Auf den Spuren der Wikinger in Dänemark

Roskilde (ela) – Neue Königshalle und historische Funde: Im dänischen Seeland finden sich viele Spuren der Wikinger.

Hinkelsteine markieren das große Steinschiff in Alt-Lejre. Foto: Daniela Jörger

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Hinkelsteine markieren das große Steinschiff in Alt-Lejre. Foto: Daniela Jörger

Mit einer Länge von 61 Metern, einer Breite von bis zu zwölf und einer Höhe von bis zu zehn Metern hat das Gebäude gar königliche Ausmaße. Eingeweiht wurde der 658 Quadratmeter umfassende Nachbau der einstigen Zeremonienhalle der Wikinger Mitte Juni 2020 denn auch standesgemäß von Dänemarks Königin Margrethe. Das neue monumentale Holzbauwerk, das aussieht wie ein umgedrehtes Wikingerschiff, steht auf eiszeitlichen Hügeln im Park „Sagnlandet Lejre“ im dänischen Seeland westlich von Kopenhagen.

Für alle, die sich auf die Spuren der Wikinger in Dänemark begeben wollen, ist das 45 Hektar große „Freilandlabor“ für experimentelle Archäologie eine von drei Anlaufstellen in der Region rund um Roskilde.

Der einstige wichtige Handelsplatz der Wikinger liegt im Land der Skjoldungen (Schildjungen), die der Sage nach das erste Königsgeschlecht Dänemarks waren. Ihr Machtzentrum war gut positioniert: Flüsse kreuzten sich und die hügelige Landschaft ermöglichte einen guten Überblick, auch um Feinde frühzeitig zu entdecken.

Königshalle an historischem Ort

Im „Sagnlandet Lejre“ will man diese Zeit wieder aufleben lassen. „Es ist eine Kulturattraktion für Familien und ein Lehrplatz für Schüler“, erklärt Guide Tania Jensen. Die rund 60.000 Besucher jährlich können einiges lernen über die Stein-, die Eisen- und eben die Wikingerzeit. Sie können auch selbst Hand anlegen und Äxte schmieden, Feuer machen, mit Wikingerbooten segeln – und die Königshalle erleben, die an dem Ort ihres historischen Vorbilds entstand.

Dieses diente zu keiner Zeit Wohn-, sondern immer nur Repräsentationszwecken. Die Herrscher wollten mit dem Bau Macht demonstrieren, was ihnen gelungen sein muss. Auch wer heute die Eingangshalle betritt, ist beeindruckt. „Wir wollen das Gefühl möglichst authentisch vermitteln“, erklärt Tania Jensen. War der große Königssaal zu Wikingerzeiten wichtigen Besuchern vorbehalten, darf diesen heute jeder Gast betreten.

In der Werft des Wikingerschiffmuseums in Roskilde wird ein Wikingerschiff nachgebaut. Foto: Daniela Jörger

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In der Werft des Wikingerschiffmuseums in Roskilde wird ein Wikingerschiff nachgebaut. Foto: Daniela Jörger

Dass der Ort Alt-Lejre wenige Kilometer entfernt kein gewöhnlicher Platz der berüchtigten wilden Nordmänner, sondern über mehr als 500 Jahre ein bedeutender Königshof war, zeigt sich rund um das Lejre-Museum. „Die Wikinger waren Seeräuber. Es gab zunächst viele familiäre Stammesverbände, erst später dann große Verbände und Flotten. Ihre Führer waren eine Art Häuptling, als Könige wurden sie von den Römern bezeichnet“, erklärt der Historiker Hansjörg Larsen.

In der sanften Hügellandschaft, die durchgehend von der Steinzeit bis in die Neuzeit besiedelt war, wurden alleine sieben Hallen der Wikinger gefunden, wie Larsen weiter erklärt. Auch Gräber mit teilweise wertvollen Grabbeigaben, wie Goldfäden eines Gewands sowie ein silbernes Bild des Gottes Odin von 900 v. Chr. wurde dort 1989 entdeckt. Spektakulär sind ebenfalls die Steinschiffe (Schiffssetzungen genannt) – Begräbnisplätze für je einen Mann. Die größte dieser von Hinkelsteinen gesäumten Anlagen ist 80 Meter lang.

Hinkelsteine säumen Grab

Vertiefen kann man die Geschichte vor Ort im Lejre-Museum, in dem einige der besterhaltenen Funde aus der Wikingerzeit – darunter fünf große Hinkelsteine und ein Schiffswrack – zu sehen sind.

Einen Eindruck von der Schiffsbaukunst der Nordmänner bekommen Besucher im Wikingerschiffsmuseum Roskilde. Im Mittelpunkt stehen fünf Boote der ausgehenden Wikingerzeit vom Ende des elften Jahrhunderts. Die sogenannten Skuldelev-Schiffe waren vor dem gleichnamigen Dorf mit Steinen beschwert im Fjord versenkt worden, um den Seeweg zu der Stadt besser kontrollieren zu können. 1962 wurden die Wrackteile der fünf unterschiedlichen Schiffstypen – ein Fracht-, zwei Kriegs-, ein Reise- und ein kombiniertes Ruder- und Segelboot – gehoben und aufwendig konserviert.

Eines der in der Bucht gehobenen Boote der Wikinger. Foto: Daniela Jörger

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Eines der in der Bucht gehobenen Boote der Wikinger. Foto: Daniela Jörger

Heute stehen sie in der Museumshalle und zeugen vom Leben an der Küste, der Seefahrt und Bootsbaukunst der Wikinger. Ihre Seemacht war eine Voraussetzung dafür, dass Dänemark in der Wikingerzeit zu einem Reich vereint werden konnte, heißt es in dem Museumsprospekt.

So weiß man viel über das hölzerne Unterteil der Schiffe. „Dagegen wissen wir nicht, wie sie gesegelt sind. Rigg und Segel sind nie gefunden worden, Beschreibungen sind rar“, erklärt Guide Trine Kristensen.

Doch dass die Wikinger gute Bootsbauer und ihre Schiffe seetüchtig waren, beweisen mehrere Nachbauten, die auf der Werft des Museums entstanden sind. Testfahrten haben ergeben, dass eine Reise von 235 Seemeilen (435 Kilometer) mit Wind aus Norden bis zu einem Monat dauern konnte, mit Wind aus Süden in aber gut zwei Tagen zurückgelegt werden konnte, heißt es. Mit den Rekonstruktionen können auch Besucher im Sommer in See stechen – oder zumindest im Fjord eine kleine Runde drehen – und in den Werkstätten tätig werden.

Für die Archäologen ist die Arbeit noch lange nicht erledigt. Die Fahrten mit den Schiffen nach altem Vorbild sind ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit, um immer mehr von der Seefahrt, durch die Küsten verbunden wurden, zu verstehen. Und in den dänischen Gewässern liegen noch zahlreiche Wracks.

www.visitdenmark.de

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Erstellt:
24. April 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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