Aufgeheizte Stimmung bei Bosch in Bühl

Bühl (BNN) – Bei Bosch ist aufgeheizte Stimmung: Die Mitarbeiter haben gegen die Streichung von mehr als 1.000 Stellen am Standort Bühl protestiert.

Aktion am Donnerstag: Mit Grablichtern, Kreuzen und Feuertonnen wird auf den Stellenabbau aufmerksam gemacht. Foto: Bernhard Margull

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Aktion am Donnerstag: Mit Grablichtern, Kreuzen und Feuertonnen wird auf den Stellenabbau aufmerksam gemacht. Foto: Bernhard Margull

Mit Solidarität gegen den drohenden Jobabbau: Mehr als 1.500 Mitarbeiter und Delegationen von anderen Standorten sowie Politiker haben am Bosch-Standort Bühl gegen Stellenabbau und Verlagerung von Produktion und Entwicklung nach Osteuropa protestiert.

Bengalisches Feuer, wummernde Musik, Trillerpfeifen-Getöse und streckenweise schreiende Gewerkschafter: Bei der Kundgebung für sichere Arbeitsplätze hat es von zahlreichen Rednern und mehr als 1.500 Bosch-Mitarbeitern vor den Toren des Bühler Standortes heftige Kritik am geplanten Jobabbau gehagelt. Neben Vertretern aus anderen Bosch-Standorten traten auch Bürgermeister Wolfgang Jokerst (Grüne) und die Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek (SPD) auf die Bühne, um Solidarität im Kampf für den Erhalt der Arbeitsplätze in Bühl zu verkünden.

„Ich bin hier, um Ihnen auch im Namen von Oberbürgermeister Hubert Schnurr und dem Gemeinderat im Kampf um die Arbeitsplätze Mut zu machen“, sagte Jokerst und erntete Applaus. „Auch wir waren schockiert, als wir von dem geplanten Stellenabbau erfahren haben. Das wäre für unsere Region ein schwerer Schlag, wenn dies so umgesetzt würde.“ Die Stadt Bühl werde alles tun, „um über unsere Gesprächskanäle das zu verhindern. Noch sind die Würfel nicht gefallen“, sagte er.

Wichtig: Schnelle Beratungen

Dass die Beschäftigung in Bühl stark zurückgeht, untermauerte Andreas Kühnpast. „Von ursprünglich 4.700 Beschäftigten sank die Zahl auf 4.200 vor Corona, mittlerweile liegen wir bei 3.800 Mitarbeitern. Und das Management will nun die Belegschaft durch die Verlagerung von Fertigung und Entwicklung nach Osteuropa hier in Bühl auf 2.800 herunterfahren. Damit fallen ein Drittel aller Jobs weg. Das werden wir so nicht hinnehmen“, machte er als Vertreter der Vertrauensleute Bosch Bühl klar. Insgesamt stünden mehr als 1.000 Stellen auf dem Spiel.

Bosch-Werkleiter Ulrich Vogel zeigte im Gespräch mit dieser Zeitung Verständnis für die Sorge der Mitarbeiter, äußerte aber auch den Wunsch nach einer zeitnahen Lösung des Konflikts. „Wir haben zusammen mit den Arbeitnehmer-Vertretern schon ein Eckpunktepapier erzielt, wo wir uns über einen Teil der Themen bereits verständigt hatten. Und unter anderem, dass wir den Arbeitsplatzabbau sozialverträglich gestalten und dass wir zu unserer Standortentwicklungsplanung Step 25 stehen.“ Jetzt sei es wichtig, schnell zu beraten, um wieder nach vorne gerichtet arbeiten zu können: „Wir sind verhandlungsbereit.“ In den vergangenen Jahren habe die Wettbewerbsintensität auf dem Markt „verdammt zugenommen“. „Wir sind sinkenden Preisen für unsere Erzeugnisse bei steigenden Kosten bei Material, Energie und Löhnen ausgesetzt. Das heißt, wir müssen uns verändern.“

Bengalisches Feuer und wummernde Musik untermalen die Protestaktion am Freitag. Foto: Bernhard Margull

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Bengalisches Feuer und wummernde Musik untermalen die Protestaktion am Freitag. Foto: Bernhard Margull

Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek sicherte den Arbeitnehmern bei der Kundgebung Unterstützung zu. Die Transformation in der Industrie müsse gestaltet werden. „Aber das, was hier mit Jobabbau und Verlagerung ins Ausland passieren soll, hat damit überhaupt nichts zu tun“, stellte sie unter lautstarkem Applaus fest. „Wer in der Krise Steuergelder in erheblichem Maße von uns für die Kurzarbeit bekommt, der kann nicht unter dem Deckmantel der Krise diese Jobs einfach ins Ausland verlagern. Das geht nicht.“

Sichtlich beeindruckt von den Solidaritätsbekundungen der Bosch-Delegationen von Standorten wie Reutlingen, Murrhardt oder Homburg sowie der Kollegen von Daimler und Zulieferbetrieben zeigte sich der Betriebsratsvorsitzende Klaus Lorenz. „Die Werkleitung hat uns für diese Kundgebung hier nicht nur den Strom versagt, sondern auch den Grund und Boden, so dass wir mit dem Landwirt über diese Wiese sprechen mussten“, sagte Lorenz und entfesselte einen Sturm der Entrüstung. „Ich kämpfe hier seit eineinhalb Jahren. Die Werkleitung möchte so schnell wie möglich meine Unterschrift unter den Sozialplan bekommen. Das mache ich aber nicht, solange die Zukunft von Bosch an unserem Standort hier in Bühl nicht sicher ist“, betonte Lorenz.

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Ihr Autor

Andreas Bühler

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Erstellt:
19. November 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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