Aus dem „letzten Mal“ werden Premieren

Gernsbach (ueb) – Das Theater in der alten Turnhalle in Hilpertsau nimmt am 17. Oktober den Betrieb wieder auf.

„Wir sind da, es gibt uns“: Theaterleiter, Regisseur, Schauspieler und Dozent Thomas Höhne freut sich auf den Re-Start in der Alten Turnhalle. Foto: Dagmar Uebel

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„Wir sind da, es gibt uns“: Theaterleiter, Regisseur, Schauspieler und Dozent Thomas Höhne freut sich auf den Re-Start in der Alten Turnhalle. Foto: Dagmar Uebel

Noch bis vor Kurzem schmückte ein großflächiges Plakat die Fassade der Hilpertsauer Spielstätte „Theater in der alten Turnhalle“. Doch die Türen des Hauses, die auch für andere Veranstaltungen gerne offen stehen, sind seit März verschlossen. So kam es, dass Theaterliebhaber befürchten konnten, dass aus dem Plakatinhalt „Das letzte Mal“ (ein Stück von Emmanuel Robert-Espalieu) wirklich ein letztes Mal für die Spielstätte werden könne.

Gleich nach der ersten, gut besuchten Vorstellung Anfang März betrat Corona die Weltbühne, und auch das Hilpertsauer Theater musste alle bis Mai geplanten Vorstellungen absagen. Ebenso wie die fünf komödiantischen Miniaturen „Bestellt … und nicht abgeholt“, in denen die Autorin und Mimin Andrea Trude amüsante und verwirrende Einblicke in skurrile Alltags-Situationen geben wollte. Probenmäßig schon weit vorangeschritten und für die Jahresmitte geplant, war ein Konzert der Sologeigerin Martina Breitfeld, die zusammen mit dem Ensemble „Fünf plus drei“ Antonin Dvoraks „Böhmische Suite op.19“ spielen und der Rezitator Thomas Höhne mit Auszügen aus Webers „Freischütz“ einen gar nicht rein konzertanten Abend gestalten wollten. Alles war auf gutem Wege, bis Corona kam.

Doch inzwischen wird auf der Bühne wieder mächtig gewerkelt im Theater in der alten Turnhalle. Ja, die Pläne sind alle noch da, die Akteure scharren mit den „Hufen“ und das interessierte Publikum ist neugierig auf Neues.

„Endlich ist die Zeit gekommen, um fortzusetzen, was auf so großes Interesse stieß.“ Ganz neue Produktionen kündigt Thomas Höhne jetzt an: Am 17. Oktober beginnt die neue Saison mit der Premieren-Lesung der „Känguru-Chroniken“. In zehn Vorstellungen, die bis in den Januar hineinreichen, wird der Theaterleiter, Regisseur, Schauspieler und Dozent Höhne aus dem ersten Teil von Marc-Uwe Klings gleichnamigem Buch lesen und beweisen, dass es zutrifft, was die Süddeutsche Zeitung als „eins der tiefsinnigsten und lustigsten Bücher seit Langem“ lobte. Die naive Sprache mit auch tiefgründigen Aspekten und die überraschenden Entwicklungen führten zu dieser großen Resonanz beim Publikum aller Altersklassen. Zu Hörbüchern gemacht und verfilmt und nun auch auf der Hilpertsauer Bühne.

„Känguru-Chroniken“ zum Auftakt

Zu Beginn der Handlung steht ein Känguru vor der Tür des Icherzählers, bittend um eine kleine nachbarschaftliche Hilfe. In der Folge des ersten Teils der vierteiligen „Chroniken“ gelingt es dem Tierchen in überraschender Weise und ohne um Zustimmung zu bitten, dass der hilfsbereite Kleinkünstler für den Lebensunterhalt des sich jeder Beschäftigung verweigernden Kängurus aufkommen muss.

Die Proben haben begonnen, die Plakate sind gedruckt, die Werbezettel werden verteilt: „Endlich wieder durchstarten“, lautet die erleichterte Freude, die Höhne, die Bühnenbildnerin Ilona Lenk und Adelheid Theil während eines Pressegesprächs formulieren. Und sie kündigen auch für die Zeit nach den „Känguru-Chroniken“ neue Projekte an. Höhne und Schauspielerin Theil werden in der Kriminalkomödie von Tom Müller und Sabine Misiorny „Zwei wie Bonnie und Clyde (denn sie wissen nicht, wo sie sind)“ zu Beginn des Jahres 2021 zu erleben sein. Für Kostüme und künstlerische Ausstattung wird wieder einmal Ilona Lenk sorgen.

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Hilpertsauer Theaterbühne ist vom 30. April bis 2. Mai 2021 ein Fest mit Comedy, Musik und Lesungen geplant. Und auch endlich das Nachholen der Premiere von „Bestellt … und nicht abgeholt“ steht im Planungskalender des Theaters. „Wir sind da, es gibt uns“: Besser hätte es Höhne nicht sagen können.


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