OB-Wahl in Karlsruhe: Auf sie könnte es ankommen

Karlsruhe (kli) – Bei der OB-Wahl in Karlsruhe treten insgesamt sechs Kandidaten an. Petra Lorenz von den Freien Wählern ist eine von ihnen. Warum sie sich bewirbt, sagt sie im BT-Porträt.

Petra Lorenz tritt für die Freien Wähler als OB-Kandidatin in Karlsruhe an.    Foto: Petra Lorenz

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Petra Lorenz tritt für die Freien Wähler als OB-Kandidatin in Karlsruhe an. Foto: Petra Lorenz

Ihr könnte eine Überraschung gelingen: Petra Lorenz, Stadträtin der Freien Wähler, tritt als eine von sechs Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe an. Die 53-jährige selbstständige Kauffrau wirbt um Stimmen im ähnlichen Wählersegment wie der unabhängige Kandidat Sven Weigt (CDU): im bürgerlichen Lager. Eine nicht repräsentative Online-Umfrage sah Lorenz neulich auf Platz zwei, hinter Amtsinhaber Frank Mentrup und vor Weigt ins Ziel kommend. Auf ihre Chancen angesprochen, sagt Lorenz dem BT: „Ich gebe mein Bestes, und dann schauen wir, was am Ende rauskommt.“ Möglicherweise wird es auf sie auch bei einer Neuwahl am 20. Dezember ankommen, dann, wenn es darum geht, das bürgerliche Lager in Karlsruhe zu einen.

Die gebürtige Pforzheimerin betreibt zwei Koffer- und Taschengeschäfte in Karlsruhe. Sie lebt im Stadtteil Waldstadt, hat mit ihrem Mann einen aus Chile adoptierten Sohn. Dieser machte in Durmersheim Abitur, Familie Lorenz lebte bis 2011 in Ötigheim, zog dann nach Karlsruhe. Wenn sie Oberbürgermeisterin werden sollte, werde sie beide Geschäfte an ihren Sohn übergeben.

Ihren Hauptgrund, bei der OB-Wahl anzutreten, sieht sie in den Finanzen. „In Großprojekte wird viel Geld gesteckt. Aber wenn kleinere Vereine in Kultur, Sport oder Sozialem mal 2000 Euro für den Brandschutz brauchen, ist kein Geld übrig, das macht mich betroffen“, sagt sie. Für manches werde zu viel Geld ausgegeben. Das könne man anders einsetzen. Da täten ein frischer Wind und der Blick von außen im Rathaus gut, meint sie.

„Welle von Offenheit und Sympathie“

Im Wahlkampf spürt sie eine große Welle von Offenheit und Sympathie, wie sie sagt. „Ich lerne viel, egal wie die Wahl ausgeht.“ Allein die Gespräche mit Bürgern in ihren Geschäften oder auf dem Wochenmarkt schätzt sie sehr. „Ich bin ein kommunikativer, strukturierter und sehr humorvoller Mensch“, beschreibt sie sich selbst. Die Bürger stellt sie in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. „Als Unternehmerin sehe ich mich als Dienstleister. Und genauso sehe ich auch die Verwaltung als Dienstleitung.“ Lorenz will als Oberbürgermeisterin eine wöchentliche Bürgersprechstunde einführen und einen Kinder-und Jugendgemeinderat auf den Weg bringen, denn viele fühlten sich nicht richtig ernst genommen. „Bürgervereine sagen: Man hat zwar mit uns geredet, aber nachher wurde es dann ganz anders gemacht.“

Bei der offiziellen Kandidatenvorstellung im Konzerthaus betonte sie, die Stabilisierung des Haushalts habe für sie oberste Priorität. Wirtschaft und Wissenschaft sind die Themen, die Lorenz als Stärken Karlsruhes sieht und die sie gerne mehr herausstellen würde, auch im Stadtmarketing. Man müsse viel stärker auf den Mittelstand und das Handwerk achten, meint sie. Die IT-Branche sei zwar sehr wichtig, „aber wenn es einen Wasserrohrbruch gibt, brauchen Sie jemanden, der das in Ordnung bringt“. Lorenz ist auch Präsidentin des Handelsverbands Nordbaden und Mitglied der Vollversammlung der IHK Karlsruhe.

