Auch rund um Baden-Baden gibt es Spuren von Wilderei

Baden-Baden (BNN) – Die Polizistenmorde durch Wilderer in Kusel haben den Blick auf das Thema Wilderei gelenkt. Gibt es illegale Jäger auch in den Wäldern um Baden-Baden? Frank Schröder fand Spuren.

Auch rund um Baden-Baden wurden schon Spuren von Wilderei entdeckt. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

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Auch rund um Baden-Baden wurden schon Spuren von Wilderei entdeckt. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Der Mord an zwei Polizisten in Rheinland-Pfalz rückt das Thema Wilderei in den Fokus. Im Kleintransporter des Beschuldigten lagen 22 getötete Tiere. Spuren von illegalen Jägern gibt es auch in Wäldern um Baden-Baden. Die Polizei erwischt die Täter aber selten. Frank Schröder ist selbst noch keinen Wilderern begegnet. Allerdings fand der Chef des Badischen Jäger Kreisvereins vor etwa einem Jahr Spuren einer illegalen Jagd – eine tote Wildsau.

Den Tierkadaver entdeckt ein Holzfäller im benachbarten Wald bei Gernsbach-Staufenberg. Er ist früh morgens unterwegs und wundert sich, das kein Wasser durch den Bach fließt. Einige Meter weiter findet er die Sau – sie verstopft den Wasserzulauf. Unverzüglich alarmiert der Holzfäller Schröder.

„Ich dachte zuerst, dass ein Fahrzeug das Wildschwein angefahren hatte“, sagt der Jäger. Bei genauerem Hinschauen findet er jedoch den Einschuss an der Tierschulter, einen Blattschuss.

Darum sucht er mit seinem Hund nach weiteren Spuren. Er orientiert sich an abgeknickten Blättern und Ästen. „So konnte ich feststellen, von wo geschossen wurde“, sagt Schröder. Er vermutet, dass der Wilderer die Sau in der Dämmerung erlegte. Dieser ließ das Tier liegen. Es war ihm offenbar zu schwer.

Das Borstentier wog zwischen 60 und 70 Kilogramm. Es war noch nicht ausgenommen. Für eine einzelne Person sei das zu schwer. „Alleine schafft das keiner“, sagt Schröder.

Das Kreisjagdamt von Baden-Baden kontrolliert seine Jäger, um den Überblick zu behalten. Schüsse und getötete Tiere werden registriert. Symbolfoto: Ralf Hirschberger/ dpa

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Das Kreisjagdamt von Baden-Baden kontrolliert seine Jäger, um den Überblick zu behalten. Schüsse und getötete Tiere werden registriert. Symbolfoto: Ralf Hirschberger/ dpa

Den Fund zeigt er später bei der Polizei an. Der Täter bleibt jedoch unbekannt. Es ist nicht einfach, Wilderer zu erwischen. Um sie zu überführen, bräuchten Ermittler viel Glück, sagt Schröder. Denn: Der Wald ist groß und die Täter suchen sich Orte, an denen sie ungestört sind. „Mit Sicherheit gab es schon mehr Vorfälle.“

Seinen Jägern verbietet er, verdächtigen Personen zu nahezukommen. Sie sollten Abstand halten und die Polizei alarmieren. „Keiner sollte sein Leben aufs Spiel setzen.“ Sicherheit steht an erster Stelle.

Jäger müssen sich in Deutschland an Regeln halten: Sie brauchen etwa einen gültigen Jagdschein. Und sie dürfen nur in einem bestimmten Gebiet jagen. Wilderei ist nach Paragraf 292 des Strafgesetzbuches verboten. Täter müssen mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren rechnen.

Baden-Baden landesweit mit größten Waldgebiet

Von 2018 bis 2021 ermittelte die Staatsanwaltschaft Baden-Baden 13-mal wegen des Verdachts der Wilderei, das bestätigt Sprecher Michael Klose. Nur einmal sei einen Wilderer zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Den Fall verhandelten Richter 2019. Im vergangenen Jahr leiteten die Staatsanwälte drei Verfahren ein – zwei gegen Unbekannte und eins gegen eine namentlich bekannte Person. An den Fall im Wald bei Staufenberg könne sich Klose nicht genau erinnern. Möglicherweise handle es sich um eins der drei Verfahren. Oder die Staatsanwälte ermittelten wegen eines anderen Verstoßes. „Wenn nicht Wilderei, sondern etwa ein Verstoß gegen das Waffengesetz erfasst wurde, wird der Fall nicht unter Paragraf 292 registriert“, sagt Klose.“

Baden-Baden hat das größte kommunale Waldgebiet in Baden-Württemberg. Es umfasst laut Stadt rund 8.526 Hektar. 50 Jäger dürfen dort Wildtiere schießen. Dazu zählen auch private Jäger. Im Schnitt erlegten sie 400 Wildschweine und 800 Rehe pro Jahr, sagt Thomas Hauck, Leiter des städtischen Kreisjagdamts.

„Wilderer zu erwischen, ist so gut wie unmöglich“

Das Amt kontrolliert die Jäger genau: Wer einen Schuss im Stadtwald abfeuere, müsse das dokumentieren, sagt Hauck. Zudem werde jedes erlegte Tier in der Wildkammer registriert. Hinzu kommt, dass sich die Jäger untereinander absprechen. Sie sitzen auf festen Hochsitzen. Dadurch kämen sie sich nicht ins Gehege.

Hauck vermutet, dass Unbekannte immer wieder im Stadtwald wildern. Das könne er aber nicht nachweisen. „Wilderer zu erwischen, ist so gut wie unmöglich“, sagt er.

Kameras nutzen die Jäger bei der Aufklärung nicht. Sie dienen laut Hauck lediglich dazu, das Wild zu beobachten. Darum befinden sich die Geräte abseits von Wegen und sind mit Schildern gekennzeichnet. Mehr als 50 Kameras hängen im Stadtwald. Hauck kennt ebenfalls die Spuren von Wilderern. Vor etwa zwei Jahren habe er Blutspuren entdeckt. Zudem meldeten Menschen immer wieder Schüsse, die nicht von seinen Jägern stammten. „Ich schaue dann nach, ob ich ein totes Tier oder Spuren finde“, sagt Hauck. Bisher hatte er jedoch nie Erfolg.

Zum Thema:

Höchststand: Immer häufiger finden Jäger und Förster Spuren von Wilderern. Laut Landeskriminalamt Baden-Württemberg erreichte die Zahl 2020 einen Rekordwert. 115 Fälle meldete die Polizei. Im Jahr 2013 wurde die geringste Zahl von 73 Fällen genannt.

Indizien fehlen: Dennoch klären Staatsanwaltschaften Fälle wegen Wilderei selten auf. Die Erfolgsquote liegt bei 25 Prozent. Den Großteil der Ermittlungen stellten die Staatsanwälte wegen fehlender Beweise ein. Es gebe eine hohe Dunkelziffer, heißt es von der Deutschen Presseagentur im Februar.

Mehr Männer als Frauen: Täter nutzten laut Statistik des Landeskriminalamts neben Feuerwaffen aller Art auch Armbrüste sowie Pfeil und Bogen, Sägen, Kabel und Schlingen. Wilderer sind zudem meistens männlich. Von den 30 Tatverdächtigen waren 2020 nur sechs weiblich.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Karoline Scharfe

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Erstellt:
6. April 2022, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 42sec

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