Atommüll soll woanders hin

Rastatt/Gaggenau (tom) – Oberweier liegt außerhalb des Suchraums für ein atomares Endlager in Deutschland.

Die Deponie „Hintere Dollert“ in Oberweier soll für PFC-haltigen Erdaushub genutzt werden. Foto: pr

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Die Deponie „Hintere Dollert“ in Oberweier soll für PFC-haltigen Erdaushub genutzt werden. Foto: pr

„Endlagersuche für hoch radioaktive Abfälle im Landkreis Rastatt“ - so lautet der Tagesordnungspunkt 4 am Dienstag, 29. Juni, im Landratsamt. Dort tritt der Kreisausschuss für „Umwelt, Bau und Planung“ zusammen. Diese Konstellation lässt in Oberweier alle Alarmglocken schrillen. Doch die Ausgangslage ist eine andere als bei der angedachten Ablagerung von PFC-haltigem Erdaushub auf der Deponie „Hintere Dollert“.

In Oberweier und insbesondere in den Reihen der Bürgerinitiative „Stop Deponie Oberweier“ traut man dem Landkreis und dessen Abfallwirtschaftsbetrieb gleichwohl zu, die Deponie auch einmal für atomare Abfälle zur Verfügung zu stellen.

„Besteht die Möglichkeit, dass Atommüll in Oberweier gelagert werden könnte?“ Diese Frage hatte die Bürgerinitiative Ende Februar dem AWB gestellt. Der AWB versicherte hierzu: „Eine Ablagerung sowohl von radioaktiven als auch von frei gemessenen Abfällen ist definitiv ausgeschlossen, weil derartige Abfälle im Landkreis Rastatt nicht angefallen sind und nicht anfallen werden.“

Doch warum befasst sich ein Ausschuss des Kreistags dann mit der Endlagerung von Atommüll? Die Frage, wo in Deutschland diese Abfälle anfallen, ist dabei nicht relevant.

In kristalliner Tiefe

Die Bundesrepublik sucht eine atomare Endlagerstätte. Insgesamt geht es um hoch radioaktive Abfälle (circa 27.000 Kubikmeter) sowie schwach oder mittel radioaktive Abfallstoffe von insgesamt rund 600.000 Kubikmeter. Diese Suche und auch das Ergebnis sollen zum einen wissenschaftlich fundiert und demokratisch legitimiert sein. Deshalb werden unter anderem die Gremien der Landkreise in das Verfahren eingebunden. Auch mehrere Städte und Gemeinden im Landkreis Rastatt gelten als potenzielle Suchfläche: Bühl, Bühlertal, Forbach, Gaggenau, Gernsbach, Loffenau, Ottersweier, Sinzheim, Weisenbach. Wie ein Blick auf die geologische Karte zeigt, haben diese Kommunen Anteil am kristallinen Grundgebirge des Schwarzwalds – und deshalb gehören sie zum Suchraum. Die Karte zeigt aber auch: Die Deponie Oberweier liegt außerhalb des sogenannten kristallinen Grundgebirges und somit außerhalb dieses Suchkriteriums.

In wissenschaftlicher Hinsicht gilt ein atomares Endlager als sicher, wenn es sich in einem tektonisch ruhigen Gebiet in großer Tiefe befindet. „Die Endlagerung soll unter Tage in einem Bergwerk stattfinden“, lautet einer der Grundsätze. Nach dem Standortauswahlgesetz, es wurde 2017 novelliert, wurden Bodenregionen mit Vorkommen von Steinsalz, Ton und kristallinen Gesteinen berücksichtigt. Als Ausschlusskriterien hingegen gelten Erdbebengefahren, Einflüsse aus Bergbautätigkeiten oder ein geringes Grundwasseralter.

Die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bau und Planung des Landkreises Rastatt findet statt am Dienstag, 29. Juni, 15 Uhr, im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Rastatt, Am Schlossplatz 5.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
23. Juni 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 15sec

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