Aufgeben ist für Sara Fuso keine Option

Baden-Baden (baw) – Die Friseurmeisterin Sara Fuso hat es mit ihrem Salon in Steinbach gerade nicht leicht. Aufgrund von Corona ist auch privat kaum etwas möglich – die Fastnacht fehlt ihr sehr.

Ihr Friseurstudio ist ihr Leben: Sara Fuso glaubt an ihr Glück. Aufgeben wird sie nicht. Foto: Barbara Wersich

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Ihr Friseurstudio ist ihr Leben: Sara Fuso glaubt an ihr Glück. Aufgeben wird sie nicht. Foto: Barbara Wersich

„Träume aufgeben? Niemals!“, sagt Sara Fuso, Friseurin aus Steinbach. Auch jetzt nicht, obwohl sie, wie alle anderen Kollegen in ihrem Handwerk auch, in ihrem geschlossenen Laden steht und sich fragt, wie sie diese schwere finanzielle Situation überstehen soll. Doch verzweifeln, das will und kann sie nicht.

Sie hoffe stark auf die Unterstützung seitens der Regierung. Und bisher sei das Glück immer auf ihrer Seite gewesen, darauf vertraue sie weiterhin.

„Außerdem kann ich es mir nicht leisten, mich jeden Tag nur zu beklagen. Schließlich habe ich seit vergangenem September eine Auszubildende, für die ich die volle Verantwortung übernehmen muss.“ Um ihre junge zukünftige Friseurin im zweiten Lehrjahr gut auf die kommenden Zwischenprüfungen im April vorzubereiten, müssten eben die Frisierpuppen und das ein oder andere Familienmitglied genügen. Natürlich sei die praktische Übung am Kunden sehr wichtig, so die Friseurmeisterin, doch die Gesundheit ginge ganz klar vor. Das wisse die 50-jährige Italienerin nur zu gut.

Glück im Unglück

An einem Morgen im Sommer 2016 veränderte sich ihr Leben schlagartig. Nach plötzlich auftretenden Kopfschmerzen und Hustenreiz stellten die Ärzte im Städtischen Klinikum Karlsruhe ein Aneurysma in ihrem Gehirn fest. Sie wurde operiert, kam schnell zu Kräften und erholte sich innerhalb eines Monats. „Sogar die Ärzte waren erstaunt, wie viel Glück ich gehabt hatte“, erinnert sich Fuso. Doch nur mit finanzieller Unterstützung durch Familie und Freunde sei es damals wie heute möglich gewesen, ihre Selbstständigkeit aufrecht zu erhalten.

Seit über 20 Jahren wohnt und arbeitet sie nun in Steinbach als Friseurmeisterin. Ihre Prüfung machte sie im Jahr 2000 an der Meisterschule Rohrmann in Heidelberg. Vor der Eröffnung ihres jetzigen Friseurstudios in der Mührichstraße 11 im Jahr 2018 hieß sie ihre Kundschaft in ihrem Salon in der Umweger Straße willkommen. Die gesundheitliche Extremsituation habe sie wachgerüttelt und in vielen Bereichen bewusster denken lassen. So erfüllte sie sich ihren Traum vom modernen Salon mit fünf Bedienplätzen und zwei Waschplätzen. Auch stieg sie damals auf eine neue Produktpalette um. Italienische Haarpflegemittel, die frei von bedenklichen Inhaltsstoffen seien, um ihren Kunden nur das Beste anzubieten.

Dankbar für Miteinander

„Ich weiß, dass meine Kunden mir treu bleiben und wiederkommen, sobald ich meinen Laden öffnen kann. Dankbar bin ich auch für das Entgegenkommen meiner Vermieter. Denn die meisten meiner laufenden Kosten kann ich jetzt nicht mehr tragen“, so Fuso. Bereits im August vergangenen Jahres sei die Zahl der Termine stark zurückgegangen. War das Terminbuch ab Mai 2020 nach der Zwangspause durch den ersten Shutdown für mehrere Wochen so voll wie nie, schienen die Kunden im Hochsommer deutlich vorsichtiger und zurückhaltender zu werden. Doch schon in jungen Jahren habe die in der Stadt Baden in der Schweiz geborene Tochter italienischer Eltern lernen müssen, sich auf neue Lebenssituationen einzustellen.

Während Mutter und Vater im Ausland als Gipser und Altenpflegerin ihr Geld verdienten, wuchs Fuso als ältestes dreier Kinder vorerst bei der Großmutter in Süditalien in der Gemeinde Martano auf. Erst nach der Grundschule entschied sich die fünfköpfige Familie, zusammen nach Baden-Baden auszuwandern. Um ihr den Umzug in die fremde Stadt schmackhaft zu machen, gab ihr der Vater damals ein großes Versprechen: „Wenn du mitkommst, dann zeige ich dir eine echte Prinzessin!“ Gemeint war natürlich die Fastnachtsprinzessin. Ihre Liebe für die Fastnacht war geboren. Einmal selber Prinzessin sein wurde ihr Traum. „Bis heute ist die Fastnacht ein wichtiger Teil meines Lebens“, erzählt Fuso.

Sara Fuso, zweite von links in der zweiten Reihe, bei den Mittelalterlichen Winzertagen in Steinbach zusammen mit ihrer Gruppe der Gaukler. Foto: Barbara Wersich

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Sara Fuso, zweite von links in der zweiten Reihe, bei den Mittelalterlichen Winzertagen in Steinbach zusammen mit ihrer Gruppe der Gaukler. Foto: Barbara Wersich

In ihren Anfängen in ihrer neuen Heimat Steinbach tanzte sie bei den SR Yburg Hexen. Später mehrere Jahre in der Gruppe der Gaukler der Katholischen Frauengemeinschaft bei den jährlich stattfindenden Mittelalterlichen Winzertagen. Wenn ihre Gruppe in Zukunft auch nicht mehr mit aufwendigen Tanzchoreografien teilnehmen werde, freue sie sich trotzdem, ihre Kostüme bei den Umzügen als Statistin zusammen mit den anderen Gauklern und Feinen Bürgerinnen der Frauengemeinschaft präsentieren zu dürfen. Die geselligen festen Termine, wie das Schnurren im Sinzheimer Ochsen mit der lustigen Fastnachtsgesellschaft, vermisse sie aktuell sehr. Gerade herrsche absolute Stille in diesem sonst so lauten und fröhlichen Lebensbereich, sagt Fuso. Doch das Tanzen und die Freude am Leben, das stecke in ihr, so die begeisterte Salsatänzerin. Und auch wenn sie noch keine Fastnachtsprinzessin geworden wäre, bliebe sie optimistisch, scherzt sie. Was nicht ist, kann ja noch werden.

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Erstellt:
18. Januar 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 15sec

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