Auffahrunfall: Gaggenauerin zu Geldstrafe verurteilt

Rastatt/Gaggenau (up) – Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs wurde eine Gaggenauerin zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt.

Keine Zweifel: Die 35-Jährige hatte bis zuletzt vor dem Amtsgericht ihre Unschuld an einem Auffahrunfall bestritten, doch der Richter und die Staatsanwaltschaft sahen die Schuld der Angeklagten als erwiesen an. Symbolfoto: David Ebener/dpa

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Keine Zweifel: Die 35-Jährige hatte bis zuletzt vor dem Amtsgericht ihre Unschuld an einem Auffahrunfall bestritten, doch der Richter und die Staatsanwaltschaft sahen die Schuld der Angeklagten als erwiesen an. Symbolfoto: David Ebener/dpa

„Leider haben Sie kein Geständnis abgelegt, sondern im Gegenteil noch weitere Personen mit in den Fall hineingezogen. Eine wird sich jetzt möglicherweise sogar wegen einer Falschaussage verantworten müssen.“ Die Staatsanwältin ließ in ihrem Plädoyer keinen Zweifel, dass sie die Schuld der Angeklagten als erwiesen betrachtete. Die 35-Jährige hatte bis zuletzt vor dem Amtsgericht Rastatt ihre Unschuld an einem Auffahrunfall bestritten.

Richter Christoph Schaust teilte in seinem Urteil die Auffassung der Staatsanwaltschaft und verhängte gegen eine Mutter wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 20 Euro (800 Euro). Nach ihrer Darstellung war es gegen 21 Uhr, als sie am 16. Juni 2021 ihre Wohnung in Gaggenau verließ, um aus ihrem vor dem Haus geparkten Pkw eine Flagge zu holen. Gerade hatte die italienische Fußballnationalmannschaft in Rom das Team der Schweiz mit 3:0 besiegt.

„Wir wollten zum Bahnhof und mit den anderen Fans feiern“, erklärte die Angeklagte. Ihre achtjährige Tochter habe sie gebeten, die Fahne mitzunehmen. Doch dazu kam es nicht mehr. Denn als sie bei ihrem Auto angekommen war, habe sie entdeckt, dass ein BMW auf ihren VW aufgefahren war, so die Angeklagte. Ein Sachverständiger der Dekra sollte den Schaden an ihrem Wagen später auf etwa 960 Euro beziffern. Bei dem BMW habe der Schaden etwa 1.300 Euro betragen.

Schwägerin tätigt vielleicht Falschaussage

Die Schwägerin der Beschuldigten bestätigte als Zeugin deren Darstellung. Demnach stand sie am Fenster der Wohnung, als sie einen Knall gehört und gesehen haben will, wie der BMW auf den Wagen ihrer Schwägerin aufgefahren war. Danach seien ein Mann, eine Frau und zwei Kinder aus dem Wagen ausgestiegen. Im VW habe niemand gesessen, so die Schwägerin der Angeklagten.

Wegen dieser Darstellung muss die 50-Jährige jetzt möglicherweise mit einer Anklage wegen uneidlicher Falschaussage rechnen. Denn nach Aussage des 34-Jahre alten BMW-Fahrers hatte er gerade hinter dem VW der Angeklagten eingeparkt, als der Wagen zurückgesetzt wurde und mit dem Heck auf die Stoßstange seines BMW prallte.

Am Steuer sei die Angeklagte gesessen, so der 34-Jährige. Der 34-Jährige hatte zudem Fotos mit dem Handy aufgenommen, die von den Sachverständigen ausgewertet wurden. Auf einem sind bei dem VW die eingeschalteten Bremslichter zu erkennen. Da dies nur möglich ist, wenn die Bremse betätigt wird, musste also jemand auf dem Fahrersitz gesessen haben.

Blutalkoholwert von 1,8 Promille

Die Polizei sollte bei der Beschuldigten später einen Blutalkoholwert von 1,8 Promille feststellen. Gegen die Glaubwürdigkeit der Angeklagten sprach zudem der Bericht eines Zeugen. Er habe die Angeklagte jammern gehört, sie habe schon wieder einen Unfall gebaut. Richter Schaust stellte fest, dass der Zusammenprall nicht sehr laut gewesen sein konnte. Dass die Schwägerin der Angeklagten im zweiten Stock einen Knall vernommen habe, sei unwahrscheinlich. Zudem sei der BMW so geparkt gewesen, dass er, ohne zu rangieren, hätte weiterfahren können. „Das passt alles“, erklärte die Staatsanwältin und verdeutlichte, dass sie den Lenker des BMW für unschuldig hielt.

Ins Gesamtbild passte auch, dass die Angeklagte wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vorbestraft ist. Ein medizinischer Gutachter hatte festgestellt, dass sie zum Unfallzeitpunkt in ihrer Steuerungsfähigkeit sehr wahrscheinlich eingeschränkt war. Vermutlich liege auch eine krankhafte seelische Störung vor, die Ursache einer starken Alkoholgewöhnung sein könnte. Die Behörden dürfen ihr in den kommenden sechs Monaten keinen neuen Führerschein ausstellen.

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Erstellt:
5. Februar 2022, 12:00 Uhr
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