Auslobung für Kombibad-Wettbewerb auf dem Weg

Rastatt (dm) – In Sachen Kombibad geht noch immer ein Riss durch den Gemeinderat. Als es nun um den Auslobungstext für den Architektenwettbewerb ging, sagten 27 Räte Ja, 16 verweigerten Zustimmung.

Die Zeit läuft (im Bild die Uhr auf dem Dach des Rastatter Freibads): In diesem Jahr soll nun der Realisierungswettbewerb fürs neue Bad über die Bühne gehen. Foto: Frank Vetter

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Die Zeit läuft (im Bild die Uhr auf dem Dach des Rastatter Freibads): In diesem Jahr soll nun der Realisierungswettbewerb fürs neue Bad über die Bühne gehen. Foto: Frank Vetter

Kaum mehr eine Entscheidung in Sachen Rastatter Kombibad ohne zum Teil hitzige Diskussion: Auch am Montag wurde im Gemeinderat nochmals debattiert, als es um den Auslobungstext für den Architektenwettbewerb ging, auf dessen Grundlage das Mammutprojekt realisiert werden soll. Am Ende gab das Gremium, durch das bei der Bäderfrage immer noch ein Riss geht, mit 27 Ja- bei zehn Neinstimmen und sechs Enthaltungen seine Zustimmung.
Noch diesen Sommer will das Preisgericht tagen, bis dahin sollen die Wettbewerbsarbeiten der teilnehmenden Büros, die sich zuvor bewerben müssen, und deren Modelle abgegeben sein. Nochmals verdeutlichte OB Hans Jürgen Pütsch, dass man sich bei dem Verfahren nicht 1:1 den Architektenentwürfen aussetze: „Der Gemeinderat ist und bleibt jederzeit Herr des Verfahrens.“

Bedenken wegen Kostenobergrenze

Erneut waren zuvor unter anderem Bedenken wegen der Kostenobergrenze laut geworden, die auf 34 Millionen Euro festgesetzt ist. Es ist eine sogenannte weiche Deckelung, da sie auf den Preisen von heute beruht, die sich bis zum tatsächlichen Bau des Kombibads (nach oben) verändern können. Der Betrag gilt zudem nur für alle baulichen Anlagen, die Bestandteil des künftigen Bads sein werden und umfassen nicht auch noch die äußerliche, verkehrliche Erschließung oder andere Kosten, die etwa durch den Abriss des maroden Alohra auf die Stadt beziehungsweise die Stadtwerke zukommen. Erich Wölfle (FDP) hatte ins Spiel gebracht, dass dort noch ein Blockheizkraftwerk mit drei Aggregaten steht, für das dann ein Gebäude erstellt werden müsse. Solcherlei Dinge, so der OB, sind indes nicht Bestandteil der Wettbewerbsauslobung fürs Kombibad und würden ohnedies anstehen. Die Auslobung sei, wie Architekt Prof. Jörg Aldinger bei der Sitzung sagte, „sehr sorgfältig vorbereitet“ worden; auch, was den Schutz vor Überflutung betreffe, ein weiteres Diskussionsthema. Hallenbad und Technik müssen dem Text zufolge einem extremen Hochwasser Stand halten können, wie Bau-Bürgermeister Raphael Knoth erläuterte.

Die Auslobung sieht als gesetzt einen Hallenbadbereich vor mit Schwimmbecken sowie Lehr-, Kurs- und Kleinkinderbecken und einen Freibadbereich mit Mehrzweck- und Kleinkinderbecken. Lediglich optionale Bausteine sind ein Springerbecken, ein autarker Rutschenturm oder ein erweiterter Freibadbereich, gegebenenfalls mit Sanierung des 50-Meter-Beckens.

Meinungen prallen aufeinander

SPD-Stadtrat Joachim Fischer sprach von einem „Bädle“ mit nur etwa der Hälfte der garantierten Wasserfläche des jetzigen Freibads. Man sorge sich darum, dass Rastatt mit der Auslobung „baden geht“. Die SPD lehne diese ab, da sie nicht dazu führe, dass man ein attraktives Kombibad bekomme. Die kleine Wasserfläche, so Erich Wölfle (FDP) sei vielleicht gerade in Zeiten von Corona „nicht richtig nutzbar“. Für die Freien Wähler, die zuletzt für einen Hallenbadneubau am Alohra-Standort plädiert hatten, kündigte Herbert Köllner Enthaltung und weitere „kritisch-konstruktive“ Begleitung an. Auf der Befürworterseite standen CDU, die Grünen und FuR. Nachdem man sich lange in vielen Details „verzettelt“ habe, sei es nun an der Zeit, „dass wir innovative Ideen im Architektenwettbewerb bekommen, um auf dessen Grundlage dann die weiteren Beschlüsse zu fassen“, so Mathias Köppel (CDU). Roland Walter (Grüne) sah vieles bereits „bis zum Erbrechen“ diskutiert und ärgerte sich, dass immer wieder Fragen aufgeworfen würden, die im Vorfeld bereits ausführlich besprochen worden seien. Wer jetzt nicht mitziehe, sorge nur dafür, dass die Rastatter noch länger auf ihr Bad warten müssen. Und viele, so Simone Walker (FuR), „freuen sich aufs Kombibad. Das muss hier auch mal gesagt werden.“

Übergangslösung für knapp eine Million

Seit das baufällige Hallenbad Alohra endgültig dichtgemacht wurde und die Freibadsaison 2021 endete, steht in Rastatt keine städtische Badefläche mehr zur Verfügung. Als Übergangslösung für mindestens drei Jahre soll eine Traglufthalle über das 50-Meter-Becken des Freibads Natura gespannt werden, damit künftig auch im Winter wieder ein Badebetrieb in der Barockstadt möglich ist. Der Gemeinderat genehmigte nun ein Gesamtbudget von 974.600 Euro für das Projekt. Wie berichtet, sind die Betonteile dafür bereits geliefert worden, sie stammen von einer in Konstanz abgebauten Traglufthalle.

Damit der Badebetrieb auf dem Natura-Gelände sowohl für den Sommer – die Saisoneröffnung ist Mitte Mai geplant – als auch für den Winter 2022/23 termingerecht umgesetzt werden kann, bat die Verwaltung nun darum, alle zum Bau gehörenden, noch offenen Aufträge innerhalb des Kostenrahmens ohne weitere Gemeinderatskonsultation selbst erteilen zu können. Dazu sagte das Gremium einmütig Ja. Ziel sei es, so heißt es in den Unterlagen, die Einschränkungen für den Freibadbetrieb „so gering wie möglich zu halten“.


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