Ausgelassene Stimmung und jede Menge Musik

Baden-Baden (kie) – Das Theater Baden-Baden zeigt mit „Die Bremer Stadtmusikanten“ ein bekanntes Märchen zur Weihnachtszeit. Am Sonntag feierte es Premiere.

Der Esel (Oliver Jacobs) will abrocken, am liebsten in Bremen. Musikalisch begleitet wird er dabei von Leander Mangelsdorf (rechts). Foto: Jochen Klenk

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Der Esel (Oliver Jacobs) will abrocken, am liebsten in Bremen. Musikalisch begleitet wird er dabei von Leander Mangelsdorf (rechts). Foto: Jochen Klenk

Der Esel braucht ein paar Anläufe, bis er tatsächlich weiß, wohin die Reise gehen soll. „Nach Gaggenau“, sagt er zunächst. Doch die Kinder im Publikum wehren lautstark ab. „Geroldsau“, ruft das Langohr daraufhin aus und erweitert um das Ziel „Baden-Baden? Ach nein, da sind wir ja schon“. Lacher aus den Reihen, denn die Reise geht natürlich nach Bremen – zumindest ist das der Plan der vier tierischen Musikanten in spe.

Wer das berühmte Märchen aus der Grimm’schen Sammlung kennt, weiß: Für Esel, Hund, Katze und Hahn endet das Abenteuer bereits vor dem geplanten Ziel – in einer Räuber-Hütte im Wald. Mit viel Musik (von Thomas Esser) und jeder Menge Witz inszeniert Thomas Höhne „Die Bremer Stadtmusikanten“ in einer Fassung von Philipp Löhle für das Theater Baden-Baden. Am Sonntag feierte das diesjährige Weihnachtsstück Premiere – coronabedingt auf zwei Vorstellungen vor weniger Publikum aufgeteilt.

Es wird nicht langweilig

Obwohl ein echter Märchen-Klassiker, wird es dabei nicht langweilig: Die Erwartbarkeit beschränkt sich auf die groben Handlungsstränge, auch die für Kinderstücke üblichen Interaktionen zwischen Schauspielern und Publikum wirken belebend auf den Märchenstoff, der von Steven Kopp in ein skizzenhaftes Bühnenbild aus hölzernen Elementen und illuminierten Stoffbahnen übertragen wird. Die musikalische Rahmung (Musikalische Leitung: Oliver Jacobs) fügt der Erzählung zudem eine unterhaltende, jugendlich-moderne Dimension hinzu: Mit Cowboyhut und Ledermantel bekleidet, sitzt Leander Mangelsdorf am Rand der Bühne auf einem Sattel und spielt Gitarre, Banjo oder Mundharmonika.

Melodisch geht es dabei vielfältig zu: Mithilfe von Country-, Flamenco- und Rock-Klängen werden die einzelnen Charaktere des Märchens musikalisch sinnfällig untermalt. Die Melodie aus dem Western-Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ wird naturgemäß einige Male angespielt.

Auch den Schauspielern wird musikalisch einiges abverlangt: Besonders gefällt dabei Oliver Jacobs, der als Esel nicht nur abrockt, sondern für eine Stepp-Einlage gar Zwischenapplaus erntet. Cyril Hilfiker als herrlich exaltierter Hahn gibt daneben ein Medley verschiedener Melodien zum Besten, darunter auch eine wunderbar schräge Version der „Königin der Nacht“. Gemeinsam mit der Katze (Constanze Weinig) und dem Hund (Simon Mazouri) stimmen sie, begleitet von Mangelsdorf und unter Zuhilfenahme der Drehbühne, Lieder über die Freundschaft und das Leben an.

Jede Menge gute Stimmung

Weinig mimt die Katze urkomisch mit spanischem Akzent, die selbstverliebt ein Foto von sich umherträgt. Das größtenteils junge Publikum quittiert ihre Darstellung mit lautstarkem Gelächter. Auch die Schwerhörigkeit des von Mazouri verkörperten Hundes sorgt für gute Stimmung, kommt es doch dadurch immer wieder zu sprachlichen Verwechslungen („Warum?“, fragt etwa der Esel. Daraufhin der Hund: „Ich bin nicht dumm!“). Als die Tiere schließlich auf vier einfältige und äußerst ängstliche Räuber treffen (Michaela Lenhart, Weinig, Mazouri, Hilfiker), kennen die Zuschauer kein Halten mehr: Es wird gelacht, gerufen und gekichert; die Stimmung ist ausgelassen, am Ende klatschen viele beim abschließenden Lied mit.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
29. November 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 28sec

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