Auf den Spuren des tierischen Holzfällers

Rastatt (fuv) – Auf Wintersdorfer Gemarkung ist ein Biber aufgetaucht. Die städtische Forstverwaltung informierte am Donnerstag über dessen natürliche Zuwanderung im Rastatter Stadtwald.

Vom Biber gefällte Bäume bei Wintersdorf: Experte Michael Hug nennt die Tiere Baumeister, Landschaftsarchitekten und Holzfäller. Foto: Frank Vetter

© fuv

Vom Biber gefällte Bäume bei Wintersdorf: Experte Michael Hug nennt die Tiere Baumeister, Landschaftsarchitekten und Holzfäller. Foto: Frank Vetter

Gesehen hat ihn noch niemand, seine Spuren jedoch sind nicht zu übersehen. Dort, wo das eifrige Nagetier auf Wintersdorfer Gemarkung sein Revier hat, weisen die charakteristischen Indizien auf die Anwesenheit des tierischen Holzfällers hin: präzise Nagespuren an Pappelstämmen und -stümpfen.

Weichholzbäume fällen Biber übrigens nicht, um Baumaterial für ihre Behausungen zu bekommen, wie der ehrenamtliche Biberberater des Landkreises Rastatt und des Stadtkreises Baden-Baden, Michael Hug, erläutert. Es sind vielmehr die Knospen im Kronenbereich der Bäume, auf die es der Biber im Winter als Nahrung abgesehen habe, so der Experte. Ab dem Frühjahr bevorzuge er „krautige“ Nahrung. Der Biologe und Geologe ist stellvertretender Leiter des Bühler Instituts für Landschaftsökologie und Naturschutz und berät die beiden Forstverwaltungen seit März 2020.

Förster sehen keinen Konflikt mit Waldwirtschaft

„Eine größere Auszeichnung kann man als Forstbetrieb eigentlich nicht bekommen“, sagt Stadtförster Martin Koch zu der Tatsache, dass sich wild lebende Tiere ohne menschliches Zutun im Rastatter Wald ansiedeln – neben Biber und Wildkatze zuletzt ein Goldschakal. Koch sieht einen direkten Zusammenhang mit der mittlerweile 30-jährigen, naturnahen Pflege und Bewirtschaftung des Rastatter Auenwalds.

Ende Januar sei der Biber beziehungsweise sein Wintervorrat in Form zehn gefällter Pappeln entdeckt worden, blickt Revierförster Uwe Kirst zurück. Einen Konflikt mit den Belangen der Waldwirtschaft sieht Kirst nicht, da Biber nah im Bereich von Gewässern leben.

Gänzlich neu sind Biber im Landkreis Rastatt offenbar nicht, seit etwa fünf Jahren lebt mindestens ein Tier bei Hügelsheim. Das wurde sogar mit einer Wildkamera dokumentiert. „Wir stehen am Anfang der Besiedlung“, schätzt Michael Hug. Er vermutet, dass die rechtsrheinischen Biber aus dem Elsass wegen der dortigen großen Revierrivalität unter den Biberpopulationen über den Rhein zugewandert sind. Auf der badischen Seite nutzen sie den Rheinniederungskanal als Habitat. Offenbar fühle sich der Biber hier wohl. „Der Biber wird sich dauerhaft halten“, prognostiziert Hug. Der Biberberater freut sich über die Akzeptanz durch den Rastatter Forst.

Erst Wildkatze, dann Goldschakal und jetzt der Biber: Stadtförster Martin Koch freut sich über Zuwachs. Foto: Frank Vetter

© fuv

Erst Wildkatze, dann Goldschakal und jetzt der Biber: Stadtförster Martin Koch freut sich über Zuwachs. Foto: Frank Vetter

Revier von bis zu drei Kilometer Länge

In anderen Teilen Baden-Württembergs, wie an Donau und Neckar, ist der Nager schon länger angesiedelt. Dort könne es durchaus auch Konflikte mit der Landwirtschaft und bei unterspülten Dämmen mit dem Hochwasserschutz geben. Da komme dann der Biberberater zum Einsatz. Wie Hug ausführt, hat ein Revier eine Länge von ein bis drei Kilometern. Biber leben in Einehe, und zwischen April und Juni kommen ein bis drei Junge zur Welt. Unter den Jungtieren gebe es eine hohe Mortalität von rund 50 Prozent. Biber leben in Erdbauten, die sie über einen unter Wasser liegenden Zugang erreichen.

Die Nager nennt Michael Hug Baumeister, Landschaftsarchitekten und Holzfäller – mit Blick auf die Dämme, die sie bauen, die Bachlandschaften, die sie damit gestalten und ihre winterliche Nahrungsbeschaffung. Sie werden zehn bis 15 Jahre alt. Zum „Neubürger“ im Stadtwald unterstrich Förster Martin Koch: „Uns ist das Tier lieb und recht.“

Zum Artikel

Erstellt:
16. April 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.