Autobahnkirche Baden-Baden: Buch der Verkehrstoten

Baden-Baden (vr) – Gottes unvergessene Kinder: Tobias Albert ist Mesner in der Autobahnkirche St. Christopherus. Seit zwei Jahren führt er das Buch der Verkehrstoten.

Tobias Albert vor dem Buch der im Straßenverkehr Verstorbenen: 150 Namen stehen bisher drin. Foto: Veruschka Rechel

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Tobias Albert vor dem Buch der im Straßenverkehr Verstorbenen: 150 Namen stehen bisher drin. Foto: Veruschka Rechel

Es war schon eine ganz besondere Atmosphäre, mit der die Autobahnkirche St. Christopherus Baden-Baden ihre Besucher empfing. Jedes Jahr am 2. November, dem Allerseelentag, hält Tobias Albert, seit 13 Jahren Mesner hier, eine Andacht für Verstorbene im Straßenverkehr.

Vielen Angehörigen spendet diese Andacht Trost, und sie sind sehr dankbar dafür. So schrieb zum Beispiel einmal eine Mutter danach an Tobias Albert: „Danke, dass Ihr für meine Tochter gebetet habt.“ Vor zwei Jahren hatte der Kirchendiener die Idee, ein sogenanntes Buch der Verkehrstoten aufzulegen. 150 Namen aus ganz Deutschland und dem nahen Ausland sind mittlerweile schon aufgeführt. „Jeder kann einen Verstorbenen eintragen lassen“, erklärte der „Autor“ (Mitteilung unter der E-Mail autobahnkirche-baden-baden@t-online.de).

In den vergangenen zwei Jahren war diese Andacht wegen Corona ausgefallen, doch jetzt fand sie wieder statt. Es wurde für jeden Verkehrstoten gebetet, egal, welchen Glauben er hatte. „Es sind alle Kinder Gottes“, betonte Albert.

Wieder zwei tödliche Unfälle

Jedes Jahr kommen auch in der Region zwei neue Namen dazu. So ereigneten sich im Zeitraum vom 2. November 2020 bis zum 29. Oktober 2021 im Zuständigkeitsbereich der Verkehrspolizeiinspektion Baden-Baden-Verkehrsdienstaußenstelle Bühl auf der A 5 wieder zwei Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang. Am 10. Januar 2021 fuhr ein 24-Jähriger in einen Lkw, und am 25. Juli 2021 war es ein 37-Jähriger, der ebenfalls auf einen Lkw prallte. „Es sind meistens Auffahrunfälle“, berichtet der Mesner.

Insgesamt gibt es 44 reine Autobahnkirchen unterschiedlicher Konfessionen in Deutschland. Die St. Christopherus-Kirche, die im Juli 1978 ihre Pforten öffnete, ist eine der meistbesuchten Autobahnkirchen in der Bundesrepublik. Vor Corona verzeichnete das Gotteshaus rund 300.000 Besucher jährlich. Ihre einzigartige Architektur als Zelt macht sie zu einer Besichtigungsstätte für Touristen, die ihretwegen einen Stopp einlegen. Ihre pyramidenähnliche Bauweise ist eine Anlehnung an die Offenbarung des Johannes, in der es unter anderem heißt: „Seht das Zelt Gottes unter den Menschen.“

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Erstellt:
4. November 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 59sec

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