Auch Bühl gehört zum Weinsüden

Bühl (BNN) – Die Ferienregion Bühl/Bühlertal/Ottersweier nimmt an der Initiative Weinsüden der Tourismus Marketing Baden-Württemberg GmbH teil. Mit Schildern wird nun darauf hingewiesen.

Ein neues Gütesiegel: Bühl und Bühlertal sind Weinorte im Weinsüden. Es soll vor allem den Weintourismus fördern. Foto: Bernhard Margull

© bema

Ein neues Gütesiegel: Bühl und Bühlertal sind Weinorte im Weinsüden. Es soll vor allem den Weintourismus fördern. Foto: Bernhard Margull

Der Wein ist nicht die schlechteste Trumpfkarte in dem Blatt, das die Ferienregion Bühl/Bühlertal/Ottersweier in Händen hält. Seine Bedeutung für den Tourismus noch zu steigern, ist das Ziel, das Bühl und Bühlertal mit ihrer Mitgliedschaft in der Kooperative Weinsüden verfolgen. Davon profitieren sollen am Ende aber nicht nur beispielsweise Hotels und Gaststätten, sondern auch die Winzer.

Eineinhalb Jahre nach der Aufnahme in die Kooperation künden jetzt Schilder in Bühl, Neusatz, Eisental, Altschweier und Bühlertal vom Weinsüden. Neun Stück sind es insgesamt, die Kosten hierfür liegen bei insgesamt rund 1.000 Euro, wie Tino Rettig, der Leiter der Ferienregion, sagt. Eigentlich hätten die Schilder schon viel früher montiert sein sollen. Das Gütesiegel Weinsüden-Weinort habe die Ferienregion bereits im Oktober 2020 erhalten, gemeinsam mit Baden-Baden. Die Corona-Pandemie habe sich aber als Bremsklotz erwiesen, außerdem habe die rechtliche Prüfung möglicher Standorte viel Zeit beansprucht. Nicht an jedem gewünschten Standort sei ein solches Schild möglich gewesen: „Es ist aber denkbar, dass noch weitere dazukommen.“

Kulturelles Erbe erlebbar machen

Der Weinsüden ist eine Initiative der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg. Deren Geschäftsführer Andreas Braun spricht von einem Aushängeschild für den Weintourismus in Baden-Württemberg, das das kulturelle Erbe für Einheimische und Urlauber erlebbar machen solle. Insgesamt 53 Orte im Land sind dabei. Sie alle mussten vielfältige Nachweise liefern, von Weinwanderwege bis zu weintouristischen Angeboten, ehe sie des Gütesiegels für würdig befunden wurden.

Tino Rettig verspricht sich einiges davon, wenn das Thema Weintourismus stärker in das Schaufenster gestellt wird. Dass es dabei noch Luft nach oben gibt, räumt er ein. Der Vergleich mit der Pfalz hinke aber. Dass die Verbindung von Wein und Tourismus dort viel stärker ausgeprägt sei, habe seinen Grund in unterschiedlichen Strukturen. Denn während hier der Wein überwiegend zentral über die Genossenschaft vermarktet werde, gebe es dort viele Weingüter, die sich auf dem Markt permanent zeigen und Angebote machen müssten.

Dass der Wein aber auch rund um Bühl und Baden-Baden ein zentrales Thema und ein Kulturgut sei, das zeige sich an vielen Veranstaltungen. Rettig nennt als Beispiele das Weindorf auf dem Bühler Zwetschgenfest, der Weinwandertag in Bühlertal und das Winzerfest in Eisental. „Das sind nicht nur Angebote für Einheimische, sie ziehen auch Gäste an“, sagt der Tourismus-Experte und bekräftigt: „Wir identifizieren uns hier ein Stück weit mit dem Wein.“

