Auf dem Buchmarkt gibt es trotz Corona auch Gewinner

Baden-Baden (nie) – Corona macht auch vor dem Buchhandel nicht halt. Zum Welttag des Buches, der am 23. April begangen wird, hat das Marktforschungsunternehmen Media Control eine Verschiebung beim Einkaufsverhalten festgestellt.

Ulrike Altig von Media Control stellt mit ihrem Team eine Verschiebung des Einkaufsverhaltens fest. Foto: pr

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Ulrike Altig von Media Control stellt mit ihrem Team eine Verschiebung des Einkaufsverhaltens fest. Foto: pr

Ja, auch Ulrike Altig, Geschäftsführerin des Baden-Badener Marktforschungsunternehmens Media Control, nimmt es sofort in den Mund: Das Wörtchen „ungewöhnlich“. Unzählige Berichte, Ansprachen und Gespräche bedienen sich dieser Beschreibung in diesen, ja in der Tat, ungewöhnlichen Zeiten. Und auch die Buchbranche kann mit Ungewohntem aufwarten.

Welttag des Buches am 23. April

So gebe es nämlich Gewinner, die üblicherweise nicht an vorderster Front vertreten sind, kommt schnell die Erklärung von Altig: „Online hat natürlich Plus gemacht“ im Gegensatz zum Verkauf im sogenannten stationären Handel (also die Buchhandlungen vor Ort), der einen Einbruch von „leicht über 50 Prozent“ im Zeitraum von Mitte März bis Mitte April habe verzeichnen müssen.

Und trotzdem liefen mancherorts Bücher ganz real und nicht nur virtuell direkt über die Ladentheke – auch bevor die Buchläden am vergangenen Montag wieder öffnen durften. Und zwar hatte es für die Nebenmärkte, also beispielsweise für Supermärkte, die verschiedene Waren anbieten, ja keine Schließungsvorgaben gegeben – und „geöffnet“ ist nun in der Statistik gleichzusetzen mit „gewinnen“. Vor Corona waren die Nebenmärkte, was den Buchverkauf anging, laut den Auswertungen von Media Control mit zehn Prozent im Minus gewesen, nun ist ein Plus von 66 Prozent zu verzeichnen. „Die haben durch die Krise jetzt zugelegt“, sagt Altig. Dieser Wert komme durch den Vergleich mit demselben Zeitraum des Vorjahres (Januar bis März) zustande, erläutert Altig.

Auf dem Treppchen nach oben gestiegen ist auch der Bereich der E-Books, nämlich von Minus drei Prozent auf jetzt Plus 26 Prozent (Stand Mitte April). Altig schlussfolgert daraus, dass mehr Menschen als üblich ihre Einkäufe coronabedingt online erledigt haben. Generell machten die E-Books lediglich nur fünf Prozent vom Gesamtmarkt aus, das „physische“ Buch steche dagegen eben noch immer mit 95 Prozent heraus.

Buchbranche schwer „gebeutelt“

„Stark durch die Krise bedingt“ sei auch der Zuwachs beim Verkauf von Spielen. Dieser befände sich sowieso in letzter Zeit „immer im Aufwind“, aber gerade jetzt in der Corona-Zeit mit ihren Einschränkungen würden die Familien wieder mehr zusammensitzen und spielen. So deutet Altig jedenfalls den Zuwachs von zuvor Plus 17 Prozent auf jetzt Plus 32 Prozent. Die einen spielen, „andere gehen in den Baumarkt“, um nicht den ganzen Tag vor der Glotze sitzen zu müssen, meint Altig und schmunzelt.

Und auch auf die unausweichliche Frage zu Albert Camus „Die Pest“ hat Altig Zahlen parat. Wie berichtet war der Klassiker ausverkauft und es mussten zwei Nachauflagen bestellt werden. „Das sticht schon hervor“, fasst Altig ihre Recherchen diesbezüglich zusammen: Um 90 Prozent hätten sich die Verkäufe zwischen Anfang März und Anfang April gesteigert. Das Werk sei jüngst im „Literarischen Quartett“ (ZDF) vorgestellt worden, womit die Nachfrage zusammenhängen könne, meint die Geschäftsführerin.

Hinsichtlich Gewinner-Genres in der jüngsten Zeit nennt Altig den Kinder- und Jugendbuchbereich (plus fünf Prozent), Verlierer sei die Reiseliteratur (minus 30 Prozent). Es wolle wohl auch keiner nur von einem Urlaub träumen, der so ganz und gar nicht greifbar ist in näherer Zukunft, mutmaßt Altig.

Für Ulrike Altig sind die Buchhändler an sich aber die Gewinner der Herzen. Klar, die Buchbranche sei schwer „gebeutelt“, aber die Buchhändler selbst hätten dafür gesorgt, dass es keinen Kompletteinbruch gegeben habe. Sie drückt ihre Bewunderung dafür aus, wie „extrem“ kreativ und fleißig die stationären Akteure gehandelt hätten: ihren Online-Handel auf Vordermann gebracht, Kontakte am Telefon gepflegt, Bücher eigenhändig ausgefahren. So sei es gelungen, weiß Altig aus Gesprächen mit Betroffenen, Neukunden zu gewinnen und die Anonymität der Nebenmärkte aufzufangen.

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Erstellt:
23. April 2020, 06:30 Uhr
Aktualisiert:
23. April 2020, 07:26 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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