Beim Verkehr setzt sie auf gut ausgebaute Fußgänger- und Radwege, man dürfe die Verkehrsteilnehmer nicht gegeneinander ausspielen. Der Handel sei auf gute Verkehrswege angewiesen, deswegen sei sie gegen eine autofreie Innenstadt.

Außerdem legt Lorenz großen Wert auf eine Aufwertung und Vernetzung der Grünflächen sowie auf eine massive Aufforstung. „Wir können nicht warten, bis die Bäume von alleine nachwachsen.“ Zum Beispiel seien in der Waldstadt, wo sie wohnt, viele Bäume abgestorben. Da müsse massiv nachgepflanzt werden.

Liebe zur Gartenarbeit

Lorenz ist selbst Hobbygärtnerin. „Ich liebe Gärtnerarbeit. Das geht sogar so weit, dass ich selbst städtische Beete umgepflanzt habe. Ich habe das in meiner Nachbarschaft in der Waldstadt angefangen. Und das Schöne ist: Die Nachbarn machen auch schon mit!“, schwärmt sie.

Nun gibt sie aber erst mal alles für die Wahl. Sie sehe ihre Chance realistisch. Wo sie am Ende landet, könne sie nicht einschätzen. „Das Feedback ist positiv. Zwischen fünf und 50 Prozent ist alles möglich“, sagt sie und lacht dazu.

Zum Thema: Weitere Kandidaten zur OB-Wahl

Neben Amtsinhaber Frank Mentrup (SPD), dem bisherigen Bürgermeister von Karlsdorf-Neuthard, Sven Weigt (CDU), und der Stadträtin Petra Lorenz (Freie Wähler) treten drei weitere Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl am 6. Dezember an:

Marc Nehlig (26, parteilos) ist der jüngste Kandidat. Der Standesbeamte bei der Stadtverwaltung Karlsruhe tritt gegen das politische Establishment an, wie er sagt. Nehlig will verantwortungsvoll mit den Steuergeldern umgehen und setzt sich für bezahlbaren Wohnraum ein. Weitere Punkte in seinem Programm: „Innenstadtabgabe“ für Autofahrer, die ins Zentrum fahren wollen und stärkeren, vielleicht sogar kostenlosen ÖPNV; Schulen sanieren, Kindergarten-Gebühren abschaffen, Marktplatz begrünen. Er wendet sich gegen „Background-Gemauschel“ in der Stadtpolitik, denn das entfremde die Politik vom Volk. Nehlig nimmt auch die Interessen der Jugend in den Blick. Dass ihm politische Erfahrung fehle, sei auch ein Vorteil.

Vanessa Schulz (39), Kauffrau für Büromanagement, tritt für die Satirepartei „Die Partei“ an, der sie erst im Sommer beigetreten ist. Aufsehen erregte ihr Vorhaben, Karlsruhe in „Karlasruhe“ umzubenennen, um mehr Gleichberechtigung zu erreichen. „Viele wählen aus Protest rechte Parteien.“ Sie möchte mit ihrer Kandidatur Protestwählern eine Alternative geben, sagt Schulz zu ihrer Motivation. Verkehrsproblematik und soziale Themen stehen in ihrem Programm. Sie selbst sei nicht die größte Satirikerin, räumt sie ein. „Im Amt des Oberbürgermeisters werde ich mich realpolitisch engagieren. Ich möchte, dass es gerecht zugeht.“

Dr. Paul Schmidt (54, AfD), Physiker, wirbt mit dem Slogan: „Ein Karlsruher für Karlsruhe“. Der Stadtrat findet es gut, dass Radwege ausgebaut werden, „aber irgendwann ist es genug mit dem Ausbau“. Viele seien auf das Auto angewiesen. Er fordert, den „Krieg gegen das Auto“ zu stoppen. Schmidt will über die Verpflichtungen von Bund und Land hinaus keine weiteren Geflüchteten nach Karlsruhe holen. Er fordert eine saubere und sichere Stadt, dafür bräuchte es mehr Polizei und mehr kommunalen Ordnungsdienst. Mit extremen Positionen in seiner Partei fremdelt er.

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Erstellt:
27. November 2020, 19:00 Uhr
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