Auch der regionale Fußball ruht vorerst

Baden-Baden (rap) – Erst aus der Winterpause zurückgekehrt, verabschiedet sich der regionale Fußball wieder in eine Auszeit, wenn auch nicht geplant. Wegen der Coronakrise wurden alle Spiele bis 31. März ausgesetzt.

Nichts rollt mehr: Mindestens bis zum 31. März rollt kein Ball mehr auf den Sportplätzen Mittelbadens. Foto: Seiter

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Nichts rollt mehr: Mindestens bis zum 31. März rollt kein Ball mehr auf den Sportplätzen Mittelbadens. Foto: Seiter

Am Freitagmorgen um 9.55 Uhr zog dann auch der regionale Fußball nach und tat es dem Handball, Basketball und vielen anderen Sportarten gleich: Der Südbadische Fußballverband (SBFV) verkündete, den Amateurfußball aufgrund der Corona-Pandemie „vorerst ruhen zu lassen“. Dies war die logische Konsequenz einer Telefonkonferenz aller Fußball-Landesverbände der Republik. Mindestens bis zum 31. März wird das runde Leder auf den Sportplätzen Südbadens nicht mehr rollen. Dies betrifft alle Spiel- und Altersklassen von der Verbandsliga abwärts. Ob Anfang April der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, ist noch unklar. „Rechtzeitig vor dem 31. März 2020 wird eine Neubewertung der Lage veröffentlicht“, heißt es in der Pressemitteilung.

Neben dem regulären Spielbetrieb wurden auch alle Freundschaftsspiele außer Kraft gesetzt. Darüber hinaus werde den Vereinen empfohlen, „den Trainingsbetrieb in diesem Zeitraum ruhen zu lassen“, heißt es weiter. Auch der SBFV selbst sieht von Veranstaltungen, Sitzungen, Talentfördermaßnahmen und Trainerausbildungen in diesem Zeitraum ab. Mit der Aussetzung des Spielbetriebs reagiere der SBFV auf die tagesaktuellen Entwicklungen der Coronavirus-Ausbreitung. „Die Gesundheit der Mitglieder im Südbadischen Fußballverband steht an erster Stelle. Insbesondere die derzeit unübersichtliche und diffuse Situation führt zu großer Verunsicherung bei unseren Vereinen. Daher halten wir es für geboten, den Spielbetrieb mindestens bis zum 31. März auszusetzen und das Lagebild weiterhin täglich neu zu bewerten“, sagte SBFV-Präsident Thomas Schmidt. „Mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung, insbesondere auch für die Risikogruppen, sahen wir letztlich keine andere Möglichkeit. Wie es nach der Ruhephase weitergehen wird, kann man jetzt noch nicht abschätzen“, ergänzte Vizepräsident Christian Dusch.

Auch die Oberliga legt eine Zwangspause ein

Knappe zwei Stunden später meldete sich auch der Württembergische Fußballverband, der federführend für die Oberliga Baden-Württemberg ist, zu Wort und gab bekannt, dass auch dort der Spielbetrieb eingestellt wird – zumindest bis zum 23. März. Eine frohe Botschaft für die beiden Oberligisten in der Region, den SV Oberachern und den SV Linx. Beide Vereine haben in ihren Teams eine Vielzahl elsässischer Spieler, die seit Mittwoch, als das grenznahe Elsass zum Risikogebiet erklärt worden war, vom Trainings- und Spielbetrieb ausgeschlossen wurden (wir berichteten). Hätte der Spieltag stattgefunden, sowohl der SVL (fünf) also auch der SVO (acht) hätten auf einen beträchtlichen Teil der Mannschaft verzichten müssen, was einer Wettbewerbsverzerrung gleichgekommen wäre.

Völlig überraschend traf es die Vereine aus der Region nicht, bereits unter der Woche liebäugelte manch Trainer mit einer Aussetzung des Spielbetriebs. „Es ist die richtige Entscheidung. Man sollte alles in Erwägung ziehen, um die Ausbreitung einzudämmen. Wenn der Fußball dazu seinen Beitrag leisten kann, in dem die Runde vorerst pausiert, dann ist das gut so“, sagte etwa Kuppenheims Trainer Matthias Frieböse, der heute in der Verbandsliga mit seinen Wörtelkickern eigentlich zum Derby in Mörsch angetreten wäre. Auch den Trainingsbetrieb wird der SV 08 bis auf Weiteres erstmal einstellen, wie Frieböse erklärte, der auch persönlich unter der Coronakrise zu leiden hat. Mit Trainerkollege Christian Hofmeier betreibt der 08-Coach eine Fußballschule, die ab nächster Woche für einige Tage geschlossen bleiben wird.

Auch Mörschs Trainer Patrick Anstett begrüßte die Zwangspause: „Der Verband ist seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachgekommen. Die Runde erstmal auszusetzen, ist absolut richtig. Wir werden zunächst auch kein Training in der Sandgrube machen.“ Johannes Hurle, Trainer des dritten Verbandsligisten SV Bühlertal, ist „froh, dass es jetzt eine Entscheidung gibt, an die sich alle halten können“. Auch der 30-Jährige bewertet den vorläufigen Fußball-Stopp als „gut“, da man „alle erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen in die Wege leiten sollte, um die Pandemie einzudämmen. Die Gesundheit der Menschen steht an erster Stelle, nicht irgendwelche wirtschaftlichen Belange oder ein Fußballspiel“, führte Hurle weiter aus. Sollte das Training ausgesetzt werden, setzt er auf die „Eigendisziplin meiner Spieler“.

Frieböse: „Möglich, dass die Runde annulliert wird“

Doch wie geht’s weiter? Nimmt König Fußball Ende März wieder den Betrieb auf? Für die mittelbadischen Übungsleiter kaum vorstellbar, wie sie erklären. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Ende März wieder kicken. Ich halte es für durchaus möglich, dass die Runde gar annulliert wird“, sagte 08-Trainer Frieböse. So weit will Anstett freilich noch nicht gehen, schließlich würden die „Verantwortlichen die Situation von Tag zu Tag bewerten und irgendwann eine Entscheidung fällen“. Johannes Hurle hat gar das große Ganze im Blick: „Das ist ein Prozess, der uns vielleicht noch ein, zwei Jahre begleiten wird. Der Verband hat zu entscheiden, wie es weitergeht. Vielleicht gibt es ja auch Playoffs um den Aufstieg und Abstieg, wer weiß. Das ist aber jetzt alles zweitrangig. Wichtig ist, Ruhe zu bewahren.“


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