Atemschutzanlage für Baden-Baden und Rastatt eingeweiht

Baden-Baden (nof) – Die gemeinsame Atemschutzübungsanlage Mittelbaden im Heitzenacker in Baden-Baden wurde eingeweiht. Künftig werden dort 1.000 Atemschutzgeräteträger auf Herz und Nieren geprüft.

Auf allen vieren und in voller Montur müssen sich die Feuerwehrleute im „Käfig“ zurechtfinden. Foto: Nico Fricke

© nof

Auf allen vieren und in voller Montur müssen sich die Feuerwehrleute im „Käfig“ zurechtfinden. Foto: Nico Fricke

Eng, dunkel, und die Sicht vom Rauch getrübt. Dazu Hilfeschreie und Flammen. Für Feuerwehrleute eine gängige Einsatzsituation – zum Beispiel bei Hausbränden. Und auf diese werden die Floriansjünger künftig in der neuen Atemschutzübungsanlage Mittelbaden im Heitzenacker vorbereitet.

Am Freitag wurde die gemeinsame Übungsstätte von Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden ihrer Bestimmung übergeben. Rund 1.000 Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren (Rastatt: 800/Baden-Baden: 200) werden dort künftig auf Herz und Nieren geprüft und in möglichst realistischen Szenarien auf den Ernstfall im Einsatzalltag vorbereitet, erklärt Christian Pilardeaux, stellvertretender Gesamtkommandant der Baden-Badener Feuerwehr beim Rundgang durch die Anlage.

„Jeder Atemschutzgeräteträger muss einmal im Jahr eine Belastungsübung in der Atemschutzübungsanlage bestehen“, erklärt er. Dazu gehöre es, in voller Montur und mit Pressluftflasche auf dem Rücken – insgesamt rund 50 Kilogramm – Übungen an sechs Sportgeräten zu absolvieren. Außerdem geht es durch den „Käfig“: eine etwa 60 Meter lange Strecke mit allen möglichen Hindernissen, die man nur auf allen vieren zurücklegen kann und in der man die Orientierung nicht verlieren darf. „Den können wir auch verrauchen und dazu noch Licht- und Soundeffekte einspielen, um den Ernstfall zu simulieren“, so Pilardeaux. Natürlich seien alle Übungsräume permanent überwacht – zum Teil mit Wärmebildkameras. So könne den Teilnehmern bei einem Problem sofort geholfen werden.

Auch Schulungsräume vorhanden

Zahlreiche Details sind in der Atemschutzübungsanlage, einstige Funkerzentrale der Franzosen, verbaut. Das Retten aus einer Garage kann dort ebenso geübt werden, wie ein Gasaustritt oder ein Zimmerbrand. Im Hintergrund läuft eine Heizanlage, die auch für entsprechende Hitze sorgt.

Zur neuen Anlage gehören auch Sanitär- und Schulungsräume auf etwa 1.200 Quadratmeter Fläche. Jährlich werden dort etwa 100 neue Atemschutzgeräteträger ausgebildet.

„Die Wichtigkeit einer solchen Ausbildung haben wir gerade beim Brand des Badischen Hofes auf tragische Art zu spüren bekommen“, dankt Oberbürgermeisterin Margret Mergen bei der Einweihung allen Feuerwehrleuten für ihr Engagement und wirbt für den Dienst am Nächsten. Lob gibt es auch für die Kooperation auf Feuerwehrebene mit dem Landkreis Rastatt: Auf die Integrierte Leitstelle folge nun die gemeinsame Übungsstrecke. „Wir denken regional“, fängt der Erste Landesbeamte Jörg Peter als Vertreter des Landkreises Rastatt den Ball auf: Die „moderne und wirtschaftliche Atemschutzübungsanlage“ sei eine „tolle Gemeinschaftsleistung“ und stärke das Feuerwehrwesen. „Die Feuerwehrleute müssen fit und geübt sein“, so Peter.

Erster Landesbeamte Jörg Peter und OB Margret Mergen freuen sich über die Zusammenarbeit. Foto: Nico Fricke

© nof

Erster Landesbeamte Jörg Peter und OB Margret Mergen freuen sich über die Zusammenarbeit. Foto: Nico Fricke

Das bestätigt Bezirksbrandmeister Jürgen Link vom Regierungspräsidium Karlsruhe: „Einsätze unter Atemschutz gehören zu den gefährlichsten Einsätzen im Dienst.“ Körperliche Fitness, eine fundierte Ausbildung sowie jährliche Belastungs- und Einsatzübungen seien die Voraussetzungen. „Unter Atemschutz kann man effizienter Brände löschen und vor allem schneller Menschen retten“, betont Link.

Die Übungsanlage nahe der B500 ersetzt die bisherige Atemschutzübungsanlage des Landkreises Rastatt in Kuppenheim und die der Feuerwehr Baden-Baden in der Feuerwache an der Schwarzwaldstraße. Viel Eigenleistung haben die Feuerwehrleute in den Ausbau der noch nutzbaren Technik eingebracht. Die Kosten für den Bau in Höhe von rund 700.000 Euro werden vom Land mit 200.000 Euro bezuschusst. Den Restbetrag teilen sich der Landkreis Rastatt (400.000 Euro) und die Stadt Baden-Baden (100.000Euro). Schon Ende des Monats steht der erste Lehrgang für Atemschutzgeräteträger in der nagelneuen Anlage auf dem Programm.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

Zum Artikel

Erstellt:
1. Oktober 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.