Auch Bühler Klärschlamm soll in den Süden

Bühl (hol) – Es ist ein langer Anfahrtsweg: Der Gemeinderat Bühl stimmte trotzdem für Anschluss an den Zweckverband Südbaden und damit für die Klärschlammentsorgung im Breisgau.

Klärschlamm aus der Anlage in Vimbuch soll ab 2029 im Breisgau entsorgt werden, und nicht mehr in Karlsruhe. Foto: Archiv/Holger Siebnich

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Klärschlamm aus der Anlage in Vimbuch soll ab 2029 im Breisgau entsorgt werden, und nicht mehr in Karlsruhe. Foto: Archiv/Holger Siebnich

Nach Bühlertal, Ottersweier, dem Murgtal und Kuppenheim hat sich am Mittwoch auch der Gemeinderat der Zwetschgenstadt dafür ausgesprochen, den in Bühl anfallenden Klärschlamm künftig im Breisgau zu entsorgen. Wie berichtet, soll dort in Forchheim, 20 Kilometer nördlich von Freiburg, eine Verbrennungsanlage errichtet werden. Dem in Gründung befindlichen Zweckverband für Planung, Bau und Betrieb dieser Anlage schließt sich auch Bühl an.

Derzeit wird der teilentwässerte Bühler Klärschlamm – 3.500 Tonnen pro Jahr – in einer Verbrennungsanlage in Karlsruhe entsorgt. Diese Lösung könnte so weitergeführt werden – aber nur noch für einen begrenzten Zeitraum, denn ab 2029, so sieht es eine 2017 in Kraft getretene Gesetzesnovelle vor, muss der im Klärschlamm enthaltene Phosphor zurückgewonnen werden. Dieses Element ist zur Herstellung von Düngemitteln und für die Produktion von Wasch- und Reinigungsmitteln wichtig. Durch eine Rückgewinnung aus Klärschlamm könnte nach Meinung von Experten ein Drittel des in Deutschland nötigen Phosphors gewonnen werden.

In Karlsruhe mache man sich derzeit noch keine Gedanken über die künftige Entwicklung. „Die sind nicht dran, ihre Anlage zu erweitern. Wenn wir uns jetzt nicht für Freiburg entscheiden, sind wir dort aber nicht mit von der Partie“, sagte Wolfgang Eller, der als Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Bühl und Umgebung verantwortlich ist für die gesetzeskonforme Entsorgung unter anderem des Bühler Klärschlamms. Er befürchtet, dass die Region, wenn sie weiter auf Karlsruhe setzt, am Ende ohne eine Lösung dastehen könnte.

Kritik von der GAL: „Vorlage zum Abnicken“

Die Stadträte hatten zwar querbeet Bedenken wegen des längeren Anfahrtswegs – und man merkte Wortmeldungen an, dass die meisten am liebsten in Karlsruhe bleiben und mit der Fächerstadt über eine weitergehende Verwertung des Klärschlamms verhandeln würden. Doch am Ende stimmten fast alle für die Neuorientierung nach Süden. Margret Burget-Behm (CDU) brachte die Möglichkeit eines Bahntransports ins Spiel. Doch Eller sagte, das lohne sich nicht, weil man das Transportgut zweimal umladen müsse und das mit Klärschlamm nicht gut funktioniere.

Zwei Enthaltungen gab es lediglich von der GAL. Deren Stadtrat Ludwig Löschner bezeichnete den Vorschlag der Verwaltung als „Vorlage zum Abnicken“, in der keine Alternativen aufgezeigt würden. Er schlug vor, den Klärschlamm vor dem Transport zu trocknen und das Material nicht zu verbrennen, sondern in einer Pyrolyse-Anlage zu verarbeiten. „Ich würde mir wünschen, dass Sie uns auch andere Möglichkeiten präsentieren“, sagte er an Eller gewandt und brachte den Bau einer eigenen, dezentralen Anlage ins Spiel. Doch Eller lehnte das ab. „Wir sind nicht bereit, eine weitere Investition zu tätigen“, sagte er. „Die Rechtslage ist eindeutig – der Phosphor muss raus. Wir müssen die Gesetzeslage abbilden.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
21. Mai 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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