Auf den Spuren jüdischer Künstler in Karlsruhe

Karlsruhe (patz) – Die Städtische Galerie Karlsruhe erzählt in einer sehr schön komponierten Ausstellung die Geschichte jüdischer Künstler und Architekten der Stadt.

Noch bis zum 8. August wird die Ausstellung in der Städtischen Galerie voraussichtlich gezeigt. Doch momentan ist sie coronabedingt geschlossen. Foto: Uli Deck dpa

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Noch bis zum 8. August wird die Ausstellung in der Städtischen Galerie voraussichtlich gezeigt. Doch momentan ist sie coronabedingt geschlossen. Foto: Uli Deck dpa

Ellen Auerbach, Richard Fuchs, Liselotte Grschebina, Fritz Landauer, Ludwig Levy, Edith Moos – berühmte Karlsruher Künstlerinnen und Architekten. Pioniere auf ihrem Gebiet. Und fast völlig vergessen: Sie waren Juden und wurden ab 1933 rechtlos, vertrieben, ermordet. Und sind damit aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden.

Obwohl Robert Curjel das Gesicht der Stadt Karlsruhe entscheidend geprägt hat: Christuskirche und Lutherkirche, das Bankhaus Homburger und das Kaufhaus Hermann Tietz (Hertie) hat er mit seinem Partner Moser entworfen. Der Komponist und Architekt Richard Fuchs hat zahlreiche Cafés, Ladengeschäfte und Wohnhäuser in Karlsruhe gebaut, Baurat Ludwig Levy schuf unter anderem die Synagoge in Baden-Baden.

Eine sehr schön komponierte Ausstellung in der Städtischen Galerie Karlsruhe zeigt – wenn sie wieder geöffnet sein wird – einen gelungenen Überblick über die jüdischen Künstlerinnen und Künstler Karlsruhes. Der kleine Vorraum konfrontiert die Besucher gleich mit 105 Namen und einigen Fotos: Nicht von allen Ermordeten gibt es Fotos, von einigen sogar nur das offizielle aus dem NS-Judenpass. Von Klara Vogel-Gutman, der Nichte des Dichters Alfred Mombert, nur ein Porträtgemälde von Albert Haueisen als Schwarzweiß-Foto. Gegenüber dieser Porträtgalerie sind Zeichnungen des Malers Leo Haas ausgestellt, die er in den KZ Theresienstadt und Auschwitz heimlich gemacht hat.

Der große Lichtsaal stellt zwei Männer und zwei Frauen vor: Hellgrün leuchtet das Gesicht des von Hanns-Ludwig Katz gemalten Manns, blau schimmern Bart und Haare, spitz stechen die Wangenknochen in den Raum, die misstrauischen Augen sind halb geschlossen – ein expressiver Ausdruck, bedrohlich und ruhig zugleich. Daneben wirkt sein Selbstporträt mit den verschatteten Augen düster – 1917/18 gemalt spiegelt es sehr genau seine Angst und Trauer angesichts des Kriegs und sein Aktgemälde „Miss Mary“ mit Karnevalsmaske ist im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten.

Fliegende Fische und grausige Zeichnungen

Gegenüber leuchten die erstaunlichen, fantastischen, rätselhaften Bilder von Gustav Wolf, der unheimliche Kreaturen, surreale, fliegende Fische und Feuervögel malte, vom Jugendstil beeinflusste Drucke anfertigte und grausige Zeichnungen aus beiden Weltkriegen. Es sind ansonsten impressionistische Gemälde von Leo Kahn zu sehen, Holzschnitte von Ludwig Schwerin, Landschaften von Mely Joseph, ein untypisches Bild von Sonia Delaunay aus ihrer Karlsruher Zeit und, eine kleine Besonderheit, Fotografien von Liselotte Grschebina, Hilde Hubbuch, Ellen Auerbach und Edith Moos – viele berühmte Fotografinnen waren Jüdinnen.

Natürlich kann die Ausstellung alles nur anreißen, jeder dieser Künstler hätte eine eigene Ausstellung verdient, und viele Bilder sind von den Nazis oder im Krieg vernichtet worden. Doch das detaillierte Material auf den I-Pads, die auf Tischen mitten im Ausstellungsraum liegen, lassen etwas tiefer in Leben und Wirken der Künstler blicken.

Erstaunlich sind auch die vielfältigen Verbindungen unter ihnen: seien es das oft sogar gemeinsame Studium an der Kunstakademie, der Kunstgewerbeschule oder der Malerinnenschule oder die Verbindungen nach Paris zu Matisse oder Derain oder verwandtschaftliche Bande. Natürlich sind auch Architekturskizzen von Curjel, Richard Fuchs und Fritz Hirsch zu sehen nebst Fotos ihrer Bauten, beispielhaft anhand der Kaiserstraße mit den Warenhäusern Knopf und Tietz, Galerie Moos oder Modehaus Model.

Als krönenden Abschluss gibt es einen Medientisch mit dem Karlsruher Stadtplan, auf dem man sich alle Wirkungsorte anzeigen lassen kann. Zu loben ist auch der Katalog, der die Geschichte und vielen Geschichten präzise nachzeichnet (Imhof Verlag, 39,95 Euro, in der Ausstellung 29 Euro).

Info: Die Städtische Galerie Karlsruhe ist zurzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Die Ausstellung dauert voraussichtlich bis 8. August. Einen Trailer gibt es hier.


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