Aussicht auf Lockdown prägt Adventssamstag in Bühl

Bühl (mf) – Viele Weihnachtseinkäufer waren am dritten Adventssamstag in den Bühler Geschäften unterwegs. Diese Woche wird das aufgrund des Lockdowns nicht mehr möglich sein.

Jürgen Leutner sorgt mit seiner Bude für ein „bisschen Weihnachtsgefühl“ in der Schwanenstraße. Foto: Martina Fuß

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Jürgen Leutner sorgt mit seiner Bude für ein „bisschen Weihnachtsgefühl“ in der Schwanenstraße. Foto: Martina Fuß

Die beiden Nikoläuse sind an ihren langen Haaren unschwer als weibliche Vertreterinnen ihrer Zunft zu erkennen – trotz Masken. Die beiden Mitarbeiterinnen von Böckeler und Peter’s Gute Backstube sind am dritten Adventssamstag bestens gelaunt in der Stadt unterwegs. Schließlich dürfen sie ein wenig Freude verteilen.

Nikoläuse in Bühl: „Wir verteilen heute alles, was wir haben. Wir gehen davon aus, dass diese Aktion nächsten Samstag nicht mehr möglich sein wird.“ Foto: Martina Fuß

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Nikoläuse in Bühl: „Wir verteilen heute alles, was wir haben. Wir gehen davon aus, dass diese Aktion nächsten Samstag nicht mehr möglich sein wird.“ Foto: Martina Fuß

In ihrem Wagen befinden sich leckere Lebkuchenherzen, die sie großzügig an Passanten verteilen. Auch Geschäfte erhalten die Leckereien, um sie an ihre Kunden weiterzureichen. „Wir verteilen heute alles, was wir haben. Wir gehen davon aus, dass diese Aktion nächsten Samstag nicht mehr möglich sein wird“, sagen die beiden und ziehen weiter über den Markt. Es ist der dritte Adventssamstag – und es herrscht große Unsicherheit bei Kunden und Einzelhändlern im Hinblick auf einen möglichen harten Lockdown noch vor Weihnachten. Jürgen Leutner hat eine der weihnachtlichen Buden in der Schwanenstraße bezogen. „Die Leute freuen sich über die Buden, die ein bisschen Weihnachtsmarkt-Gefühl aufkommen lassen, und ich habe heute Morgen schon einiges verkauft“, sagt er inmitten all der glitzernden Figuren und Lämpchen.

Ingrid Falk hat gegenüber eine Weihnachtsbäckerei eingerichtet. Die Mitarbeiterin dort hat den Eindruck, dass mehr Kunden in der Stadt sind, als in der Woche zuvor. Allerdings befürchtet sie, dass es schon am Montag einen Lockdown geben könnte. Diese Befürchtung hat auch die Mitarbeiterin in der Weihnachts-Bude von Cum Natura. Sie fände es schade, wenn sie am Montag wieder abbauen müsste. Laut Aussage der Regierung wird dies allerdings erst ab Mittwoch der Fall sein.

Während sich auf dem Johannesplatz eine immer länger werdende Schlange vor der Metzgerei Vogt entwickelt – die Kunden stehen zeitweise bis hinüber zum Eiscafé Italia – hat mitten auf dem Platz auch eine Partei ihren Stand aufgebaut. Die „Klimaliste BW“ mit ihrem Kandidaten für den hiesigen Wahlkreis, Günther Beikert, wirbt um Unterstützer-Stimmen, damit sie bei der Landtagswahl antreten können.

„Die Menschen gönnen sich etwas Feines für daheim“

Der Käse- und Feinkostladen „Dreikäsehoch“ in der Schwanenstraße hatte eine Woche vor dem März-Lockdown eröffnet. Fünf Kunden dürfen jetzt den Laden betreten, und ja, es ist viel los heute, sagt Inhaber Klaus Droll: „Morgens war es noch ruhig, vielleicht auch wetterbedingt, aber jetzt kommt zusehends mehr Kundschaft in die Stadt.“ Wie dieses erste Geschäftsjahr für ihn ausgehen mag, sei schwierig zu beantworten. „Es ist aber schön, dass Lebensmittel gekauft werden. Die Menschen gönnen sich etwas Feines für daheim“, sagt Droll.

In der Filiale der alteingesessenen Bühler Firma Tandem, heute Teil des italienischen Unternehmens Transit, herrscht entspannte Gelassenheit. „Wir haben einen kleinen Laden und immer einen guten Überblick, die Kunden fühlen sich wohl bei uns“, ist Filialleiterin Ute Heer mit dem Vor-Weihnachtsgeschäft zufrieden. Auch sie rechnet mit einem Lockdown und hofft, dass er erst nach Weihnachten angeordnet wird. Christoph Engelhardt von Bessey & Flammer schaut zwar ebenfalls zufrieden auf diesen „ganz wichtigen Tag in diesem Geschäftsjahr“. Er ist sich aber auch bewusst, dass sich die Ereignisse schon am Sonntag überschlagen könnten. „Wir rechnen damit, dass wir in absehbarer Zeit schließen müssen“, sagt er, und Sybille Engelhardt ergänzt: „Aber gerne erst nach Weihnachten“.

In den Parfümerien ist ziemlich viel los. Vor allem männliche Kunden gehen dort ein und aus. Die angekündigten Musik-Trios der Kappelwindeck-Musikanten waren indes nirgends zu sehen. So ganz richtig hätte sich das wohl auch nicht angefühlt. Gezielt einkaufen und schnell wieder nach Hause gehen, so lautet wohl derzeit die Devise.

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Erstellt:
14. Dezember 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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