Kritik: Steuergelder verschwendet

Auf die in einem Schreiben an die Redaktion geäußerte Kritik, dass hier Steuergelder sinnlos verschwendet würden, die anderswo sinnvoller hätten eingesetzt werden können, verweist Rettig auf den um ein Vielfaches höheren Nutzen. „Wir sind noch am Anfang“, sagt er, „aber das wird sich entwickeln.“ Der Weinsüden bündele das Angebot aller angeschlossenen Weinorte und transportiere das in die Öffentlichkeit. Auf der Homepage der Initiative könnten Gäste sich über Weinproben, Themenwege, Weinwandertage und vieles mehr informieren. Das Angebot werde in den kommenden Wochen deutlich an Fahrt aufnehmen, sagt Rettig mit Blick auf die zurückkehrende Planungssicherheit für Veranstaltungen – neben dem Winzerfest in Eisental sind übrigens auch das Zwetschgenfest und der Weinwandertag wieder terminiert.

www.tourismus-bw.de/urlaub-im-sueden/genuss/weinsueden

Mehr Rentabilität

BNN-Redakteur Wilfried Lienhard kommentiert: „Natürlich ließe sich darüber diskutieren, ob Bühl eine Stadt des Weins ist. Zwetschgen und Industrie, das sind die ersten Dinge, die mit Bühl verbunden werden – auch wenn eines davon allenfalls noch als Traditionsbegriff und Namensgeber einer Großveranstaltung eine bedeutende Rolle spielt. Dass Bühl auch zu einer wichtigen Weinadresse geworden ist, wohlgemerkt einer der Produktion des Rebensafts und nicht nur des Konsums, das ist den Eingemeindungen zu verdanken, von Kappelwindeck im Jahr 1934 bis Altschweier im Jahr 1973.

In Anlehnung an den Satz „Eigentum verpflichtet“ aus dem Grundgesetz geht damit die Aufgabe für Bühl einher, den Weinbau zu fördern, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Sicher, da stößt eine Kommune schnell an ihre Grenzen, denn auf das Wetter, den Markt, die EU-Vorgaben und vieles mehr hat sie keinen oder allenfalls nur gering(st)en Einfluss. Wo sie aber sehr wohl aktiv sein kann, das ist das Marketing. Die Schilder an den Stadteingängen, die Bühl als Gütesiegel attestieren, ein Weinort im Weinsüden zu sein, sind das neueste Beispiel dafür.

Entscheidender als das Schild ist freilich das, was dahinter steht: die Förderung des Weintourismus. Der Begriff kann eine ganze Menge abdecken, das reicht vom abendlichen Besuch eines Weinfestes bis zu einem mehrwöchigen Urlaub in der Weinregion. In diesem Bereich aktiv zu werden, das bedeutet mehr als „nur“ Werbung für Winzerbetriebe. Es geht auch um den Erhalt der einladenden Kulturlandschaft zwischen Bühl und Baden-Baden, zwischen Neusatz und Varnhalt. Längst schon klaffen viele hässliche Löcher in den Rebbergen, das Problem der Verbrachung nimmt immer mehr zu. Die ökonomische Schlagseite des Weinbaus lässt so manchen Winzer, ob im Neben- oder im Haupterwerb tätig, aufhören. Dem kann, will man sich nicht alleine auf den Idealismus der Winzer verlassen müssen, im Grunde nur entgegengewirkt werden, wenn die Rentabilität wieder besser wird. Das indes ist in der aktuellen globalen Marktsituation eine Aufgabe, die in ihrem Schwierigkeitsgrad nicht weit entfernt von der Quadratur des Kreises ist.

Es wird nicht das eine Mittel zum Erfolg geben, nur über ein Bündel von Maßnahmen ist er denkbar. Die Förderung des Weintourismus ist ein wichtiger Bestandteil, da sie dazu beitragen kann, den Verkauf anzukurbeln – was wiederum der Tourismusbranche nutzt. Weinbau und Tourismus ergänzen sich: Wird es für Ersteren schwieriger, bekommt das auch Letzterer zu spüren. Alles hängt mit allem zusammen, hat Alexander von Humboldt einmal gesagt. Wirtschaftliche Fragen hatte er dabei nicht im Sinn, aber sein Satz gilt auch hier. Mehr Gäste anzulocken, das könnte den Weinbau auch davor bewahren helfen, wie die Bühler Zwetschge ein Fall für das Museum zu werden.“

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Wilfried Lienhard

Zum Artikel

Erstellt:
23. April 2022, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 11sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.