Auch der Nikolaus muss Abstand halten

Rastatt (for) – Andreas Freund und Dirk Flackus haben vor fünf Jahren die „Nikolaus-Zeit“ der Citypastoral Rastatt ins Leben gerufen. 2020 muss der Nikolas-Besuch coronabedingt aber anders ablaufen.

Als Nikolaus der Citypastoral Rastatt besucht Dirk Flackus jährlich zahlreiche Kinder. Foto: Janina Fortenbacher/Archiv

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Als Nikolaus der Citypastoral Rastatt besucht Dirk Flackus jährlich zahlreiche Kinder. Foto: Janina Fortenbacher/Archiv

Der Nikolausbesuch zu Hause in den Familien ist über die Jahre zu einer festen Tradition der Citypastoral Rastatt geworden. Jedes Jahr gab es neue Höchststände an Besuchen, wie es in einer Pressemitteilung des Nikolausteams heißt. In diesem Jahr ist jedoch alles anders. Nachdem bereits viele traditionellen Weihnachtsveranstaltungen coronabedingt abgesagt werden mussten, steht auch Andreas Freund, Pastoralreferent bei der katholischen Kirche Rastatt, vor einer Herausforderung. „Auch 2020 wagen wir uns an die Aktion – trotz Corona. Aber wir müssen dabei flexibel sein“, sagt er. Freund hat die Aktion „Nikolaus-Zeit“ gemeinsam mit Dirk Flackus, der den Bischof Nikolaus spielt, vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Seither unterstützt er den Nikolaus als Knecht Ruprecht und besucht die Wohnzimmer zahlreicher Familien. In diesem Jahr kann der Besuch aufgrund der Pandemie nicht wie gewohnt ablaufen: „Oberste Priorität hat die Gesundheit aller Beteiligten – Familien wie Akteure“, betont Freund. Gemäß der Corona-Vorschriften sei der Nikolausbesuch möglich. „Wir müssen allerdings auf den Knecht Ruprecht verzichten, da wir sonst die Marke der zwei Haushalte nicht einhalten können“, erklärt Freund. Außerdem würden die Besuche ins Freie verlegt und es dürfe jeweils nur eine Familie anwesend sein – nicht wie sonst auch Nachbarn oder Freunde. „Das macht es uns nicht gerade leichter, aber gleichzeitig können wir auf diese Art den Familien diese Tradition des Nikolausbesuches ermöglichen“, so Freund. Vor zwei Jahren, als das Coronavirus noch kein Thema war, hat BT-Redakteurin Janina Fortenbacher das Nikolaus-Team der Citypastoral an einem Abend begleitet. Im Rahmen des Throwback Thursdays haben wir die Reportage aus dem Archiv gekramt:

„Es liegt ein Zauber in der Luft“

Gespannt lauern die Kinder hinter den heruntergelassenen Jalousien, als es plötzlich an der Terrassentür klopft. Schon den ganzen Abend warten sie aufgeregt auf den Besuch des heiligen Nikolaus. Als er dann endlich in voller Montur vor ihnen steht, traditionell mit Mitra und Bischofsstab, verschlägt es dem ein oder anderen schon mal die Sprache – aber nicht aus Furcht, sondern weil er das, was er da gerade sieht, kaum glauben kann.

Dirk Flackus als heiliger Bischof Nikolaus besucht im Rahmen der Aktion „Nikolaus-Zeit“ der Citypastoral Rastatt Familien zu Hause. Die „glänzenden Kinderaugen“, von denen oft erzählt wird, kennt er aus eigener Erfahrung. „Es liegt ein gewisser Zauber in der Luft. Ein Zauber für Kinder und Erwachsene“, beschreibt er die Atmosphäre.

