Auch mit wenig Geld mal ins Theater oder Kino

Baden-Baden (BNN) – Die Baden-Badener Kulturloge vermittelt auch in Pandemie-Zeiten Tickets an Menschen mit geringem Einkommen. Derzeit gibt es 230 „Kulturgäste“.

Die Kulturloge vermittelt unter anderem Karten fürs Stadttheater. Foto: BT/av

Die Kulturloge vermittelt unter anderem Karten fürs Stadttheater. Foto: BT/av

Wenn Corona die Notbremse betätigt, ist Kreativität gefragt. Was für die Künstler und Veranstalter gilt, traf mit gleicher Härte auch die Baden-Badener Kulturloge. Unter diesem Namen tritt seit 2013 eine Gruppe wackerer Gleichgesinnter an. Deren erklärtes Ziel ist es, kulturelle Angebote auch jenen Mitbürgern zu eröffnen, für die Tickets unerschwinglich sind.

Wer im Stadtkreis zuhause und auf die Grundsicherung angewiesen ist oder mit der Rente knapsen muss und deshalb nicht mehr am kulturellen Geschehen teilnehmen kann, vermag sich einfach als Interessent anzumelden und wird auf diese Weise zum „Kulturgast“. Ein Status, der Chance eröffnet, endlich wieder einmal ins Kino, Theater, Museum, Kabarett oder zu einem Konzert zu gehen.

Gratiskarten nach außen nicht erkennbar

„Seit unserem Bestehen haben wir schon über 3.000 Tickets an die bei uns angemeldeten Kulturgäste vermittelt“, berichtet Pressesprecherin Ulrike Tobisch-Kohlbecker. Das sei letztlich auch der guten Zusammenarbeit mit den lokalen Veranstaltern kultureller Ereignisse geschuldet. Denn auch sie helfen mit, damit es ein klein wenig mehr sozialen Frieden in der Stadt geben kann. Der ist wichtig. „Immer wieder betonen unsere Gäste, wie sehr es ihnen guttut, mal wieder eine kulturelle Veranstaltung besuchen zu können“, erzählt Tobisch-Kohlbecker.

Es werden keineswegs willkürlich Karten verteilt: Jeder gibt zuvor an, wofür er sich interessiert. Kommen entsprechende Karten rein, wird Kontakt aufgenommen. Und dann kann es auch schon losgehen.

Dass es sich dabei um Gratistickets handelt, ist nach außen nicht zu erkennen. Die Karten werden, genau wie andere auch, etwa an der Abendkasse hinterlegt.

Ob bei der AWO, der Caritas oder der Diakonie – die Prospekte der Kulturloge inklusive Anmeldeformular liegen an zahlreichen Stellen aus. Doch jetzt könnte die Kulturloge selbst ein bisschen Hilfe brauchen: Man hofft auf mehr Mitstreiter, die dem Verein beitreten.

Weitere Unterstützer gesucht

So sind laut der Vorsitzenden Christa Rheinschmidt derzeit zwar 230 Kulturgäste registriert, darunter auch einige russischer sowie ukrainischer Herkunft. Und es konnten trotz Pandemie im Jahr 2020 ganze 130 und 2021 trotz eines gekürzten Kontingents immerhin 103 Karten vermittelt werden. Allerdings ist auch in den eigenen Reihen eine Ausdünnung zu spüren. 51 Mitglieder gibt es im Augenblick. „Ihre Beiträge sind für uns lebensnotwendig“, verweist Rheinschmidt etwa auf die laufenden Kosten für den Unterhalt des Büros. Selbiges werde benötigt, um die Tickets zu vermitteln, die etwa auch die Türen zum Bluesclub, ins Festspielhaus oder beispielsweise in die Opernakademie öffnen.

Eine wichtige Aufgabe, sind sich die Akteure einig. Denn den Kulturgästen fehle neben der Kultur auch die Kommunikation, die in den Veranstaltungspausen stattfindet. Das sei für einige die einzige Möglichkeit, Kontakt zu finden.

Den Anstoß zur Gründung gab vor knapp zehn Jahren übrigens Doris Rümmele, angeregt durch eine entsprechende Initiative in Marburg. Sie fand schnell Mitstreiter, als sie den Stein für die Gründung der Baden-Badener Kulturloge ins Rollen brachte. Und nun soll es nach der coronabedingten Reduzierung wieder losgehen.

Ihr Autor

BNN-Redakteurin Christiane Krause-Dimmock

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Erstellt:
12. Mai 2022, 13:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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