Auch Flüchtlinge zahlen fürs Girokonto

Baden-Baden/Karlsruhe (tas) – Nach Deutschland geflüchtete Ukrainer werden wie klassische Bankkunden behandelt, doch es gibt Ausnahmen.

Geld abheben mit der Bankkarte: Wer über keine Bankverbindung verfügt, ist von der Bargeldversorgung abgeschnitten. Foto: Fabian Sommer/dpa

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Geld abheben mit der Bankkarte: Wer über keine Bankverbindung verfügt, ist von der Bargeldversorgung abgeschnitten. Foto: Fabian Sommer/dpa

Ohne Girokonto ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Deutschland kaum möglich. Nicht umsonst wurde in der Europäischen Union vor einigen Jahren das sogenannte Basiskonto eingeführt, das grundsätzlich jede Bank und Sparkasse anbieten muss. Mit dem Flüchtlingsstrom aus der Ukraine nach Deutschland bekommt das Basiskonto nun neuen Schub. Doch es ist nicht umsonst.

Gerade Asylsuchende, die erst einmal keine Arbeit haben, sollen mit dem Basiskonto die Chance auf eine deutsche Bankverbindung bekommen, auch weil staatliche Transferleistungen damit abgewickelt werden können. Das Problem: Basiskonten sind in der Regel deutlich teurer als klassische Girokonten, wie die Stiftung Warentest regelmäßig ermittelt. Manche Banken verlangen mehr als 100 Euro Grundgebühr pro Jahr – für Geflüchtete, die alles Hab und Gut zurücklassen mussten, kann das zum Problem werden. Machen die Institute bei den Menschen aus der Ukraine eine Ausnahme und bieten angesichts ihrer Sondersituation auch kostenlose Konten an?

Die Antwort lautet Jein: So hat die Volksbank Karlsruhe Baden-Baden keine besonderen Konditionen für Menschen aus der Ukraine im Angebot, auch kein gebührenfreies Konto. „In der Geschichte der Bank gab es noch nie ein kostenloses Girokonto“, sagt Volksbank-Sprecher Thomas Nusche auf BT-Anfrage. Am Anfang konnten die Ukrainer bei dem Institut ein Basiskonto eröffnen, seit Kurzem sei auch ein klassisches Girokonto möglich.

Am Grundsatz der Gleichbehandlung aller Kunden will auch die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau nicht rütteln, wie Institutssprecher Jörg Bertsch sagt. Ein kostenloses Girokonto habe es in Folge der letzten großen Flüchtlingswelle von 2015 für die Menschen aus Syrien und Afghanistan nicht gegeben, das gelte nun auch für die Ukrainer. Auch die Volksbank Bühl und die Sparkasse Bühl stellen keine kostenlosen Konten zur Verfügung.

Hrywnja wird nicht in Euro gewechselt


Als einzige der angefragten Institute teilt die Sparkasse Rastatt-Gernsbach mit, dass sie Ukraine-Flüchtlingen „erst einmal ein kostenloses Girokonto“ anbietet. Damit ist sie nicht allein. Auch die Commerzbank nimmt bei ihnen keine Gebühren, die Hamburger Sparkasse bietet zunächst für sechs Monate ein kostenfreies Konto an.

Bei allen Geldhäusern in der Region seien auch schon Konten von Ukrainern in zweistelliger Zahl eröffnet worden, bei der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau waren es bis Mitte vergangener Woche rund 70, wie Bertsch sagt. In ganz Deutschland sollen es schon Zehntausende sein.

Die Eröffnung funktioniert mittlerweile in einem vereinfachten Verfahren, die Sprachkenntnisse auf beiden Seiten können eventuell noch eine Hürde darstellen. „Wir lernen derzeit alle, mit den Herausforderungen umzugehen“, sagt Nusche. Viele Banken stellen Informationen aber schon auf Ukrainisch auf ihren Internetseiten zu Verfügung, problematisch bleibt jedoch noch das Thema Online-Banking, Extra-Apps auf Ukrainisch stellen die Geldhäuser nicht zur Verfügung.

Dass die Geflüchteten oftmals ohne finanzielle Mittel in Deutschland dastehen, hat einen speziellen Grund: Ein großes Problem stellt derzeit der Umtausch der ukrainischen Landeswährung Hrywnja in Euro dar. Bisher können die Flüchtlinge mit ihrem mitgebrachten Bargeld in Deutschland nichts anfangen, weil heimische Kreditinstitute dieses nicht ankaufen. Zwar existiert ein theoretischer Wechselkurs zwischen Hrywnja und Euro, einen echten Markt für die Währung gibt es seit Kriegsbeginn aber nicht mehr. Das Tauschproblem ist jedoch nicht neu. Laut Thomas Nusche kaufe der Partner Reisebank die Hrywnja bereits seit der Annexion der Krim durch Russland im 2014 nicht mehr an. Auch andere Kreditinstitute lassen die Finger von der ukrainischen Währung, weil der Markt für An- und Verkauf zu klein und unberechenbar ist.

Immerhin sucht die Europäische Zentralbank (EZB) anscheinend nach einer Lösung, damit geflüchtete Ukrainer in der EU nicht mittellos dastehen und ihr Geld in einer groß angelegten Umtauschaktion in die jeweilige Währung in ihrem Gastland wechseln können, wie das Handelsblatt in dieser Woche mit Bezug auf die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.


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