Augustin: „Schildern Sie uns Ihre Träume“

Durmersheim (HH) – 17 Einwohner haben am Freitag an der Infoveranstaltung zum Entwicklungskonzept „Durmersheim 2035“ teilgenommen. Dabei gab es auch Kritik an den unklaren Rahmenbedingungen.

Grünstreifen oder Bauland: Die Kirschbaumallee war zumindest in der Vergangenheit ein beispielhafter Kandidat für innerörtliche Verdichtung. Foto: Helmut Heck

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Grünstreifen oder Bauland: Die Kirschbaumallee war zumindest in der Vergangenheit ein beispielhafter Kandidat für innerörtliche Verdichtung. Foto: Helmut Heck

Fünf Wochen vor Beginn der Sommerferien wurde mit einer Veranstaltung in der Mensa die Bürgerbeteiligung für ein Konzept zur Gemeindeentwicklung gestartet, das fünf Wochen nach Ende der Ferien, bis spätestens 15. Oktober, beim Land vorgelegt werden muss.So jedenfalls schreibt es die Förderung in Höhe von 20.000 Euro vor, die für die Erstellung des Papiers vom Land bewilligt wurde. Der Auftrag war im Dezember vom Gemeinderat an das Beratungsunternehmen Stadtentwicklung GmbH (STEG) vergeben worden. Es sollten Potenziale für Nachverdichtung benannt werden. Dieser Absicht entspricht auch der Titel des Förderprogramms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“. Wie die 17 Besucher der Informationsveranstaltung erfuhren, soll sich der Gemeinderat mit dem Thema in einer Klausur im Juli befassen. Die knappe Zeit war nicht das einzige, was die an Mitgestaltung Interessierten ernüchterte. Im Verlauf der Zusammenkunft wurde auch nicht klar, worum es bei der Bürgerbeteiligung überhaupt gehen soll, und ob eine Mitwirkung tatsächlich zu Erfolgen führen könnte. Der Auftakt hatte vielversprechend geklungen. Man wolle von den Menschen erfahren, wo sie Durmersheim im Jahr 2035 sehen möchten, erklärte Bürgermeister Andreas Augustin. Es gehe darum, Stellen im Ort zu erkennen, die Veränderungen erlauben. Sollte man Wohnraumbedarf für Zuzüge weiterhin mit Flächenverbrauch stillen? Wie sollte andererseits bei einer Nachverdichtung die Bedeutung von innerörtlichen Grünzonen und Durchlüftung bewertet werden?

Mikroklima gegen Innenentwicklung

Als auch STEG-Mitarbeiter Tilman Sperle auf Wohnbauflächen und Innenentwicklung zu sprechen kam, wurde die erste Zuhörerin unruhig. Ihre Frage, ob Grünflächen im Ort bebaut werden sollten, beantwortete Sperle etwas umständlich mit ja, ohne zu verhehlen, dass dabei ein „Zielkonflikt“ entstünde. Sinnvoll wäre es, den „einen oder anderen“ Grünbereich zugunsten des Mikroklimas wie auch für die Attraktivität des Wohnumfelds zu erhalten. Augustin meinte, dass es hinsichtlich einer Innenentwicklung „ganz wichtig“ sei, ob ein Drei-Familien-Haus-Charakter dominierend bleiben solle oder ob man „in die Höhe“ bauen wolle, ob grüne Lungen erhalten bleiben sollten oder nicht. Sperle ergänzte seinen Vortrag mit Zahlen des Statistischen Landesamts, denen zufolge die Einwohnerzahl, obwohl es seit 2015 Rückgänge gibt, von derzeit rund 12.200 bis 2035 auf 12.635 steigen werde. Daraus folge zusätzlicher Wohnflächenbedarf von 19 Hektar, berief sich Sperle auf „Rechenmodelle“. Dass die Gemeinde derzeit drei Baugebiete (Westendstraße, Tiefgestade, südlicher Ortsrand) mit ziemlich genau diesem Umfang in Vorbereitung hat, fand jedoch keine Erwähnung.

Bürger hinterfragen Sinn der Veranstaltung

Zur allgemeinen Ortsentwicklung wollten die Gemeindeverwaltung und das dreiköpfige Team der STEG von den Besuchern erfahren, „was Sie bewegt, was Ihnen wichtig ist“, wie es Sperle formulierte. „Schildern Sie uns Ihre Träume“, animierte Bürgermeister Augustin dazu, Wünsche und Ideen mitzuteilen. Es wurden Karten und beschriftbare Würfel verteilt, auf denen man sich zu Themen wie Klimaschutz, Mobilität, Soziales, Kultur, Versorgung, Gewerbe und mehr äußern sollte. An dieser Stelle sah sich der Zuhörer Andreas Badior veranlasst, dazwischen zu grätschen, um den bereits von anderen Teilnehmern geäußerten Zweifel am Sinn dieser Art von Bürgerbeteiligung ironisch in Worte zu fassen: „Stadtplanerlyrik in allen Ehren, aber ich fühle mich auf eine Spielwiese gesetzt.“ Er könnte sich jetzt die Reform der UNO, ein Hallenbad oder einen Hubschrauberplatz wünschen. Was aber interessiere, sei, wo der Entwicklungsprozess denn „einen Korridor“ lasse, in dem sich wirklich etwas verändern ließe, monierte Badior, der auch Vorsitzender des SPD-Ortsvereins ist. Augustin gestand ein, dass Realisierungswünsche vielen „Nebenbedingungen“ unterlägen, dennoch gebe es einen „Lösungsraum“, der sich gestalteten lasse. Einig waren sich Gäste und Gastgeber, dass das Interesse an der Veranstaltung enttäuschend war. Nicht zuletzt deshalb wurde spontan vereinbart, der Einwohnerschaft noch bis Ende dieser Woche Zeit zu geben. Rechnungsamtsleiterin Cosima Dettling-Schenkel, bei der die Fäden zusammenlaufen, rief dazu auf, bei ihr „Anregungen jeglicher Art“ einzureichen, am einfachsten per Mail an: c.dettling-schenkel@durmersheim.de.


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