Ausgeklügeltes Konzept für künftigen Auenwald

Iffezheim (fuv) – Bei der Staustufe entsteht in den nächsten sieben Jahren ein Auenwald. Das Unternehmen IKE pflanzt kräftig auf einem aufgefüllten See.

Kiesabbau und Renaturierung nebeneinander: Thorsten Volkmer, Geschäftsführer des Iffezheimer Kies- und Edelsplittwerkes Max Kern (IKE), auf der bereits bepflanzten Fläche. Foto: Frank Vetter

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Kiesabbau und Renaturierung nebeneinander: Thorsten Volkmer, Geschäftsführer des Iffezheimer Kies- und Edelsplittwerkes Max Kern (IKE), auf der bereits bepflanzten Fläche. Foto: Frank Vetter

Das Iffezheimer Kies- und Edelsplittwerk Max Kern (IKE) forstet kräftig auf. Im Dezember wurden auf einer fünf Hektar großen Fläche bei der Staustufe rund 12.000 Bäume gepflanzt (wir berichteten). Bis zum Jahr 2028 soll auf rund 13 Hektar ein Auenwald entstehen. Dabei wird eine auf die gegebenen Voraussetzungen abgestimmte Mischung aus Bäumen und Sträuchern gepflanzt, wie IKE-Geschäftsführer Thorsten Volkmer dem BT erläutert.

Die IKE baut seit den 1960er Jahren im Bereich der heutigen Staustufe auf rund 90 Hektar Kies ab. Davon sollen 15 Hektar wieder aufgefüllt werden. Die Pflanzung des Waldes ist als Ersatzmaßnahme für den Abbau der Kieswerk und Baustoff-Industrie Kern (KBI) am Baggersee auf der Hardt, dem sogenannten Kern-See, vorgeschrieben. Dass dies aber auf einer Wasserfläche stattfindet, bei der ein See zur Landfläche wieder aufgefüllt wird, sei nahezu einzigartig in Baden-Württemberg: „Die Gelände- und Bodenkultur-Herstellung ist freiwillig, die Bepflanzung Pflicht“, erläutert Thorsten Volkmer, der betont, dass hierdurch kein Eingriff in landwirtschaftliche Flächen erfolge. Von der Idee bis zur 2015 erteilten Genehmigung des jetzt umgesetzten Konzepts musste ein achtjähriges Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. Bevor die zarten Pflänzchen gesetzt werden konnten, wurden etwa 1,2 Millionen Tonnen Gestein und Boden bewegt. „Und das nach den genauen Vorgaben des Landratsamts, das die wasserrechtliche Genehmigung für das stellenweise Verfüllen des IKE-Sees erteilt hat“, betont Volkmer.

INI berät

Für die Auswahl der Baumarten sei das unterschiedliche Höhenniveau des Geländes und somit der Grundwasserspiegel wesentlich gewesen, erklärt der Geschäftsführer das Konzept. „Der Grundwasserspiegel ist entscheidend für das „Wohlfühlen“ der Bäume“, unterstreicht Volkmer. So entsteht nach und nach ein Hart- und Weichholzauenwald.

Dort, wo der Abstand der Bodenoberfläche zum Grundwasser bis zu zwei Meter beträgt, werden Hartholz-Bäume gepflanzt. In grundwassernahen Bereichen kommen hingegen Weichholzarten zum Einsatz. Für jeden Bereich sei mit Unterstützung von Fachplanern, der unteren Forstbehörde und dem Iffezheimer Revierleiter Norbert Kelm ein eigenes Öko-Konzept erarbeitet worden, so Volkmer weiter.

Den Großteil der Fläche werden die Hartholzarten und hier überwiegend die Stieleiche mit 62 Prozent ausmachen, das sind 6.000 Bäume. Weitere Harthölzer sind Feldahorn (1.138 Stück), Feld- und Flatterulme (1.083), Hainbuche (960) und Hybridpappel (167) sowie die Traubenkirsche und Wildobst mit insgesamt 282 Pflanzen.

An den wesentlich kleineren Weichholz-Standorten werden 547 Silberweiden, 532 weitere Weiden und 93 Schwarz- und Silberpappeln gepflanzt. 539 Haselnuss-, Pfaffenhütchen- und Weißdornsträucher komplettieren das Aufforstungsensemble. „Wir erwarten außerdem eine ,Selbstanpflanzung‘ durch Flugsamen und Samen im ausgebrachten Bodenmaterial“, sagt Volkmer. Den Pflanzplan habe man noch nicht ganz umsetzen können: „Von der seltenen Schwarzpappel waren aktuell keine Setzlinge mehr zu bekommen“, so Volkmer. Im Herbst würden die restlichen etwa 250 Bäume dann ergänzt.

Bei der Planung des Auenwalds beriet, wie bereits seit 1983, die Initiative Naturschutz Iffezheim (INI) die KBI. Auf INI-Anregung wird sich eine größere Schlut, eine mehrere Meter breite und bis zu zwei Meter tiefe mit Wasser durchströmte Rinne durch das Areal ziehen und den Auenwaldcharakter unterstreichen. Der IKE-Geschäftsführer stellt zu der Gesamtmaßnahme, für die bereits Kosten im siebenstelligen Bereich angefallen sind, fest: „Das Projekt ist in dieser Dimension einzigartig in Deutschland und eine perfekte Ergänzung der Rekultivierungsmaßnahmen an unserem See, die wir in den 1980er-Jahren begonnen haben.“

Wie das Areal nördlich der Staustufe einmal aussehen wird, das kann der Autofahrer auf dem Weg ins Elsass bei einem Blick nach rechts bereits heute sehen. Der komplett an die Neubepflanzung anschließende Wald wurde von der IKE in den letzten 40 Jahren angelegt.


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