Auch in Baden-Baden erscheinen Menschen nicht zum Impftermin

Baden-Baden (BNN) – Blockieren Impfgegner die Termine? Diese Frage stellt sich, wenn Menschen nicht zu ihren vereinbarten Impfterminen kommen. Für diese Spekulationen gibt es aber keine Belege.

Impftermine sind heiß begehrt. Aber nicht alle Impflinge erscheinen zum gebuchten Termin.  Foto: Sven Hoppe/dpa

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Impftermine sind heiß begehrt. Aber nicht alle Impflinge erscheinen zum gebuchten Termin. Foto: Sven Hoppe/dpa

Nach einer Impfaktion in der Euraka am ersten Dezemberwochenende brodelt im Netz die Gerüchteküche. Der Grund: Rund 1.050 Personen hatten einen Impftermin gebucht. Mehr als 200 von ihnen erschienen nicht. Die Stadt appellierte daraufhin an die Bürger, ihre Impftermine wahrzunehmen.
In den sozialen Netzwerken bietet dieser Vorfall Anlass für Spekulationen. Einige vermuten, dass es sich um eine Aktion von Impfgegnern handelt, die absichtlich Impftermine belegen, um sie Impfwilligen wegzunehmen. „Das ist doch eine gezielte und kriminelle Aktion“, mutmaßt ein Nutzer. Andere pflichten ihm bei: „Das sieht sehr organisiert aus“, „Eine so hohe Anzahl an vergesslichen Personen ist nicht nachvollziehbar“, „200! Das sind doch keine schusseligen Einzelfälle“ lauten weitere Einträge. Bei Impfaktionen komme es immer mal wieder vor, dass Menschen ihren Termin nicht wahrnehmen, sagt Roland Seiter, Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage dieser Redaktion. In der Größenordnung wie zuletzt in der Euraka sei das bisher aber noch nicht vorgekommen. Er räumt ein: „Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, dass es eine Aktion von Impfgegnern war.“ Dafür gebe es aber keine Belege.

Fest steht laut Seiter: Mehrere Menschen standen mehrmals auf der Anmeldeliste. Sie hatten also mehrere Termine angeklickt und gebucht. „Dabei ist das Buchungssystem eigentlich kinderleicht.“ Um solche „Fehlbedienungen“ zu vermeiden, habe die Stadt das System inzwischen nachgebessert. Eine Person könne nun nicht mehr mehrere Impftermine buchen, erläutert Seiter.

Zur Sicherheit mehrere Termine reserviert?

Dass Menschen ihrem Impftermin fernbleiben, sei ein generelles Problem, sagt Ingo Wiedenlübbert. Am Montag hätten sich 134 Menschen zur Impfung in seiner Hausarztpraxis angekündigt. Gekommen seien aber nur 91. „Das ist hochgradig ärgerlich“, sagt Wiedenlübbert. Dass es sich bei den Terminschwänzern um Impfgegner handelt, glaubt er nicht. Wahrscheinlicher sei es, dass einige mehrere Termine buchten, um möglichst früh an die Reihe zu kommen. Andere wollten eigentlich nur mit Moderna geimpft werden, reservierten zur Sicherheit aber auch Impftermine mit anderen Impfstoffen – und erschienen dann einfach nicht.

Auf Facebook ist der Ärger über die verfallenen Termine groß. Kommentare wie „Sauerei“, „unsolidarisch“, „rücksichtslos“, „egoistisch“ und „unverschämt“ ploppen unter dem Beitrag auf. Einige Nutzer fordern Geldbußen für Impftermin-Schwänzer: „Die Menschen, die einen Termin nicht stornieren, sollten zur Kasse gebeten werden.“ Konsequenzen sind aktuell nicht zu befürchten, wenn jemand seinem Impftermin fernbleibt. „Uns ist nicht bekannt, dass es eine Verordnung gibt, die dieses Verhalten sanktioniert“, sagt Seiter.

Keine Impfdosen gehen verloren

Und was passiert mit dem übrig bleibenden Impfstoff? Dass deutlich mehr Spritzen mit Impfstoff aufgezogen werden als Impfwillige kommen, sei ausgeschlossen, erklärt die Baden-Badener Ärztin Susanne Daul. Im Vorfeld von Impfaktionen ziehe sie üblicherweise zehn Spritzen mit Impfstoff auf. Das entspreche einem Fläschchen Impfstoff. Nach und nach ziehe sie dann die restlichen Spritzen auf: „Sozusagen auf Sicht.“ Das aufgetaute Fläschchen mit dem Impfstoff könne bei Kühlschranktemperatur zehn Wochen gelagert werden und bei weiteren Impfaktionen zum Einsatz kommen. Anders sieht es bei bereits aufgezogenen Spritzen aus. Diese seien rund sechs Stunden lang haltbar, müssten also noch am selben Tag verbraucht werden. Im Notfall spreche man daher Passanten an, um die Dosen zu verimpfen, sagt Seiter. Bei der Impfaktion in der Euraka sei keine Impfdosis verloren gegangen. Seiter rät davon ab, ohne Anmeldung zum Impfen zu kommen: „Es kann zu langen Warteschlangen kommen, und am Ende wird es nichts mit der Impfung.“

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Marie Orphal

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Erstellt:
15. Dezember 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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