Auf Spuren der Aristokratie in Baden-Baden

Baden-Baden (cn) – Der neuer Stadtrundgang der BBT heißt „Licht an – der Tanz beginnt“. Das BT war bei der Premiere der barrierefreien Tour durch die Jahrhunderte mit dabei.

Stumme Zeugen aus der Vergangenheit: Stadtführerin Sonja Auhagen präsentiert ein Gängelband. Foto: Christina Nickweiler

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Stumme Zeugen aus der Vergangenheit: Stadtführerin Sonja Auhagen präsentiert ein Gängelband. Foto: Christina Nickweiler

Zahlreiche Blicke zieht Christian Koch auf sich, als er mit einer Kandelaberlanze vorsichtig den Gashebel in den einzelnen Gläsern der historischen Straßenlaternen vor dem Kurhaus betätigt. Wenige Sekunden später beginnen die Glühstrümpfe zu leuchten. Mit diesem allabendlichen Ritual pflegt der Hauswart des Kurhauses eine über 170 Jahre alte Tradition. Bei einer neuen Themenführung der Baden-Baden Kur- und Tourismus Gesellschaft (BBT) tauchen die Besucher mit Stadtführerin Sonja Auhagen in den Glanz alter Zeiten. Das Besondere: Die Tour ist komplett barrierefrei.

„Licht an – der Tanz beginnt“ heißt der neue Stadtrundgang, bei dem sich bei der Premiere auf Anhieb mehr als 20 Personen eingefunden haben und an diesem frühen Samstagabend mit Sonja Auhagen den Vergnügungen der Aristokratie von einst nachspüren. Schon beim Treffpunkt in den Kolonnaden präsentiert die Stadtführerin nicht nur baugeschichtliche Aspekte, sondern auch Begebenheiten, die sich im 19. Jahrhundert in der Kurstadt in der Lebenswelt der Angehörigen des gehobenen Bürgertums und des Adels ereignet haben. Denn deren Bekennen zu der vorrevolutionären Ordnung des „Ancien Régime“ und dem damit kultivierten noblen Lebensstil außerhalb Frankreichs und anderer europäischer Monarchien, hat die Kurstadt berühmt gemacht.

Christian Koch zieht mit dem Anzünden der Straßenlaternen die Aufmerksamkeit auf sich.  Foto: Christina Nickweiler

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Christian Koch zieht mit dem Anzünden der Straßenlaternen die Aufmerksamkeit auf sich. Foto: Christina Nickweiler

Rasch kommt die Tourleiterin auf den französischen Unternehmer Jean Jacques Bénazet und seinen Sohn Edouard Bénazet zu sprechen. „Beide haben Baden-Baden unverkennbar mit französischem Charme geprägt“, sagt sie. Bildhaft schildert Sonja Auhagen auf den Treppen des Kurhauses, wie in der „Belle Epoque“ die feine Gesellschaft mit opulent gekleideten Damen hier pompöse Bälle gefeiert hat. Weich und geschmeidig fühlt sich das Begehen auf dem samtigen Teppichboden in der Eingangshalle des Casinos an, als die Besucher versuchen, hinter den Glasscheiben den Saal der 1.000 Lichter zu erspähen. Nah an den Personen der Vergangenheit handeln die Geschichten, die Sonja Auhagen zu erzählen weiß. Hierzu gehören bis in die Gegenwart bedeutende Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport.

Plötzlich zieht sie aus ihrer dunkelblauen Tasche eine „Klapperschlange“. Das ist ein zeitgenössisches, aufklappbares Bild von Königin Victoria von England und ihrem Prinzgemahl Albert, das es als Souvenir in den Kolonnaden zu kaufen gab. Überrascht schauen die Teilnehmer, als die Stadtführerin ein dunkelrotes Band aus einem Kästchen zaubert und dieses als Gängelband präsentiert. Mit diesem hätten früher die Gouvernanten die Sprösslinge des Adels im Auge gehabt, erfahren die Gäste.

Legenden in der Trinkhalle

Einen epochalen Zeitsprung unternimmt Sonja Auhagen beim Gang durch den Wandelgang der Trinkhalle. Vor einer Darstellung berichtet sie von einer Legende aus dem 30-jährigen Krieg, wonach die Nonnen des Klosters Lichtenthal mit einer List feindliche Soldaten in die Irre geführt und somit das Kloster vor Zerstörung geschützt hätten. Aufmerksam betrachten die Teilnehmer die romantisch verklärten Gemälde über die Sagen in dem Wandelgang. Dieser samt Trinkhalle war 1842 von Heinrich Hübsch, einem Schüler von Friedrich Weinbrenner, errichtet worden.

Auf dem Weg zum Theater, vorbei an den prächtigen Blumenteppichen im Kurgarten, blicken die Besucher zu der Großbaustelle des Europäischen Hofs und erfahren, dass Kaiserin Sissi aus Österreich hier einmal nächtigte und wegen der frischen Milch ihre eigene Kuh mitgebracht habe. Gelächter löst unter den Teilnehmern ebenso die Anekdote über das Missfallen einer Königlichen Hoheit aus, der, nachdem das Theater erbaut worden war, die Sicht vom Balkon des Hauses Messmer zu den winkenden Untertanen abhandengekommen war.

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Erstellt:
28. Juni 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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amritza 28.06.202117:09 Uhr

Frau Nickweiler bezaubert uns immer wieder mit ihren schönen Artikeln.

Wir waren dabei und genossen das Gaslicht, das Sonnenlicht und die unterhaltsame Runde durchs sommerliche Kurviertel.


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