 20 Meter Höhe am Rand des Waldes von Neuweier hängt das Nest der asiatischen Hornisse. Foto: Christina Nickweiler

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In rund 20 Meter Höhe am Rand des Waldes von Neuweier hängt das Nest der asiatischen Hornisse. Foto: Christina Nickweiler

In der Tat wurde sie nach einem halben Kilometer von ihrem Garten fündig. „Das Nest hängt bestimmt schon länger in rund 20 Meter Höhe in einem Baum. Aber erst jetzt wurde es sichtbar, da das Laub inzwischen abgefallen ist“, sagt sie. Die Eckerles meldeten ihre Entdeckung sofort der Stadt.

Teils spektakuläre Einsätze zum Entfernen der Nester

So findet laut Jonas Sertl von der Stadtpressestelle bereits Anfang dieser Woche ein Termin vor Ort mit einem Schädlingsbekämpfer statt. Es soll geprüft werden, wie das Nest in dem schwer zugänglichen Gelände beseitigt werden kann. Die Stadt organisiere den Einsatz. Grundsätzlich liegt die Zuständigkeit, wenn es um invasive Arten geht, bei der höheren Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe, teilt Sertl weiter mit. Juliane Sahr vom Referat für Naturschutz und Landschaftspflege am RP bestätigt gegenüber dem BT, dass, nachdem festgestellt worden ist, dass das Nest noch aktiv ist, schnell gehandelt werden müsse. Sie nennt die Möglichkeit, dass beispielsweise auf festem Boden ein Hubsteiger oder ein Kran eingesetzt werden könne. Bei schwierig zugänglichen Nestern seien in der Vergangenheit auch schon Baumkletterer eingesetzt worden, allerdings immer mit einem Schutzanzug, betont Sahr. Im Grunde seien die asiatischen Hornissen keine aggressiven Tiere, wenn aber ihr Nest entfernt werde, muss erwartet werden, dass die Hornissen dieses verteidigten.

Experten müssen zur Beseitigung ans Werk

Ob nun Hubsteiger, Kran oder Baumkletterer, um einen Staat der asiatischen Hornisse unschädlich zu machen, ist laut Sahr immer die Expertise professioneller Schädlingsbekämpfer gefragt. Oft werde das Nest mit flüssigem Stickstoff behandelt, um somit den gesamten Staat samt Königin zu erfassen. Sahr erwähnt eine spektakuläre Aktion vor zwei Jahren in Mannheim, bei der ein Nest nach der Anwendung von Stickstoff in einen Plastikbeutel gepackt und anschließend verbrannt worden sei.

Sahr erläutert, dass es im Laufe des Jahres sieben Meldungen über einzelne Tiere im Stadtkreis gegeben habe. Die Pressestelle der Stadt ergänzt: „Im Rebland wurden uns dieses Jahr von zwei Imkern Sichtungen von Einzeltieren im Bereich ihrer Bienenstöcke gemeldet.“ Weitere Meldungen kamen von Imkern, die die asiatische Hornisse in Malschbach, im Gunzenbachtal und in Geroldsau entdeckt hatten. Die erste Sichtung gab es bereits 2019 an einem Bienenstock im Gunzenbachtal.

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Erstellt:
17. November 2020, 11:00 Uhr
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