Auch Queen Victoria war in Baden-Baden ansässig

Baden-Baden (hez) – Die Registerbände zu den Baden-Badener Grundbüchern des 19. Jahrhunderts sind nun im Internet abrufbar. Man liest dort nicht wenige Namen von berühmten Personen.

Im kurstädtischen Grundbuch-Register ist auch der russische Schriftsteller Ivan Turgenev (damals Tourgueneff geschrieben, Pfeil) verzeichnet. Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg

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Im kurstädtischen Grundbuch-Register ist auch der russische Schriftsteller Ivan Turgenev (damals Tourgueneff geschrieben, Pfeil) verzeichnet. Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg

Baden-Badener, die mehr über die Geschichte des Hauses wissen wollen, in dem sie wohnen, können nun auf einen neuen Service zurückgreifen: Das Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim hat die Register der historischen Baden-Badener Grundbücher aus der Zeit von 1806 bis 1900 digitalisiert und online zugänglich gemacht. Ab sofort sind sie im Internetangebot des Landesarchivs recherchierbar.

Wohlgemerkt: Veröffentlicht hat man auf diese Weise nicht die Grundbücher aus dem 19. Jahrhundert selbst, sondern die mehr als 100 Registerbände. Diese enthalten in alphabetischer Reihenfolge Namensregister, die außer in den früheren Bänden nach Käufern und Verkäufern getrennt geführt wurden.

Treffpunkt für alle mit Rang und Namen

In Zusammenhang mit diesen Namen wird dann auf die jeweilige Seite des Grundbuchs verwiesen. Dort kann man dann nachschlagen, welche Immobilien in Baden-Baden zu welchen Preisen einst den Eigentümer wechselten, so teilt das Landesarchiv mit.

Baden-Baden war im 19. Jahrhundert ein Treffpunkt für alle, die Rang und Namen in Europa hatten. Beim Durchblättern der Register stößt man daher auf illustre Namen wie etwa auf die Bankiers Bénazet, die die Spielbank betrieben haben und die Pferderennbahn in Iffezheim bauen ließen. Aber auch der berühmte Porträt-Maler Franz Xaver Winterhalter, der viele Aufträge von Adels- und Herrscherhäusern bekam, die gefeierte Sängerin Pauline Viardot und der russische Schriftsteller Ivan Turgenev haben in Baden-Baden Grund und Boden erworben und tauchen daher in den Registern auf.

Selbst die englische Queen Victoria, so heißt es in der Mitteilung des Landesarchivs, hatte für einige Zeit Eigentum in Baden-Baden. Sie ist im Band 76 unter dem Buchstaben C – Corporationen – zu finden. Und vielleicht ist der Conrad William Tigler aus New Orleans, der in Band 56 auftaucht identisch mit dem 1807 in Krefeld geborenen und 1834 nach New Orleans ausgewanderten Wollfärber Conrad Wilhelm Tigler, der nun als gemachter Mann nach Europa zurückkehrt.

Unterschrift von Königin Victoria mit schwarzem Lacksiegel im Baden-Badener Grundbuch. Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg

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Unterschrift von Königin Victoria mit schwarzem Lacksiegel im Baden-Badener Grundbuch. Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg

Mit den jetzt online gestellten Registern lassen sich von zuhause aus Forschungen zu den Baden-Badener Grundbuchunterlagen vorbereiten oder präzise Rechercheaufträge erteilen. Die Grundbuchunterlagen sind nicht nur für die Ortsgeschichte bedeutsame Quellen, sondern auch für die Familien- und Regionalforschung.

Im BT-Gespräch verwies Andreas Groß, stellvertretender Leiter des Grundbuchzentralarchivs Kornwestheim darauf, dass die Grundbücher aus dem 19. Jahrhundert zum Beispiel für Besitzer von alten Häusern von großem Interesse sein können, wenn sie mehr über die Geschichte und ehemalige Bewohner ihrer Immobilie erfahren wollen. In den Beilagenbänden zu den Grundbüchern finden sich schöne Planskizzen und unter den im Original erhaltenen Verträgen und Vollmachten auch die Unterschriften der jeweiligen Handelspartner.

Akten ab 1900 sind nicht öffentlich

Zwischen 2012 und 2017 wurden alle papiernen Grundbuchunterlagen des Landes Baden-Württemberg aus den 654 aufgelösten Grundbuchämtern und Notariaten in Kornwestheim zusammengeführt. Im Lesesaal des Grundbuchzentralarchivs Kornwestheim unter der Leitung des Landesarchivs kann jeder Interessierte in knapp 9.000 laufende Meter historische Grundbuchunterlagen kostenfrei Einblick nehmen.

Diese Unterlagen stammen in der Regel aus dem 19. Jahrhundert. Darauf beziehen sich auch die nun online veröffentlichten Baden-Badener Registerbände, die eine Suche sehr vereinfachen können.

Andreas Groß erwartet daher, dass künftig in Kornwestheim die bisher eher bescheidene Zahl der Grundbuch-Anfragen aus der Kurstadt deutlich ansteigt. Zu den digitalisierten Registern im Online-Angebot des Landesarchivs gelangt man im Internet über www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=8-98&a=fb.

Eine zweite Dienststelle des Grundbuchzentralarchivs steht unter der Regie der Justizverwaltung. Hier werden die Grundbücher aus der Zeit nach 1900 verwaltet. Diese Akten sind nicht öffentlich. Eine Einsichtnahme ist hier nur dann möglich, wenn ein „berechtigtes Interesse“ nachgewiesen werden kann.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
15. Oktober 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
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