Auch ein einstiger Impfgegner holt sich den Piks

Rastatt (rjk) – Der große Ansturm blieb aus, dennoch ist Impfarzt Dietmar Paul zufrieden mit der ersten Impfaktion in Kooperation mit der katholischen Kirche in Rastatt. Zum Auftakt kamen 40 Menschen.

Schell und unkompliziert: Simone Gollbach und Lion Paul (vorne) kümmern sich im Gemeindezentrum Herz Jesu um die Impfdokumentation. Impfarzt Dietmar Paul (hinten) verabreicht derweil einem jungen Mann die Spritze. Foto: Ralf Joachim Kraft

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Schell und unkompliziert: Simone Gollbach und Lion Paul (vorne) kümmern sich im Gemeindezentrum Herz Jesu um die Impfdokumentation. Impfarzt Dietmar Paul (hinten) verabreicht derweil einem jungen Mann die Spritze. Foto: Ralf Joachim Kraft

Im Foyer des Gemeindezentrums Herz-Jesu im Rastatter Münchfeld stehen die Impfwilligen zwar nicht Schlange. Aber immerhin hat sich schon vor dem Start am Samstag um 14 Uhr eine größere Gruppe Menschen eingefunden – alle schön auf Abstand und mit Maske.

Einige füllen an Stehtischen die notwendigen Dokumente aus. Andere haben es sich auf Holzstühlen gemütlich gemacht. Lange warten müssen sie nicht. Recht schnell geht’s rein in den Saal, der jetzt als Impfzentrum dient. An einem Tisch nehmen Simone Gollbach und Lion Paul die Papiere entgegen und kümmern sich um die Impfdokumentation.

Krankenhaus-Oberarzt Dietmar Paul verabreicht derweil eine Spritze nach der anderen. 40 sind es an diesem Tag insgesamt. Geimpft wird mit Moderna und Johnson & Johnson; Biontech gibt’s für Schwangere, Stillende – und auch für die Jugend. Die ist gut vertreten. Von einem ist zu erfahren, dass er mit dem Impfen lange gewartet habe, „aber jetzt kommt man ja nicht mehr drum herum.“

„Habe das Virus erst für nicht so gefährlich gehalten“

Nach und nach trudeln die Menschen ein, 24 kommen zur Drittimpfung. Je früher man sich mit dem Booster schützen könne, desto besser, sagen viele – auch mit Blick auf die Ausbreitung der Omikron-Variante. Das kleine Impfteam freut sich unterdessen auch über zehn Erstimpfungen. Darunter ein Student, der mit seiner Mutter gekommen ist. Er hat zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie die Wohnung verlassen. Auch Liborio Cusumano und sein 15-jähriger Sohn Carlo lassen sich zum ersten Mal impfen. „Ich war Impfgegner“, bekennt der Vater. „Meine Eltern, die auf Sizilien leben, haben mich und meinen Sohn, der über die Fastnachtszeit nach Italien will, dazu überredet.“ Warum er skeptisch war? Cusumano: „Ich habe das Virus nicht für so gefährlich gehalten. Ich persönlich kenne keinen, der daran gestorben ist. In meinem Bekanntenkreis hatten zwar einige Corona, aber keine Symptome.“

Positionierung der Kirche „eine weise Entscheidung“

Erfahren haben die Menschen von der ersten Aktion in Kooperation mit der katholischen Kirche auf verschiedenen Wegen. Bei Paul Reuter war es ein persönlicher Kontakt. „Wir kommen aus der Siedlung und nutzen die Gelegenheit vor der Haustür. Bei uns ist jetzt die ganze Familie geboostert.“ Eine Frau aus Malsch, die ebenfalls zur Drittimpfung gekommen ist, sagt, sie sei eher zufällig hier gelandet. „Ich war beim Impfzentrum in der GTÜ-Prüfstelle. Dort stand, dass heute in der Kirche geimpft wird. Deshalb bin ich hier.“ Von einem „super Angebot“ sprechen Heike und Jörg Holzwarth, die sich ebenfalls boostern lassen möchten. Die beiden Rastatter haben im Internet davon erfahren. „Entscheidend für uns die Ankündigung, dass hier ohne vorherige Terminvergabe und lange Wartezeit geimpft wird“, sagen sie. Ein Baden-Badener, der aus der Zeitung von dem Angebot erfahren hat und gleichfalls den Auffrischungs-Piks will, hält die Positionierung der Kirche pro Impfung und die Öffnung der Gemeindehäuser für eine „sehr weise Entscheidung, die man theoretisch schon früher hätte erwarten können“, wie er sagt.

„Können nicht immer den großen Ansturm erwarten“

Mediziner Paul zieht am Ende des ersten Tages positive Bilanz. „Ich bin mit der Nachfrage zufrieden. Wir können nicht immer den ganz großen Ansturm erwarten.“ Er habe den Eindruck, dass im Moment viele auf die Totimpfstoffe „Novavax“ und „Valneva“ warten.

Die Impfaktion in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche wird am Samstag und Sonntag, 22. und 23. Januar, am selben Ort fortgesetzt. Am 15. Januar impft Dietmar Paul von 9 bis 12 Uhr bei der Firma Pneuhage in Gaggenau und am 16. Januar von 11 bis 14 Uhr bei der Firma Eurotechnik Dittrich in Kuppenheim.


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