Aufatmen mit Maske nach 345 Minuten

Baden-Baden/Rastatt (naf) – Am Dienstag starten die Abiturprüfungen in Baden-Württemberg. Zwar konnten die Prüflinge in diesem Jahr besser vorbereitet werden, die Anspannung ist dennoch groß.

Getestete und nicht getestete Schüler müssen ihre Abiturprüfungen in voneinander getrennten Räumen ablegen. Foto: Robert Michael/dpa

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Getestete und nicht getestete Schüler müssen ihre Abiturprüfungen in voneinander getrennten Räumen ablegen. Foto: Robert Michael/dpa

Die Aufregung wächst, Schüler überfliegen ihre Lernmaterialien ein letztes Mal und erwarten sehnlichst den Moment, in dem sie die vollgeschriebenen Blätter endlich loswerden können: In Baden-Württemberg beginnen heute die Abiturprüfungen. Es ist der zweite Jahrgang, der seine Abschlussprüfungen unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie ablegt – anders als 2020 ist die Situation dennoch.

In allen Prüfungsfächern gibt es 30 Minuten mehr Bearbeitungszeit (insgesamt 345 Minuten), außerdem haben die Lehrer mehr Aufgaben zur Auswahl, um Themen ausklammern zu können, die im Unterricht weniger intensiv besprochen wurden. Geschrieben wird mit Maske, kleine Pausen außerhalb des Prüfungsraums dürfen genutzt werden, um diese kurz abzulegen.

Zusätzliche Anspannung durch Corona

„Die Zeit der Prüfungen ist immer spannend“, weiß Andrea Rösch, Schulleiterin des Tulla-Gymnasiums in Rastatt. Doch mit der Pandemie sei es anders. „Die Corona-Zeit bringt zusätzlich eine gewisse Anspannung mit sich.“ Schon allein deswegen hätten die Schüler andere Voraussetzungen als unter normalen Umständen. Dass sie schlechter auf die Prüfungen vorbereitet seien, könne man allerdings nicht sagen. „Wir hatten eine relativ lange Präsenzphase“, sagt Rösch. Die Abiturienten besuchten seit den Weihnachtsferien wieder regelmäßig die Schulen, vom inzidenzabhängigen Distanzunterricht waren sie ausgenommen. Nur in den vergangenen zwei Wochen seien die Schüler – wie vom Kultusministerium empfohlen – vom Präsenzunterricht freigestellt worden, um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Virus zu minimieren.

Zum Vergleich: 2020 trat der erste Lockdown am 22. März in Kraft, mitten in der Vorbereitungsphase für die Abschlussprüfungen. Ausnahmen gab es keine. Auch der Distanzunterricht sei damals etwas „ganz anderes“ gewesen, erinnert sich Rösch. Interne Workshops und Erfahrungen hätten auch das Lehren aus der Ferne verbessert. Die Schüler, die in der heutigen Deutschprüfung sitzen, seien also „gut vorbereitet auf das, was sie erwartet“, ist Rösch sich sicher.

Damit auch organisatorisch alles reibungslos abläuft, hat das Tulla-Gymnasium bereits gestern alle Schüler vorab getestet, die dieses Angebot wahrnehmen wollten. Bei einem positiven Ergebnis hätte man dann noch reagieren können. „Eine Arztpraxis hat uns zugesagt, in diesem Fall direkt einen PCR-Test machen zu können, um einen falsch-positiven Schnelltest auszuschließen“, erklärt die Schulleiterin. Die Abiturprüfung solle nicht an einem fehlerhaften Test scheitern.

Schüler wägen das Risiko ab

Auch am Richard-Wagner-Gymnasium (RWG) in Baden-Baden sorgen sich die Abiturienten vor falsch-positiven Ergebnisse. „So gut wie niemand will sich testen lassen“, berichtet Schulleiter Matthias Schmauder. „Die Schüler wägen das Risiko ab. Mit unseren Sicherheitsmaßnahmen, Abständen und dem Lüften kann man sich kaum anstecken. Das Risiko, einen falsch-positiven Test zu haben, wollen sie nicht eingehen.“ Dass die Schulen zum Testangebot verpflichtet sind sowie auch, dass getestete und nicht getestete Schüler in getrennten Räumen schreiben müssen, haben die Schulleiter erst vergangenen Dienstag per Verordnung erfahren. „Für die Schulen ist es sehr schwierig, wenn Maßnahmen immer erst so kurzfristig bekannt gegeben werden“, sagt Schmauder, dieses Problem sei allerdings kein neues. Am RWG lasse sich die als Prüfungsraum dienende Mensa problemlos in zwei Räume abtrennen, an anderen Schulen bereite das womöglich mehr Probleme.

Probleme und Sorgen, die Schüler umtreiben, hätten in diesem Jahr indes weniger mit dem Schulstoff zu tun. „Sie sind fachlich sehr gut vorbereitet“, weiß Schmauder, „nur das persönliche Kopfkino erschwert“. Viele der Abiturienten hätten jüngere Geschwister in unteren Schulklassen. Sollten diese ab Donnerstag wieder zur Schule kommen und positiv getestet werden, so müssen auch die betroffenen Geschwister in Quarantäne und bei ihrer Prüfung fehlen. Auch hier zeigt sich die Angst vor einem falsch-positiven Test. „Das verunsichert die Abiturienten“, so Schmauder.


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