Auftakt des „Hausfestspiels“ im Festspielhaus

Baden-Baden (rud) – Der Geiger Christian Tetzlaff hat gemeinsam mit der Pianistin Kiveli Dörken das Onlinefestival „Hausfestspiel“ eröffnet. Zuvor sprach Tetzlaff mit BT-Mitarbeiter Georg Rudiger.

„Es hat immer etwas Absurdes, wenn man keine Reaktion des Publikums spürt“: Kiveli Dörken und Christian Tetzlaff spielen im Festspielhaus für die Menschen daheim. Foto: Andrea Kremper/Festspielhaus

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„Es hat immer etwas Absurdes, wenn man keine Reaktion des Publikums spürt“: Kiveli Dörken und Christian Tetzlaff spielen im Festspielhaus für die Menschen daheim. Foto: Andrea Kremper/Festspielhaus

BT: Herr Tetzlaff, wie geht es Ihnen damit, ein Konzert ohne Publikum zu spielen?
Christian Tetzlaff: Es hat immer etwas Absurdes, wenn man keine Reaktion des Publikums spürt. Auch kann ich mir kaum vorstellen, dass man, wenn am Computer sitzt statt im Konzertsaal, einen tiefen Musikeindruck erlebt. Wenn man mit Orchester spielt, wie ich das im Frühjahr getan habe, dann gibt es zumindest die Reaktionen der Musikerinnen und Musiker. Man spielt dann füreinander – dabei entsteht schon etwas. Und jetzt war zumindest Kiveli Dörken am Klavier dabei, das macht es schon angenehmer. Ich bin in den sozialen Netzwerken überhaupt nicht präsent und den Umgang damit nicht gewohnt. Solch ein virtuelles Konzert macht auf jeden Fall bei Weitem nicht so viel Spaß wie eines im echten Leben.

BT: Warum haben Sie dem Festspielhaus zugesagt?
Tetzlaff: Das hat mehrere Gründe. Letztes Jahr sollte ich eigentlich mit den Berliner Philharmonikern bei den Osterfestspielen auftreten, die dann leider nicht stattgefunden haben. Es ist wichtig, dass Konzerthäuser und Musikstätten noch da sind und nicht einfach verschwinden. Das herrliche Festspielhaus mit seinem großartigen Team muss unterstützt werden. Mein Auftritt ist auch ein Zeichen, dass man in der Krise füreinander da ist.

BT: Mit welchen Gefühlen schauen Sie als Künstler in dieses Jahr?
Tetzlaff: Ich sorge mich vor allem als Familienvater. Die letzten Monate waren extrem hart mit drei kleinen Kindern zuhause ohne Kita und ohne Schule. Ohne Kontakte ist es sehr schwierig, eine ausgewogene Familienstruktur hinzubekommen. Die ganz natürlichen Spannungen unter den Geschwistern können gar nicht mehr richtig abgebaut werden. Musikalisch ist es natürlich ein Trauerspiel. Und ich verdiene auch nichts. Die staatlichen Hilfen greifen für mich nicht wirklich, weil diese nur auf inländische Auftritte angerechnet werden können – ich spiele deutlich mehr im Ausland. Aber ich habe mein Leben lang musizieren dürfen. Schlimm ist es für die jungen Kolleginnen und Kollegen, die mit scharrenden Hufen in den Startlöchern stehen.

BT: Die Pandemie hat den von Ihnen häufig kritisierten, schillernden Klassikbetrieb von hundert auf null gebremst. Was könnte sich danach vielleicht zum Guten ändern?
Tetzlaff: Es wäre schön, wenn der Rummel um die Klassik ein wenig zurückweichen würde und man sich wirklich nach der Tiefe der Musik sehnt. Das würde mich freuen.

Ihr Autor

Georg Rudiger

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Erstellt:
19. Februar 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 11sec

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