Auch die Motivation wiederbeleben

Stuttgart/Karlsruhe (bjhw) – Mit dem Projekt „Bridge the Gap“ sollen Corona-Lernrückstände überbrückt werden: 60 Schulen aus dem Regierungsbezirk Karlsruhe sind beteiligt.

Hausaufgaben fallen nicht immer leicht: Die Corona-Pandemie hat bei vielen Kindern Nachholbedarf verursacht. Symbolfoto: Jens Kalaene/dpa/Archiv

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Hausaufgaben fallen nicht immer leicht: Die Corona-Pandemie hat bei vielen Kindern Nachholbedarf verursacht. Symbolfoto: Jens Kalaene/dpa/Archiv

Am Modellversuch zur Überbrückung von Corona-Lernrückständen beteiligen sich mehr als 60 Schulen aus dem Regierungsbezirk Karlsruhe. Mit fast 14 Tagen Verspätung läuft der Förderunterricht spätestens in der nächsten Woche an. Interessierte aus Baden-Baden, aus Rastatt oder Bühl müssen jedoch auf das reguläre Sommernachhilfeprogramm warten, das für die letzten beiden Ferienwochen organisiert wird. Und wer da nicht zum Zuge kommt oder aus Gründen der Urlaubsplanung nicht kommen kann, darf auf das vom Bund mitfinanzierte Programm fürs nächste Schuljahr hoffen. Das richtet sich ausdrücklich nicht nur an Kinder mit Nachholbedarf, sondern auch an besonders gute Schüler und Schülerinnen, die im regulären Unterricht in ihrer Klasse unterfordert sind.

Es ist ein Puzzle mit sehr vielen Teilen. Die neue Landesregierung versucht, bei der Aufarbeitung der Pandemiefolgen in den Schulen des Landes zahlreichen Anforderungen gerecht zu werden. Hinter den Kulissen hat es im Kultusministerium bereits geknirscht, weil die Bildungsverbände mehr Engagement und mehr Personal einfordern. Eine neue Studie der Goethe-Universität in Frankfurt unterstreicht zudem die Dringlichkeit des Problems: Der Nachholbedarf ist ähnlich einer Bugwelle vor allem in den ersten Wochen und Monaten der Pandemie angewachsen.

„Hochwertige Publikationen berücksichtigt“

„Wir haben hochwertige Publikationen berücksichtigt, die eindeutige Rückschlüsse auf die Wirkung coronabedingter Schulschließungen auf den Kompetenzerwerb von Schülerinnen und Schülern erlauben“, erläutert Andreas Frey, Professor für Pädagogische Psychologie – im Vergleich zu Präsenzbedingungen fiel er in dieser Zeit deutlich geringer aus. Für das Frühjahr 2020 ist eine „Stagnation mit Tendenz zu Einbußen“ ermittelt, ähnlich der Entwicklung während langer Sommerferien.

Mit „Bridge the Gap“ sollen in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Weingarten an insgesamt rund 300 Schulen über alle Schularten hinweg Erfahrungen mit der Idee gesammelt werden: Studierende unterstützen im Unterricht. Die Rückmeldungen werden im nächsten Schritt in die Lernbrücken und Sommerschulen einfließen.

Gegenwärtig werden an allen Schulen im Land Eltern von den Lehrkräften angesprochen, um Kinder, die eine Förderung in den Kernfächern, aber auch im sozial-emotionalen Bereich benötigen, für diese spezielle Nachhilfe kurz vor Beginn des neuen Schuljahres zu interessieren. „Wenn es eine Blockade im Herz und im Kopf gibt“, so ein Sprecher des von der Grünen Theresa Schopper geführten Kultusministeriums, „nützt die beste Förderung wenig.“

Jüngere haben besonders gelitten

Die Frankfurter Wissenschaftler haben herausgefunden, dass nicht nur Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Elternhäusern besonders unter Corona gelitten haben, sondern gerade auch jüngere Schüler und Schülerinnen. Deshalb könnten, wie es in der Schulverwaltung heißt, die ersten vier Klassen diesmal besonders in den Blick kommen. Im vergangenen ersten Corona-Sommer hatten rund 6.500 Lehrkräfte mehr als 60.000 Kinder zehn Tage lang am Ferienende unterrichtet. 2021 wird mit einem deutlich höheren Interesse gerechnet. Acht Millionen Euro sind dafür eingeplant.

Wirklich breit für Kinder und Jugendliche auf verschiedenen Niveaus soll ab Herbst das mit Bundesgeldern finanzierte Programm greifen, das im Land den Titel „Rückenwind“ trägt. „Da sind dann viele Puzzlesteine gelegt“, so der Kultusministeriumssprecher. Und die Heidelberger Bildungswissenschaftlerin Anne Sliwka hat bereits Hinweise darauf gegeben, wie am Ende tatsächlich ein funktionierendes Gesamtkonzept entsteht: Es gehe um die „Wiederbelebung der Lernmotivation“ und um konkrete Lücken, denn „wer Bruchrechnung jetzt nicht nachholt, hat später ein Problem“.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
24. Juni 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
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