Auf den „Schwätzbänkle“ in Bühl darf geplaudert werden

Bühl (urs) – Wer schwätze will, darf Platz nehmen: Im Stadtgarten wartet eine Aktion des Landesseniorenrats und des Bühler Seniorenrats. Dort laden „Schwätzbänkle“ zum Gespräch ein.

Dicht umlagertes Schwätzbänkle: Bürgermeister Wolfgang Jokerst (rechts) Julia Huber (links erste Reihe), Doris Schmidt-Velten (links zweite Reihe), sowie Mitglieder des Bühler Seniorenrates und zwei interessierte Damen. Foto: Ursula Klöpfer

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Dicht umlagertes Schwätzbänkle: Bürgermeister Wolfgang Jokerst (rechts) Julia Huber (links erste Reihe), Doris Schmidt-Velten (links zweite Reihe), sowie Mitglieder des Bühler Seniorenrates und zwei interessierte Damen. Foto: Ursula Klöpfer

Mit fremden Menschen zu schwätze, das fällt nicht jedem leicht. Rosalinde Becker kommt allerdings mit unbekannten Leuten schnell ins Gespräch. Am Sonntag ist sie mit ihrer Schwester im Bühler Stadtgarten unterwegs. Von den „Schwätzbänkle“ hat sie in der Zeitung gelesen. „Wir schwätzen auch gerne mit anderen“, lacht sie.

Auch Christa Brenkle und Rosalinde Ludwig haben sich bei dem Traumwetter aufgemacht, um auf einem der Bänkle im Stadtgarten zum Schwatzen Platz zu nehmen. „Die Coronazeit war sehr schwierig“, sagen die beiden Frauen. „So sind wir hierhergekommen um zu sehen was hier so abgeht.“

„Ich habe Lust zu erzählen“

Zum Schwätze auf einem der Schwätzbänkle hat sich am Sonntag eine kleine Menschentraube angesammelt. Platz finden sie nicht alle gleichzeitig auf einer der Sitzgelegenheiten: Bürgermeister Wolfgang Jokerst, Julia Huber (Leiterin der Abteilung Kultur, Sport, Generationenarbeit bei der Stadt Bühl), Doris Schmidt-Velten (Vorsitzende des Kreisseniorenrates Rastatt), Mitglieder des Bühler Seniorenrates sowie einige Interessierte. Der Grund für die Zusammenkunft ist schnell genannt. Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg hatte die landesweite Aktion ins Leben gerufen: „Auf die Schwätzbänkle, fertig, los.“ Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Hubert Schnur wurden so auch in Bühl öffentliche Sitzbänke im Stadtgarten von 14 bis 18 Uhr mit einem „Schwätzbänkle-Schild“ versehen, mit der Aufforderung sich niederzulassen und somit eine Begegnung für Menschen jeden Alters zu schaffen. „Wer sich auf eine dieser Bänke setzt, signalisiert damit: Ich habe Lust zuzuhören oder Lust zu erzählen“, fasste Bürgermeister Jokerst die Kernaussage der Aktion in einem Satz zusammen.

Die Corona-Pandemie hat das gesamte Leben in einem bis dahin unvorstellbarem Maße durcheinandergewirbelt – auch und besonders das der Älteren. „Eingesperrt zu Hause, so ist die Zeit von vielen Seniorinnen und Senioren empfunden worden“, so Jokerst. „Daher ist es einmalig, dass die Idee vom Landesseniorenrat vom Bühler Seniorenrat so spontan aufgegriffen wurde“, freute er sich über den Aktionsstart auch in der Zwetschgenstadt. Von der ersten Anfrage bis zur Entscheidung seien gefühlt nur wenige Sekunden vergangen“, lobte er die ausgezeichnete Arbeit des Bühler Seniorenrates.

Aktion wird bis Oktober fortgesetzt

Bewusst habe der Landesseniorenrat die Ferienzeit und einen Sonntag für den Aktionstag ausgewählt, da einsame Menschen jeden Alters in dieser Zeit und vor allem an Ruhetagen ihre Isolation spüren“, ergriff Vorsitzende Doris Schmidt-Velten im Namen des Landesseniorenrates das Wort. „Ich freue mich natürlich sehr, dass gerade in meiner Heimatstadt Bühl das Projekt so schnell und zackig umgesetzt wurde“, strahlte sie und wünschte dem Projekt viel Erfolg. Der Sprecher des Bühler Seniorenrates Klaus Haßmann, in Begleitung seiner Stellvertreterin Antje Jessen, erinnerte an die Gründung des Seniorenrates im Jahr 2019. „Uns ist es wichtig, dass die Aktion Schwätzbänkle im Laufe der Zeit ein Selbstläufer wird.“ Für viele Menschen sei es wichtig, die Eindrücke des Alltags mit anderen Menschen zu teilen.“

Gerd Hafner und Uwe Doderer, ebenfalls vom Bühler Seniorenrat, sind von der Idee der „Schwätzbänkle“ allemal begeistert. Wichtig sei es jetzt, die Aktion am Laufen zu halten. „Daher ist ein Schwätzbänkle im September und Oktober immer mittwochs von 15 bis 16 Uhr besetzt“, erklären die beiden Herren unisono. „Wer schwätze will, kann einfach auf der Bank rechts vom Brunnen Platz nehmen. Wir sind da, schwätzen gerne, hören aber natürlich auch gerne zu“, schmunzeln sie.

Die Bänkle gegen die Einsamkeit würden sich nicht ausschließlich an die ältere Generation richten, sondern an Menschen aller Altersgruppen, unabhängig von Geschlecht oder Nationalität. „Miteinander reden, über Dinge sprechen, sich austauschen. Reden verbindet Menschen auf vielen Ebenen“, betonte Jokerst.

„Oft geht es auch gar nicht so sehr um das, worüber wir reden, sondern nur darum, dass wir reden und dabei auch einander zuhören“, fasste der Bürgermeister noch einmal die Kernaussage der landesweiten Aktion zusammen. „Für so eine Kommunikationsstätte braucht es nicht viel: eine Sitzbank, ein Hinweisschild und eine Person, die ein offenes Ohr hat. Deshalb sind Bänke, die dazu einladen innezuhalten und miteinander zu reden, besondere Orte!“

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Erstellt:
7. September 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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