Lieder und Gedichte vorbereitet

Kaum betritt er das Wohnzimmer, stimmen die Anwesenden alle gemeinsam das bekannte Lied „Lasst uns froh und munter sein“ an. Drei Familien mit sechs Kindern haben sich in dem kleinen Raum versammelt, um am Abend den Segen zu empfangen. Einige der Kinder haben sogar ein Gedicht vorbereitet, das sie dem Nikolaus vortragen. Dass der in seinem Bischofsgewand eigentlich ganz anders aussieht als der rot gekleidete Weihnachtsmann, den sie aus der Werbung kennen, stört die Kleinen nicht. Manche wissen sogar, dass St. Nikolaus aus der Stadt Myra zu Lebzeiten auch als Bischof gewirkt hat: „Damals hat er armen Kindern geholfen“, antwortet einer der Jungen auf die Frage, für was der Nikolaus bekannt ist. „Und heute geht er umher und segnet Menschen“, ruft ein anderer aufgeregt in die Menge.

Christliche Werte werden oft vergessen

Dass Kinder die christlichen Werte des heiligen Nikolaus so gut kennen, sei heute nicht mehr selbstverständlich, bedauert Andreas Freund, Pastoralreferent bei der katholischen Kirche Rastatt. Zusammen mit Flackus hat er die Nikolaus-Besuche ins Leben gerufen und unterstützt den Nikolaus als Knecht Ruprecht.

„Wahre Bedeutung“ des Nikolaus mehr ins Bewusstsein rücken

14 Hausbesuche bei rund 36 Kindern standen in diesem Jahr am Abend des 5. und 6. Dezembers an. Der Besuch ist kostenlos, freiwillige Spenden für bedürftige Familien werden jedoch gerne angenommen. Viele Kinder danken dem Nikolaus auch mit selbst gebastelten Geschenken. Oft schließen sich mehrere befreundete oder benachbarte Familien zusammen, um gemeinsam den heiligen Mann aus Myra zu empfangen.

Ziel der Aktion sei, die „wahre“ Bedeutung und das Wirken des heiligen Nikolaus wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Seine Figur und Geschichte sei durch verschiedene kulturelle Einflüsse und Werbekampagnen stark mit dem konsumorientierten Weihnachtsmann vermengt worden. Um den Menschen die christlichen Werte und Legenden des St. Nikolaus wieder näher zu bringen, erzählt Flackus in einfachen Worten die Geschichte vom „Kornwunder“, vom „Seesturm“ oder die vom „Vater und den drei Töchtern“. Außerdem liest er aus seinem goldenen Buch vor, lobt Positives und weist mit viel Fingerspitzengefühl auf Dinge hin, die bis zum kommenden Jahr noch verbessert werden könnten.

Auf Rute wird bewusst verzichtet

„Die liebevolle, hilfsbereite Art des Nikolaus soll hervorgehoben werden“, so Freund. Auf eine Rute wird deshalb ganz bewusst verzichtet. Zu Zeiten der strengen pädagogischen Erziehung sei das ursprüngliche Segensinstrument leider in Richtung der „Drohrute“ gelenkt worden, erklärt Flackus. Vom Nikolaus sei das weit entfernt.

Zum Abschluss erhält jeder den Segen Gottes und darf in den Geschenke-Sack des Helfers Knecht Ruprecht greifen.

Kleine Rituale integrieren Glauben im Alltag der Menschen

Freund ist begeistert darüber, dass der Segen so gerne angenommen wird. Auch auf dem Weihnachtsmarkt, wo die Citypastoral schon seit vielen Jahren mit ihrem Nikolaus vertreten ist, erfreuen sich Eltern und Kinder immer wieder über die Segenswünsche.

Dies zeige, dass für viele Familien die Religion doch nicht so fremd ist, so Flackus. „Gerade an Nikolaus oder an St. Martin docken viele Menschen an die Kirche an“, meint Freund. Durch kleine Rituale wie das Anzünden einer Kerze oder den Segensempfang würde der Glaube, trotz sinkender Kirchenbesuche, doch im Alltag der Menschen integriert werden.


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