Auf dem Weg in die „Ehrenamtskirche“

Rastatt (ema) – Der Reformprozess in der Erzdiözese Freiburg nimmt Fahrt auf. Jetzt wurden im Dekanat Rastatt lokale Projektkoordinatoren ernannt.

Eingang zum Pfarrgarten von St. Alexander Rastatt: Die katholische Kirche – zumindest viele an der Basis – wollen sich öffnen. Foto: av

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Eingang zum Pfarrgarten von St. Alexander Rastatt: Die katholische Kirche – zumindest viele an der Basis – wollen sich öffnen. Foto: av

Es ist die nächste Etappe auf einer großen Reise, wie sie das Bistum Freiburg seit seiner Gründung 1827 wohl noch nicht erlebt hat: Mit der Ernennung lokaler Projektkoordinatoren nimmt die Reform „Kirchenentwicklung 2030“ langsam vor Ort Fahrt auf. Man mache sich auf den Weg in eine „Ehrenamtskirche“, sind sich der Rastatter Dekan Josef Rösch und Dekanatsreferent André Scholz im BT-Gespräch einig.

Viel ist im Fluss; fest steht bislang nur, dass es in der Erzdiözese ab 2025/2026 nur noch 36 Pfarreien geben wird. Das derzeitige Dekanat Rastatt wird dabei in eine nördliche (Rheinebene) und südliche (Murgtal) Pfarrei aufgeteilt.

Eine der Triebfedern ist der Mangel an hauptamtlichen Mitarbeitern, der an der katholischen Kirche zehrt. Dabei gehe es beileibe nicht nur um Seelsorger, wie Rösch betont. Bis September werden sechs der rund 35 Pastoralstellen nicht mehr besetzt sein, vor allem bei den Gemeindereferenten. Doch aus Röschs Sicht muss die Reform tiefer ansetzen. Es gehe nicht nur um die Zusammenlegung von Kirchengemeinden, sagt auch Scholz. Die Überschrift laute: Kulturentwicklung. Man suche Menschen, „die aus einem religiösen Impuls heraus kirchliches Leben neu denken und mit anderen zusammen entwickeln wollen“, formuliert der Dekan den Anspruch.

Lokale Projektkoordinatoren ernannt

Jetzt soll die Suche nach solchen Reformern starten, nachdem klar ist, welche lokalen Projektkoordinatoren vor Ort den Prozess betreuen und steuern. Für die künftige Rhein-Pfarrei ziehen Pfarrer Ulrich Stoffers (Kuppenheim) und Pastoralreferent Markus Westermann (Durmersheim) die Fäden; für das Murgtal sind es Pfarrer Tobias Merz (Gaggenau) und Dekanatsreferent André Scholz. Sie wollen für den Kulturwandel werben und mit breiter Öffentlichkeitsarbeit Mitstreiter gewinnen. Der Dekan weiß, dass die Vorgehensweise bei der Reform „heiß diskutiert“ wird. Aber aus seiner Sicht führt kein Weg daran vorbei, „alte Gedankenmuster zu verlassen“ und neue Räume zu schaffen.

Es soll eine „Chance sein, Neues auszuprobieren“, so Rösch. Während auf Diözesan-Ebene an den Rahmenvorgaben zu einem „Betriebssystem“ für die künftigen Pfarreien gefeilt wird, soll vor Ort mit einer möglichst umfassenden Beteiligung der Basis an einer Pastoralkonzeption gearbeitet werden, in Arbeitskreisen oder anderen Formaten.

Willkommen seien dabei nicht nur Angehörige der eigenen Kirche, die darüber nachdenken, wie künftig katholisches Leben in der Gemeinde Gestalt annehmen kann. In die Entwicklungsarbeit möchte man auch Interessierte aufnehmen, die bislang der Kirche fernstanden oder als Protestanten auch gerne Impulse für eine stärker ökumenische Ausrichtung geben möchten. Vor allem Jüngere würden Morgenluft wittern, gibt Dekan Rösch seinen Eindruck wieder. Sie seien nicht so stark ortsgebunden, würden eher von Angeboten und Formaten her denken.

Denn klar ist: Vieles, was heute vor Ort noch das katholische Leben bestimmt, wird es künftig nicht mehr geben. Bündelung der Kräfte, wird die Devise heißen; mehr Kooperation.

Dabei könnte auch ein kritischer Geist beflügeln, der zuletzt beim Thema Segnung homosexueller Menschen Katholiken mobilisiert hat. Erst vor wenigen Tagen hätten die Gemeindeteams im Dekanat Rastatt einen gemeinsamen Brief an den Erzbischof in Freiburg verfasst, in dem man Stellung zur offiziellen Linie der Amtskirche nimmt, berichtet Rösch. Für ihn liegt auf der Hand: „Wir müssen offener und weiter werden.“


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