Auf fünf Rädern statt zwei Beinen

Rastatt (waa) – Eine Ferienaktion an der August-Renner-Realschule bietet spielerische Einblicke in ein Leben im Rollstuhl. Dabei lernen die Kinder, wie man sich trotz Einschränkung verteidigen kann.

Bei einer Sportübung jagen die Teilnehmer einem Gymnastikball hinterher und versuchen, Tore zu erzielen.  Foto: Alena Wacker

© Alena Wacker

Bei einer Sportübung jagen die Teilnehmer einem Gymnastikball hinterher und versuchen, Tore zu erzielen. Foto: Alena Wacker

Sich einmal nicht mit der Muskelkraft der Beine, sondern der Arme fortbewegen – das konnten die jungen Teilnehmer bei einer Ferien-Aktion in der Sporthalle der August-Renner-Realschule Rastatt. Dabei lernten sie außerdem, wie man sich in einem Rollstuhl am besten verteidigen kann.

Empathie und Verständnis für Menschen im Rollstuhl stärken – das ist der Hintergrund der durch die Stadt Rastatt ermöglichten Sommerferien-Aktion. Durch den Einblick in das Leben von Menschen mit Behinderungen sollen die Teilnehmer für deren Lebensbedingungen sensibilisiert, und durch den gemeinsamen Sport mögliche Hemmschwellen abgebaut werden. Petra Möller, Rollstuhl-Trainerin des Rastatter SC/DJK, organisierte hierfür 15 fünfrädrige Rollstühle vom Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband.

Erste Fahrversuche

Zu Beginn des zweistündigen Trainings will Möller den Kindern möglichst schnell die Angst vor dem Rollstuhl nehmen, weist aber auch auf Kniffe im Umgang mit diesem hin. Vor allem müsse man darauf achten, die Finger nicht in den Speichen einzuklemmen, betont die Trainerin. Um sich an die Dynamik des neuen Gefährts zu gewöhnen, fahren die Kinder zunächst auf der Stelle vor und zurück. Nach diesen ersten Fahrversuchen führen die anwesenden Profis vom Rolli-Club des Rastatter SC/DJK ihre Gruppe dann durch einen Slalom-Parkour.

Bei einem Spiel mit einem großen Gymnastikball versuchen die Kinder, statt mit den Beinen, wie beim Fußball, unter Krafteinsatz der Arme die Rollstühle zu manövrieren und den Ball in das gegnerische Tor zu befördern. „Da werden sie morgen Muskelkater haben“, ist sich Möller sicher.

Trotz Rollstuhl nicht wehrlos

Nach ersten spielerischen Übungen lernen die Kinder dann noch, wie man sich im Rollstuhl am besten verteidigt. Angelina Kehr-Fasulo, Trainerin beim Jiu-Jitsu Kampfsportverein Rastatt, bringt Kindern und erwachsenen Frauen seit vielen Jahren Übungen zur Selbstverteidigung bei. Ganz wesentlich sei erst einmal, auf sich aufmerksam zu machen, wenn man in Bedrängnis gerät. Laut zu schreien sei „ganz wichtig“, erklärt Kehr-Fasulo den Kindern. Sie zeigt ihnen außerdem Wege, sich im Rollstuhl aus einem Haltegriff loszureißen, und bemerkt dabei eindringlich: „Nur weil man im Rollstuhl sitzt, ist man nicht wehrlos“. In einer weiteren Übung lernen die Kinder außerdem, wie man sich zur Wehr setzen kann, falls jemand versuchen sollte, einen aus dem Rollstuhl zu schubsen. Am Ende gab es kleine Preise und Brezeln zur Stärkung. Möller war überrascht davon, wie schnell die Kids sich im Rollstuhl zurechtgefunden haben und freut sich über die gelungene Aktion. Zugleich sieht sie durch ihre vielfältige Arbeit mit beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen aber auch die Anstrengungen, die mit einem Leben im Rollstuhl verbunden sind. „Meinen größten Respekt den Rollstuhlfahrern“, sagt sie anerkennend.


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