Auch in Baden-Baden bleiben viele Betten leer

Baden-Baden (BNN) – Corona hat auch dieses Weihnachtsfest fest im Griff, worunter auch wieder die Hotellerie leidet. Das Regel-Wirrwarr löst auch in Baden-Baden eine Stornierungswelle aus.

Zutritt nur für Geimpfte und Genesene: Viele Hotels rechnen damit, dass an den sonst so gut gebuchten Weihnachtstagen Betten leer bleiben.  Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Zutritt nur für Geimpfte und Genesene: Viele Hotels rechnen damit, dass an den sonst so gut gebuchten Weihnachtstagen Betten leer bleiben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Weihnachtsfeiern? Abgesagt. Zimmerbuchungen? Tröpfeln nur zögerlich ein. Das Restaurant? Von einer Welle an Stornierungen erfasst. Bei Hans Schindler ist die Stimmung eine Woche vor Heiligabend alles andere als festlich.

„Normalerweise machen wir zwischen Weihnachten und Silvester ein dickes Geschäft“, sagt Schindler, Besitzer des Gasthauses Auerhahn in Geroldsau. Dieses Jahr bleiben wohl viele Betten leer. „Die Leute trauen sich nicht“, meint der Hotelier, der Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes ist.

„Es schwelt eine Unsicherheit, die das Buchungsverhalten der Gäste beeinflusst“, bestätigt Nora Waggershauser, Geschäftsführerin der Kur & Tourismus GmbH. Viele befürchteten einen erneuten Lockdown für Gastronomie und Hotellerie und blieben lieber daheim. Momentan lägen die Buchungen in den Hotels der Kurstadt rund 50 Prozent unter denen der Vorjahre. Wesentlich dazu beigetragen habe die Absage des Christkindelsmarktes, der zu Beginn der Adventszeit Touristen in die Kurstadt gelockt hatte. „Für viele Gäste fehlt jetzt der Reiseanlass“, sagt Waggershauser. Die Weihnachtstage seien zwar Stand jetzt noch gut gebucht. Das könnte sich aber schnell ändern – je nachdem, wie sich die Corona-Lage entwickelt.

„Das hat einen großen Schaden angerichtet“

Vor allem wegen der Verwirrung um die 2G-plus-Regel habe es Stornierungen gehagelt. Zwischenzeitlich brauchten Geimpfte und Genesene unter anderem in Restaurants einen Schnelltest. Einen Tag später ruderte die Regierung zurück und revidierte die Regel zum Teil. Menschen, deren Impfung weniger als sechs Monate zurückliegt oder die bereits geboostert sind, brauchen nun doch keinen Test. Da hatten viele Gäste ihre Buchung aber bereits storniert. „Das hat einen großen Schaden angerichtet“, sagt Waggershauser.

„Sich ständig ändernde Regeln und keine klare Aussage – das war ganz schlimm“, pflichtet Schindler ihr bei. Dabei könnte er die Gäste gerade jetzt besonders gut gebrauchen. Die Umsätze am Jahresende dienen dem Hotelier als Polster für das erste Quartal des neuen Jahres, das traditionell schlechter laufe: „Diese Reserven fehlen jetzt.“ Auch bei seinen Kollegen sei die Stimmung schlecht, sagt er: „Allen fehlt das Geld.“

„Wir sind eher pessimistisch“, sagt Marcus Scholz, General Manager beim Roomers Hotel in Baden-Baden. An den Adventswochenenden seien etwa 70 Prozent der Betten belegt: „Das ist verträglich, aber wir sind anderes gewohnt.“ Über Weihnachten sei das Hotel normalerweise ausgebucht. „Jeden Tag rufen Gäste an und stornieren ihre Buchung“, klagt Ann-Kathrin Schwemmle. Sie ist Geschäftsführerin des Atlantic Parkhotels. Die ständigen Regeländerungen seien schwierig für die Branche: „Die Leute wollen eine gewisse Sicherheit.“ Im Maison Messmer hielten sich die Stornierungen zwar bislang noch in Grenzen, sagt Cristina Winkelmann, Leiterin der Abteilung Sales und Marketing: „Jedoch spüren wir Verunsicherung bei den Gästen.“ Beim Brenners Parkhotel ist man trotz allem optimistisch. Die eine oder andere Stornierung habe es natürlich gegeben, sagt Kommunikationschef Markus Beus. Insgesamt laufe das Geschäft im Dezember schlechter als sonst: „Aber das betrübt uns nicht.“ Über die Festtage sei die Buchungslage bis jetzt noch sehr gut. Zwar kämen wegen Corona weniger Gäste aus dem Ausland. Dafür würden aber vermehrt Ausflügler aus Deutschland und der Region das Hotel und die Bäderstadt für sich entdecken.

Eine Prognose für die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester will Beus noch nicht treffen: „Das Reiseverhalten ist durch Corona kurzfristig geworden.“ Heißt: Viele Gäste entschieden sich spontan dafür, zu verreisen. „Oft stehen Gäste an der Rezeption und fragen, ob wir am gleichen Abend noch ein Bett frei haben.“

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Marie Orphal

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Erstellt:
17. Dezember 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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