Australischer Exot im Niederbühler Wald

Rastatt (waa) – Im Niederbühler Wald wurde am Sonntag eine Bartagame gefunden. Nach der herausfordernden Suche nach einer Unterbringung befindet sich der Exot jetzt im Tierheim Baden-Baden.

Mittlerweile ist die gefundene Bartagame im Tierheim Baden-Baden untergekommen.  Foto: Elisabeth Hangauer

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Mittlerweile ist die gefundene Bartagame im Tierheim Baden-Baden untergekommen. Foto: Elisabeth Hangauer

Mit ihrem langen Schwanz und dem stacheligen Schuppenkleid sehen sie aus wie kleine Drachen: Die Bartagamen. Am Sonntag entdeckte der Niederbühler Klaus Herrmann beim Pilzesammeln im nahe gelegenen Wald ein Exemplar der Reptilienart. Die Frage nach einer artgerechten Unterbringung gestaltete sich in den folgenden Tagen durchaus als Herausforderung. Inzwischen ist die Bartagame im Tierheim Baden-Baden untergekommen.
Nach dem außergewöhnlichen Fund kontaktierte Herrmann kurzerhand Elisabeth Hangauer, die er über den Sängerbund Niederbühl kennt. Diese stellte sich sofort die Frage: „Wen kann man sonntags in solch einer Sache anrufen?“. So gelangte die Bartagame zunächst zur Wildvogelauffangstation Fingermann. Pierre Fingermann bemühte sich daraufhin, eine artgerechte Unterbringung für den Exoten zu finden.

Ohne Hilfe chancenlos

Bartagamen stammen ursprünglich aus Australien, berichtet Johann Kirchhauser, Leiter des Vivariums des Staatlichen Museums für Naturkunde in Karlsruhe, auf Nachfrage des BT.

Das Reptil ernährt sich in freier Wildbahn von nahezu allem, was ihm in die Quere kommt. Von Blättern oder Früchten bis hin zu Insekten steht alles auf dem Speiseplan, was die Natur zu bieten hat. Kirchhauser erklärt, dass das Tier wohl bis zum Herbst im Wald hätte überleben können, aber im kalten Winter sicher gestorben wäre.

Ob das Reptil aus seinem Zuhause entwischt ist oder ausgesetzt wurde, ist fraglich. Pierre Fingermann von der Wildvogelauffangstation berichtet, dass sich rund um die Fundstelle „weit und breit nichts“ befunden hätte. Er gehe also davon aus, dass der Exot auf einem nahe liegenden Waldparkplatz ausgesetzt worden sein müsse.

Kirchhauser zufolge sei dies nicht ausgeschlossen. Hin und wieder komme es vor, dass Reptilien von ihren Besitzern ausgesetzt würden, allerdings passiere es viel häufiger, dass sie ihren Haltern entwischen. Da man Bartagamen aufgrund der großen Beliebtheit unter Reptilienliebhabern leicht verkaufen könne und sich das Tier dem Bild zufolge in einem sehr guten Zustand befinde, glaube er nicht, dass es absichtlich ausgesetzt wurde.

Keine Auffangstationen für Exoten

Einige Tage war Fingermann zusammen mit dem Tierrettungsdienst „Union für das Leben“ (UNA) damit beschäftigt, nach einer artgerechten Unterbringung für das Reptil zu suchen. Auch das Naturkundemuseum Karlsruhe nehme hin und wieder derartige Fundtiere an, erklärt Kirchhauser, jedoch könnten auch sie das Tier nicht dauerhaft unterbringen und müssten versuchen, es weiter zu vermitteln. In Baden-Württemberg gebe es jedoch leider keine Auffangstation für Exoten. „Das ist ein echtes Drama“, bedauert er.

Auch im Tierheim Rastatt gibt es keine Möglichkeit der Unterbringung für exotische Tiere wie Schlangen, Echsen oder Spinnen. Dort sei man lediglich auf Hunde, Katzen und Kleintiere eingestellt, berichtet Tierheimleiterin Saskia Joeres. Für die Aufnahme der Exoten fehle es nicht nur an der entsprechenden Ausstattung, sondern auch an Platz, erklärt sie weiter.

Langwierige Vermittlung von Bartagamen

Inzwischen befindet sich die Bartagame im Tierheim Baden-Baden. Dort könne sie artgerecht untergebracht und versorgt werden, berichtet Tierheim-Mitarbeiterin Katja Damalis. Auch andere kleine und ungefährliche Exoten wie Schildkröten oder Kornnattern warten dort darauf, weitervermittelt zu werden. Im Fall der Bartagame könne eine solche Vermittlung allerdings etwas länger dauern, erklärt Damalis. Besonders die Ausstattung für ein solches Tier sei mit hohen Kosten verbunden. Um die künftigen Haltungsbedingungen kontrollieren zu können, müssten Interessenten daher auch Bilder ihres Terrariums vorzeigen. Potenzielle Halter müssten sich zudem auf Probleme bei der Tierarztsuche einstellen, da viele Tierärzte nicht auf Exoten spezialisiert seien, erklärt Damalis weiter.


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