Au am Rhein saniert unerwartet Ortsmitte

Au am Rhein (HH) – Dank eines günstigen Kreditangebots geht Au am Rhein dieses Jahr überraschend die Sanierung der Ortsmitte an. Bürgermeisterin Laukart überzeugte den Rat von diesem vorgehen.

Vom Vorplatz der Kirche, auf dem dieses Bild aufgenommen wurde, erstreckt sich der Planbereich Ortsmitte über die Kirchstraße bis zur Wehr- und an die Waldstraße. Foto: Helmut Heck

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Vom Vorplatz der Kirche, auf dem dieses Bild aufgenommen wurde, erstreckt sich der Planbereich Ortsmitte über die Kirchstraße bis zur Wehr- und an die Waldstraße. Foto: Helmut Heck

Kaum lag der gut mit Projekten gefüllte Haushaltsentwurf auf dem Tisch, wurde am Montagabend in Au am Rhein ein weiteres dazu gestopft. Sie wisse, dass manchen Gemeinderat wegen der Anzahl der Großprojekte „Bauchschmerzen“ plagten, bekannte Bürgermeisterin Veronika Laukart. Allerdings müsse sich eine Gemeinde für die Zukunft vorbereiten. Sprach‘s und hob die Umgestaltung der Ortsmitte auf die Tagesordnung.

Da die Maßnahme im Sanierungsgebiet liegt, könnten Zuschüsse generiert werden. Als zusätzlichen Grund, das Vorhaben zu starten, führte sie eine Kreditofferte an – ein Darlehen mit 0,26 Prozent Negativzins. Die Gelegenheit sollte ergriffen, die auf rund zwei Millionen Euro taxierte Investition kreditfinanziert werden. Außerdem wies Laukart darauf hin, dass das mit Landesmitteln bestückte Sanierungsprogramm 2023 ende.

Warnung vor Schuldenberg

In der Wortmeldung von Hans Weßbecher (FWG) konnte man das Bauchgrimmen bestätigt sehen. Neben den großen dürften viele kleine Projekte nicht vergessen werden, beispielsweise die Sanierung von Abwasserkanälen. Auch warnte er vor einem Schuldenberg. Dass die Neugestaltung der Ortsmitte kommen müsse, sei klar, eventuell in Abschnitte gestreckt. Bezüglich der Zinskonditionen riet Weßbecher zu Vorsicht, man sollte sich nicht verleiten lassen, große Summen abzurufen.

Jürgen Reichert (CDU) hielt nichts davon, „übervorsichtig“ zu reagieren. Das niedrige Zinsniveau sollte Anlass sein, die Sache nun anzugehen. Reichert rief in Erinnerung, dass man ursprünglich vorhatte, die Ortskernsanierung schon 2019 zum Dorfjubiläum fertigzustellen.

Räte mahnen Bürgerworkshop an

Thomas Schark (SPD) räumte ein, dass die Verschuldung hoch sei, viele Maßnahmen noch liefen. Trotzdem warb er darum, die Ortsmitte anzupacken. Bedarf bestehe sowieso, sah er Kanalarbeiten „hier und da“ fällig. Wichtig sei, die Bürger einzubeziehen, um das Projekt gemeinsam zu entwickeln. Tatsächlich hätte im vergangenen Jahr ein Workshop stattfinden sollen. Wegen Corona sei das unmöglich gewesen, berichtete Laukart in der Hoffnung, dass er bald machbar sei. Schließlich forderte sie den Gemeinderat auf, einen förmlichen Beschluss zur Umgestaltung der Ortsmitte zu fassen, eine Kreditaufnahme über zwei Millionen Euro zum beschriebenen Angebot zu bewilligen, die Gesamtinvestition per Verpflichtungsermächtigung 2021 und 2023 zu tätigen.

Weßbecher behagte das Vorgehen nicht recht. Er monierte, dass der Beschlussvorschlag nicht vorab schriftlich unterbreitet worden sei. Laukart verteidigte die schnelle Gangart mit der Kurzfristigkeit der Zinsofferte. Sie sei erst Mitte Februar eingetroffen. Michaela Fahrner (FWG) bekundete zwar, für das Vorhaben zu sein, fühlte sich durch die plötzliche Eile aber „vor den Kopf gestoßen“. In Zukunft sollte man für derart weitreichende Entscheidungen mehr Zeit bekommen.

Die Abstimmung ergab eine große Mehrheit für die Realisierung, wie von Laukart vorgeschlagen. Weßbecher stimmte dagegen, Michael Rastätter (FWG) enthielt sich. Der Bereich, um den es geht, erstreckt sich vom Vorplatz der Kirche über die Schulstraße und Kirchstraße bis auf Teile der Wehr- und der Waldstraße.

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Erstellt:
24. Februar 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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