Ausdehnung der Leader-Kulisse geplant

Baden-Baden (for) – Aktionsgruppe Mittelbaden bewirbt sich für zweite Leader-Förderperiode

Künftig sollen auch die Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden in die Leaderkulisse Mittelbaden Schwarzwaldhochstraße mitaufgenommen werden. Foto: Joachim Eiermann

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Künftig sollen auch die Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden in die Leaderkulisse Mittelbaden Schwarzwaldhochstraße mitaufgenommen werden. Foto: Joachim Eiermann

Das Förderprogramm Leader soll auch in der Programmperiode von 2021 bis 2027 in der Region Mittelbaden Schwarzwaldhochstraße fortgesetzt werden. Dafür haben sich die Mitglieder der Leader-Aktionsgruppe Mittelbaden Schwarzwaldhochstraße jüngst in einer Video-Vollversammlung einstimmig ausgesprochen. Für die Wiederbewerbung als Leader-Region soll die Kulisse ausgedehnt werden.

Bis zum 15. Februar 2021 muss eine unverbindliche Interessenbekundung beim Ministerium für Ländlichen Raum Baden-Württemberg eingereicht werden. Der offizielle Wettbewerb zur Auswahl der neuen Leader-Aktionsgruppen beginnt dann im Frühjahr des kommenden Jahres.

47 Projekte auf den Weg gebracht

„Leader hat unsere Region vorangebracht und eine erfolgreiche Entwicklung in Gang gesetzt“, sagt der Vorsitzende der Leader-Aktionsgruppe, Claus Haberecht. So seien insgesamt 47 Projekte mit einem Fördermittelvolumen von rund drei Millionen Euro in der Leader-Region Mittelbaden Schwarzwaldhochstraße zwischen Herbst 2015 und Oktober 2020 auf den Weg gebracht worden. „Davon kamen rund 2,03 Millionen Euro von der EU“, so Haberecht. Seit etwa einem Jahr gibt es zusätzlich noch das sogenannte Regionalbudget für Kleinprojekte, aus dem seither 30 weitere Projekte mit Fördermitteln in Höhe von etwa 288.000 Euro unterstützt wurden.

Noch großes Entwicklungspotenzial

„Es gibt aber weiterhin noch großes Entwicklungspotenzial, gerade rund um den Nationalpark und die Schwarzwaldhochstraße.“ Hier kommt die Entwicklung nach der rund fünfjährigen Startphase des Nationalparks jetzt erst richtig in Gang, sodass wir hier auch erst jetzt richtig aktiv werden können.“ Außerdem soll etwa die Zusammenarbeit im Murgtal, die interkommunalen Beziehungen entlang des Schwarzwaldhöhenzugs in Richtung Norden sowie die bestehende Zusammenarbeit im Süden der bisherigen Leader-Kulisse mit Gemeinden aus dem Ortenaukreis gestärkt werden.

Erweiterung der Kulisse

Dem tragen auch die Überlegungen zur Erweiterung der Kulisse Rechnung. „Wir haben gemerkt, dass viele Projektvorschläge nicht realisiert werden können, weil sie zum Teil nicht mehr in der Kulisse liegen“, sagt Haberecht auf BT-Nachfrage. Nach Norden hin sollen deshalb künftig alle Ortsteile der Stadt Gaggenau außer der Kernstadt sowie die sich nördlich anschließenden Malscher Ortsteile Völkersbach, Sulzbach und Waldprechtsweier und die gesamte Gemeinde Marxzell aufgenommen werden. In Baden-Baden soll der Ortsteil Ebersteinburg hinzukommen. Nach Süden hin soll die zukünftige Gebietskulisse durch die Aufnahme der Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden arrondiert werden. „Sasbach und Sasbachwalden hatten angeregt, in die Leader-Kulisse aufgenommen zu werden“, betont Haberecht. Das sei sinnvoll, schließlich sei das Sasbachtal ein „zusammenhängendes Tal“ und bis zur Schwarzwaldhochstraße gebe es viele verschiedene Gemarkungen. Beispielsweise gehöre die Gemarkung Lauf bereits der Leader-Kulisse an, die Gemarkung Sasbach bislang aber nicht, was standortübergreifende Projekte in der Vergangenheit erschwert habe.

Fokus liegt auf ländlichem Raum

Im Gegensatz zur aktuellen Förderperiode sollen die Kernstädte der Mittelzentren Baden-Baden, Bühl und Gaggenau künftig aber nicht mehr Teil der Kulisse sein. „Wir wollen besonders Rücksicht nehmen auf das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum“, betont Haberecht. Und weil die Kernstädte eben nicht ländlich geprägt sind, habe man sich dazu entschlossen, diese aus der Kulisse rauszunehmen.

In thematischer Hinsicht soll die Wiederbewerbung auf dem bisherigen regionalen Entwicklungskonzept aufbauen, welches evaluiert und in veränderter Form fortgeschrieben werden soll. Insbesondere das Thema „nachhaltige, regionale Wirtschaft“ rücke künftig in den Vordergrund. Das bisherige Handlungsfeld „Klima- und Ressourcenschutz“ könnte mit neuen Schwerpunkten gefüllt und mit den übrigen Handlungsfeldern, insbesondere mit den Bereichen Naturschutz/Landschaftspflege und Tourismus verknüpft werden.

Transnationale Kooperationen weiter ausbauen

Die transnationalen Kooperationsprojekte mit den Leader-Aktionsgruppen in Italien und Finnland, die in der bisherigen Förderperiode angelaufen sind, stünden noch ganz am Anfang und sollen in der kommenden Periode vertieft werden. „Dadurch, dass wir immer mit Regionen im Ausland kooperieren, mit denen ohnehin schon eine Verbindung – etwa durch Partnerschaften – besteht, sind die Projekte auch nachhaltig und langlebig“, ist Haberecht überzeugt. Als Beispiel nennt er die langjährige Partnerschaft zwischen dem Landkreis Rastatt und der Provinz Pesaro-Urbino.

Übergangsverordnung der Europäischen Union

In den kommenden beiden Jahren 2021 und 2022 kann die Leader-Förderung in Baden-Württemberg auf der Basis einer Übergangsverordnung der Europäischen Union weitergeführt werden. Da die neue Förderperiode wegen der Verzögerungen des Gesetzgebungsverfahrens auf EU-Ebene erst verspätet im Jahr 2023 beginnen wird, wäre so im Falle einer erfolgreichen Wiederbewerbung ein nahtloser Übergang zwischen den beiden Förderperioden möglich.

„Wir werden in den Jahren 2021 und 2022 weitere 260.000 Euro EU-Mittel jährlich zur Förderung von Projekten und Kooperationen erhalten“, teilte Regionalmanagerin Antje Wurz mit. Außerdem gebe es wie in den Jahren zuvor zusätzliche Fördermittel vom Land.


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