Aus dem Wahrnehmungsschatten heraus

Baden-Baden (kli) – Die Landtagswahl ist gelaufen. Dabei haben es zwei kleinere Parteien geschafft, sich von den „Sonstigen“ abzusetzen. Sie geraten nun stärker ins Blickfeld. Auch in Mittelbaden.

In die Wahlurnen haben es auch Stimmen von kleineren Parteien geschafft, die nicht im Landtag vertreten sind.     Foto: Uwe Anspach/dpa

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In die Wahlurnen haben es auch Stimmen von kleineren Parteien geschafft, die nicht im Landtag vertreten sind. Foto: Uwe Anspach/dpa

Zahlreiche kleine Parteien, die zur Landtagswahl angetreten sind, haben den Sprung in den Landtag verpasst. Auffallend dabei: Unterhalb der Fünf-Prozent-Schwelle gelang der Linken mit landesweit 3,6 Prozent und den Freien Wählern mit drei Prozent der Sprung über die Wahrnehmungsschwelle. Auch in den Wahlkreisen Baden-Baden und Rastatt.
Thomas Schindler erreichte für die Freien Wähler im Wahlkreis Baden-Baden 3,85 Prozent der Stimmen. „Dafür, dass das der erste Anlauf war, bin ich zufrieden“, sagt der Baden-Badener Stadtrat dem BT. Er glaubt, dass einige unzufriedene CDU-Wähler den Freien Wählern ihre Stimme gegeben haben. Die Stärke der Freien Wähler sei die bürgerliche Mitte. „Viele von uns kommen aus den Kommunalparlamenten. Wir sind nicht abgehoben, sondern setzen uns für die Region ein, wollen keine Karrierepolitiker sein“, so Schindler. Wo man noch zulegen müsse, um noch erfolgreicher zu sein: Man brauche unbedingt mehr jüngere Mitglieder und mehr Frauen.

Jörg Hornung schaffte für die Freien Wähler im Wahlkreis Rastatt ebenfalls 3,85 Prozent. Auch er äußert sich sehr zufrieden. Er habe im Wahlkampf viele Gespräche mit Bürgern geführt. Dabei habe er mitbekommen, was die Menschen bewegt: Die PFC-Problematik, das Thema Sicherheit, der Erhalt der Arbeitsplätze, die mangelnde Auszahlung der Corona-Hilfen. „Da ist eine Lücke entstanden, die wir geschlossen haben“, so Hornung. Er sieht sich durch das Wahlergebnis ermutigt und geht fest davon aus, dass bei der nächsten Landtagswahl der Sprung ins Parlament gelingt. Was die Freien Wähler auszeichne, sei eine Politik von unten nach oben. „CDU und FDP haben nach und nach die politische Mitte verloren.“

„Leichter Aufwärtstrend“

Norbert Maßon (Linke, Wahlkreis Rastatt) hatte sich ein besseres Ergebnis erhofft. Mit 2,8 Prozent habe er aber im Vergleich zu früheren Wahlen leicht zugelegt, sagt er im BT-Gespräch. „Wir sind stabil, das ist ein leichter Aufwärtstrend, insofern bin ich nicht ganz negativ gestimmt“, so Maßon. Man habe die richtigen Themen gesetzt, glaubt Maßon, bezahltes Wohnen und Gesundheit. Allerdings fehle noch einiges zum Sprung in den Landtag. Der Wahlkampf sei unter Corona-Bedingungen sehr schwer gewesen. „Wir hatten nur einige Wahlstände, und mit Maske ist das schwierig. Die Leute wollen ein Gesicht sehen.“ Traditionell tue sich die Linke im Südwesten schwer. „Baden-Württemberg ist ein Flächenland, im ländlichen Raum fällt es uns Linken nach wie vor schwer.“ Von der künftigen Landesregierung erwartet er nicht viel, auch wenn es zu einer grün geführten Ampel kommen sollte. „Die Ampel steht meistens auf Gelb, das heißt, in der Mitte. Es bewegt sich nichts“, sagt er.

Beate Schneider ist mit den erreichten 2,66 Prozent im Wahlkreis Baden-Baden für die Linke sehr zufrieden. Es sei immer ein Wagnis, in einer wohlhabenden Region wie Baden-Baden anzutreten, aber „auch hier gibt es viele Menschen, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen“. Die Linke wolle niemandem etwas wegnehmen, aber für das eine superreiche Prozent in der Bevölkerung, das sich auch in der Pandemie bereichert hat, wolle man eine Steuererhöhung.

Schneider findet, für die Bundestagswahl müsse die Linke ihr Profil als Partei der sozialen Themen noch mehr schärfen. „Umweltpolitik hat jeder im Angebot, das müssen wir nicht immer wiederholen. Wichtiger sind stattdessen Bildung, Wohnraum, soziale Themen“, glaubt sie.

Weitere Kandidaten, die über einem Prozent liegen

Weitere Kandidaten, die in den beiden Wahlkreisen zumindest mehr als ein Prozent der Stimmen erhalten haben: Im Wahlkreis Baden-Baden erreichte Ralf Baßler für die Basisdemokratische Partei 2,19 Prozent.

Im Wahlkreis Rastatt schaffte Marion Hofmann ebenfalls für die Basisdemokratische Partei 1,33 Prozent, Yannik Glodzik für „Die Partei“ 1,32 Prozent und Sandra Overlack für die Klimaliste 1,08 Prozent.

Alle anderen Kandidaten blieben unterhalb der Ein-Prozent-Marke.

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Erstellt:
16. März 2021, 07:00 Uhr
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