Aufforsten gegen Geld

Stuttgart (bjhw) – Die Landesregierung will Waldbesitzern im Kampf gegen die Dürre noch stärker helfen als bisher: Agrarminister Peter Hauk wirbt für neues Prämienmodell.

Der Abtransport von Schadholz in den vergangenen regenreichen Monaten hat, wie hier im Hunsrück, viele Forst- und Wanderwege beschädigt. Foto: Frey/dpa

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Der Abtransport von Schadholz in den vergangenen regenreichen Monaten hat, wie hier im Hunsrück, viele Forst- und Wanderwege beschädigt. Foto: Frey/dpa

Bisher seien alle Förderungen an aktive Maßnahmen gekoppelt, sagt Hauk, viele könnten sich die aber nicht mehr leisten. Der Grund: Der Holzverkauf ist eingebrochen. Im Doppelhaushalt 2020/2021 stellt die Landesregierung bereits 80 Millionen Euro über einen Notfallplan zur Verfügung.

Die neue Prämienidee ist flächenbezogen, bundesweit einmalig und dennoch nicht ohne Vorbild. Denn schon in früheren Jahren konnten sogenannte Ausgleichszulagen für die Bewirtschaftung beantragt werden. Auch nach dem Orkan Lothar 1999, erinnert sich der Minister, der selbst gelernter Förster ist, „wären sonst viele Besitzer aufgrund mangelnder Liquidität vor einer aussichtslosen Situation gestanden“.

Jetzt sei eine Förderung vorstellbar, „wenn Wälder in einem wirtschaftlich und klimatisch extrem schwierigen Umfeld weiter wie bisher ordnungsgemäß gepflegt werden“. Derzeit prüfen die Fachleute, wie eine Neuauflage aussehen könnte. Man stehe ganz am Anfang, heißt es. Außerdem müsste der Koalitionspartner zustimmen, allerdings dauert die Legislaturperiode nur noch ein knappes Jahr.

Corona-Krise verschärft Wald-Krise

Die Zeit drängt ohnehin. 2018 sei es sehr trocken gewesen, so der Minister, 2019 sehr heiß, „und der April 2020 war der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“. Nach den jüngsten Regentagen gebe es in der Landwirtschaft „noch nichts, was nichts gutzumachen ist“.

Im Wald allerdings sehe es ganz anders aus. Auch, weil der Borkenkäfer schon zu Ostern selbst in hohen Lagen ausgeflogen sei – beispielsweise im Nordschwarzwald, wo die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg das Geschehen käfergenau dokumentiert. Durch die Corona-Krise werde die Situation extrem verschärft, sagte Hauk auf der wöchentlichen Regierungspressekonferenz mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Sie zwinge die Sägeindustrie zu einer deutlichen Drosselung der Produktion. Die Konsequenzen seien schwindende Holzabsatzmöglichkeiten und ein zusätzlicher Verfall der Holzpreise. Zugleich sei die zur Eindämmung von Borkenkäferschäden so wichtige rasche Holzabfuhr aus den Wäldern nicht im nötigen Umfang möglich, weil Geräte und Arbeiter fehlten.

Hauk plädiert für Motivationsstrategie

Kurzfristig will die Landesregierung mit dem Notfallplan helfen, der auch 130 neue Stellen vorsieht. Hauk plädiert aber auch für eine Motivationsstrategie, um „Waldbesitzer zu animieren, den Wald zu erhalten“. Teilweise funktioniere das auf natürliche Weise, andererseits müsse auch nachgeholfen werden, und zwar von Hand. Das Ziel sieht der Minister darin, neue Bestände dem Klimawandel anzupassen.

Die SPD kritisierte das Vorhaben. Eine Flächenprämie für Waldbesitzer berge die Gefahr von Gießkannensubventionen – also Hilfe auch für die, die sie nicht benötigen, betonte Reinhold Gall, der forstpolitische Sprecher der SPD-Fraktion. Kretschmann ist offen. Aktuell stehe mit Corona anderes im Vordergrund, aber „wir müssen die Dinge vorbereiten, um in einer wahrscheinlich noch viel größeren Krise zu bestehen“.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
19. Mai 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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