Auf alternativen Wegen durch den Lockdown

Kuppenheim (ar) – Viele Menschen sehnen sich nach einem Restaurantbesuch. Die Gasthäuser in Kuppenheim sind geschlossen, doch Gastronomen versuchen, sich mit kreativen Ideen über Wasser zu halten.

Blick in die Küche des Gasthauses „Blume“: Vater Rudi Lorenz, Koch Stefan Heinrich und Jürgen Lorenz. Foto: Anne-Rose Gangl

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Blick in die Küche des Gasthauses „Blume“: Vater Rudi Lorenz, Koch Stefan Heinrich und Jürgen Lorenz. Foto: Anne-Rose Gangl

Noch hat Jürgen Lorenz seinen Humor nicht verloren. Von Dienstag bis Samstag steht er gemeinsam mit seinem Vater Rudi Lorenz und Koch Stefan Heinrich in der Küche des Gasthauses „Blume“ und kocht für jeden Tag gute badische Gerichte zum Abholen – mit guter Laune, wie er auch in einem Videoclip dokumentiert hat. „Jetzt sind es insgesamt schon 17 Wochen, in denen wir keine Gäste empfangen konnten“, sagt er nachdenklich. Aus dem Plan nach der ersten Zwangsschließung im März vergangenen Jahres, Tagesessen zum Abholen anzubieten, entwickelte sich zwischenzeitlich das Geschäftsmodell, mit dem sich das alt eingesessene und in vierter Generation familiär geführte Gasthaus durch den zweiten Corona-Lockdown kämpft. Das vergangene Jahr sei ein Jahr der ständigen Umstellungen gewesen. „Aber es bringt nichts, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken, man muss alternative Wege finden“, sagt Martin Raub, der gemeinsam mit seiner Schwester Katharina Raub im Kuppenheimer Ortsteil Oberndorf einen kleinen Pop-up-Laden immer Freitag und Samstag öffnet. In der Produktlinie „Raubs seit 1854“ bieten sie verarbeitete Produkte aus dem eigenen Garten und Feinschmecker-Gerichte abgefüllt und eingekocht in Gläser, die auch über ihren Online-Shop Stammgäste in ganz Deutschland und den Nachbarländern erfreuen.

„Da müssen wir durch“

„Da müssen wir durch und immer den Kopf oben halten“, sagt Maurizio Mangano vom Ristorante „Pizzeria Da Mario“, der seine Gerichte zum Abholen anbietet. Wie alle anderen freut er sich über die Gäste, die immer noch zum Abholen kommen und mit denen ein paar wenige persönliche Worte gesprochen werden können. „Ja, es geht uns schlecht, und die Schäden werden bleiben, auch wenn alles vorbei ist, wird es Jahre dauern, bis wir wieder da sind, wo wir vor dem Lockdown waren“, so der junge Gastronom. „Wir kämpfen, aber wir versuchen durchzuhalten und hoffen, dass wir in sechs bis acht Wochen wieder öffnen können“, zeigt sich Rosario Giardini von der Pizzeria Da Rosario immer noch voller Hoffnung. Seit 1992 ist er selbstständig, doch die Unsicherheit über den Fortbestand seiner Existenz, die er sich in 30 Jahren aufgebaut hat, ist aktuell ständiger Begleiter. Seine Stammgäste nehmen den Abholservice gerne an, doch auch die Ausgangssperre ab 20 Uhr bekommt er zu spüren. „Wir haben nicht mehr so viele Kunden wie früher, denn uns fehlen die Tische und die Bestellungen nach 20 Uhr“, erklärt Sati Özpinar vom „Zara Kebab“. Die Fixkosten könnten sie noch zahlen, aber am Monatsende bleibe für sie selbst nichts mehr übrig, so die Inhaberin. „Im Moment ist es so ein Dahinvegetieren, ein Von-Woche-zu-Woche-Denken“, drückt Jürgen Lorenz die Situation der Gastronomen aus. Sie möchten durchhalten, auch wenn sie Umsatzeinbußen von 50 bis 60 Prozent haben. „Die laufenden Kosten bleiben gleich, aber die Einnahmen sind nur noch halb so viel“, fügt Katja Lorenz hinzu, die sich manchmal wie in einem Albtraum fühlt. Aus der zugesagten Unterstützung des Bundes kam bis heute lediglich eine erste Abschlagszahlung der Novemberhilfe an. Dankbar sind die Kuppenheimer Gastronomen ihren Kunden, die zu ihnen kommen und sich über das tägliche warme Essen freuen. „Man spürt, dass man mehr zusammenrückt, denn wir sitzen ja alle im gleichen Boot“, sagt Katja Lorenz.

Katharina Raub und ihr Bruder Martin Raub öffnen in Oberndorf an zwei Tagen pro Woche einen kleinen Pop-up-Laden. Foto: Anne-Rose. Gangl

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Katharina Raub und ihr Bruder Martin Raub öffnen in Oberndorf an zwei Tagen pro Woche einen kleinen Pop-up-Laden. Foto: Anne-Rose. Gangl


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