Auto gegen E-Bike getauscht

Rastatt/Muggensturm (nora) – Klimahelden des Alltags will das BT vorstellen. Zum Auftakt der Serie geht es um Alfred Uhing.

„Eigentlich regnet es gar nicht so oft, wie man denkt.“ E-Bike-Fan Alfred Uhing. Foto: Nora Pallek

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„Eigentlich regnet es gar nicht so oft, wie man denkt.“ E-Bike-Fan Alfred Uhing. Foto: Nora Pallek

Klimakrise: Für viele ist das nur ein abstrakter Begriff. Der anstrengende Alltag lässt kaum Zeit, sich wirklich damit zu beschäftigen. Und was kann der Einzelne schon tun? Doch es gibt durchaus Menschen, die der globalen Erderwärmung nicht die kalte Schulter zeigen.
Das Klimabündnis Rastatt hat sich auf die Suche nach solchen „Klimahelden des Alltags“ gemacht. „Wir wollen ganz normale Mitbürger vorstellen, die entschieden haben, etwas in ihrem Leben zu verändern“, sagt Erwin Groß, Sprecher des Klimabündnisses Rastatt. „Wenn jeder nur ein paar kleine Dinge umstellt, erreichen wir in der Summe schon ganz viel.“

Einer dieser ganz normalen Klimahelden ist Alfred Uhing aus Muggensturm. Er fährt Fahrrad – zugegeben, mehr als gewöhnliche Leute. Letztes Jahr waren es 7.300 Kilometer. Vor rund vier Jahren hat er sein Auto abgeschafft und sich zusätzlich zu seinem normalen Fahrrad, das er immer noch für Kurzstrecken nutzt, ein E-Bike gekauft. Genauer gesagt ein Pedelec mit einem Elektromotor, der Geschwindigkeiten bis zu 25 Stundenkilometern unterstützt. Mit diesem Rad fährt Uhing fast täglich zur Arbeit nach Karlsruhe, hin und zurück 42 Kilometer. Für den einfachen Weg benötigt er etwas mehr als eine Stunde und sitzt somit über zwei Stunden täglich im Sattel – mindestens, denn auch bei privaten Terminen am Abend oder am Wochenende tritt der klimabewusste 60-Jährige in die Pedale. Für größere Einkäufe nutzt er einen Fahrradanhänger. So hat sich seine Fahrleistung in den vergangenen vier Jahren auf rund 23.000 Zweiradkilometer summiert.

„Ich bin nicht kompromisslos“

„Andere gehen abends ins Fitnessstudio, ich habe meinen Sport perfekt in den Alltag integriert“, freut sich Uhing. Die Bewegung tue ihm gesundheitlich gut und er genieße die Zeit in der Natur. „Es ist toll, wenn ich morgens einen Fischreiher oder abends den Sonnenuntergang beobachten kann.“

Bei schlechtem Wetter sei das Radfahren natürlich nicht ganz so angenehm. „Aber eigentlich regnet es gar nicht so oft, wie man denkt“, sagt Uhing mit einem Schulterzucken. Nur bei Schnee und Eis nutzt er dann doch lieber die Straßenbahn. „Und in den Urlaub fahre ich auch schon mal mit dem Auto“, gibt er zu. Denn ein Auto sei im Haushalt aufgrund der beruflichen Tätigkeit seiner Frau unverzichtbar. „Ich bin nicht kompromisslos, ich bin auch schon viel Auto gefahren in meinem Leben“, betont der Wahl-Muggensturmer.

Aufgrund der Klimakrise sei es jedoch notwendig, das eigne Mobilitätsverhalten zu hinterfragen. „Es müssen ja nicht gleich Tausende von Autokilometern sein, die durchs Fahrrad ersetzt werden, ein paar hundert würden auch schon helfen“, ermuntert Uhing zum Umstieg auf zwei Räder. Gerade das E-Bike sei in vielen Fällen eine hervorragende Alternative zum Auto. „Durch den Motor kann man selbst dosieren, wie stark man sich anstrengen will.“

E-Bike-Neulingen rät er, bei der Erstausrüstung nicht zu geizen. Nur wenn das Rad richtig dem eigenen Körper angepasst sei, stelle sich der Spaß ein. „Ein gutes Pedelec bekommt man für 2.500 bis 3.000 Euro“, nennt er eine Hausnummer. Das Geld sei gut angelegt, denn im Gegenzug könnten Kosten für das Auto eingespart werden.

Wenn die Zahl der Fahrradfahrer auf den Straßen zunähme, hätte das laut Uhing noch einen anderen positiven Effekt: „Das würde den Druck auf die Politik erhöhen, die Infrastruktur für Fahrradfahrer zu verbessern. Da hapert es an manchen Stellen noch gewaltig“, berichtet der Vielfahrer von seiner täglichen Erfahrung. Dabei müssten nicht immer gleich neue Radwege gebaut und dadurch weitere Flächen versiegelt werden. „Man sollte auch bestehende Verkehrsflächen zugunsten des Zweirads umwidmen.“

Zum Thema

Das Klima ist im Stress. Und jeder Einzelne kann etwas dagegen tun. Das Klimabündnis Rastatt sucht „Klimahelden“, die auf unterschiedliche Weise sich dabei engagieren. Das BT veröffentlicht in einer Serie ausgewählte Beispiele aus dem Alltag im Raum Rastatt. Wer seine Idee oder sein Projekt vorstellen möchte, kann sich an die BT-Lokalredaktion Rastatt wenden. Mail: redra@badisches-tagblatt.de; Telefon (0 72 22) 767 22 20.

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Erstellt:
25. März 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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