Autoposer im Fokus

Offenburg (fk) – In Mittelbaden schnellen die Zahlen von Verstößen durch Autoposer merklich in die Höhe. Die Polizei geht nun verstärkt dagegen vor, etwa mit einer Einheit bei der Verkehrspolizei.

Ende eines illegalen Autorennens in Offenburg: Der Fahrer hat die Kontrolle über seinen Wagen verloren, ein weiteres Fahrzeug gerammt und einen Zaun durchbrochen. Foto: Polizei

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Ende eines illegalen Autorennens in Offenburg: Der Fahrer hat die Kontrolle über seinen Wagen verloren, ein weiteres Fahrzeug gerammt und einen Zaun durchbrochen. Foto: Polizei

Der Parkplatz eines Möbelhauses im Offenburger Industriegebiet. Samstagabend, vergangene Woche. Dröhnende und aufheulende Motorengeräusche durchschneiden die Luft. Reifen quietschen. Ein lauter Knall – dann herrscht Stille. In etwa so muss es sich zugetragen haben – das zumindest legen die Ermittlungen der Polizei nach einem Unfall mit hohem Schaden in Folge eines illegalen Autorennens nahe. Ein Einzelfall ist das längst nicht mehr. In Mittelbaden schnellen die Zahlen von Verkehrsverstößen durch sogenannte Autoposer wie überall bundesweit eklatant in die Höhe.

82 Fälle bis Mitte Mai

Bis Mitte Mai zählten die für die Kreise Rastatt, Ortenau und Baden-Baden zuständigen Beamten des Offenburger Polizeipräsidiums 82 Fälle. Fast so viele, wie im gesamten letzten Jahr. Schwerpunkt war dabei mit 29 Fällen Offenburg, aber auch in Baden-Baden (7) und Rastatt (8) gab es einige Fälle. Besonders in der Barockstadt sei aktuell eine Szene am Entstehen, konstatieren die Offenburger Beamten in einem Pressegespräch am Mittwoch. Gerade erst am zurückliegenden Samstag hatten die Beamten einen Einsatz wegen Autoposern auf dem Rastatter Lidl-Parkplatz.

Unter Autoposern versteht man Menschen, die mit leistungsstarken und mitunter unzulässig aufgemotzten Autos immer wieder durch Straßen und Gassen fahren und für Lärm sorgen, etwa durch unnötiges Hochdrehen der Motoren oder kurzes starkes Beschleunigen mit quietschenden Reifen bis hin zu illegalen Autorennen. Meist sind es laut Polizei junge Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Ihr Ziel: „Auffallen um jeden Preis“, sagt Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion im Offenburger Präsidium. „Imponiergehabe ist das“, unterstreicht er. „Wie das Balzen bei einem Auerhahn.“ Das nerve, so Westermann, nicht nur die Anwohner, sondern sei auch extrem gefährlich. Auch manch Motorradfahrer gehört zum Poser-Klientel. Sie fallen besonders oft auf der B500 in Richtung Helbingfelsen ins Auge. In vielen Fällen gehöre den jungen Menschen das PS-starke Gefährt gar nicht, konstatieren die Beamten. Gerade Autos seien oft nur geleast.

Das Offenburger Präsidium geht seit einiger Zeit verstärkt gegen die Szene vor. Bei der Verkehrspolizei gibt es einen eigenen „Arbeitsbereich Tuning“. Zusätzlich wurden in allen Revieren zwei bis drei Beamte, die Streife fahren, speziell rechtlich und technisch geschult, um gegen Poser vorzugehen und illegale Zurüstteile schneller zu erkennen. Knapp 35 Beamte insgesamt.

Repression und Prävention

Hinzu kommt eine neue Konzeption unter den Schlagworten Repression und Prävention. Dabei gelte es zuvorderst, die einschlägigen Treffpunkte der Poser auszumachen und sie von dort zu vergrämen: „Das führt zwar nur zu einer Verlagerung, hat aber dennoch einen Effekt – denn die Poser müssen auf Orte ausweichen, an denen ihnen die Aufmerksamkeit fehlt – und die steht für diese Leute im Mittelpunkt“, so Westermann. Die Prävention erfolgt unter anderem durch Vorträge in Schulen.

Darüber hinaus gibt es Absprachen mit Bußgeld- und Führerscheinstellen sowie den Staatsanwaltschaften, sagt Westermanns Kollege Peter Dieterle. Die Führerscheinstelle habe einen Überblick über alle Delikte eines Autofahrers und könne entsprechende Maßnahmen wie Eignungstests und gegebenenfalls auch eine Aberkennung der Fahrerlaubnis verhängen. Für die Staatsanwaltschaften geht es um die Frage, ab wann ein illegales Autorennen vorliegt. „Gleiches muss überall gleich geahndet werden“, so Dieterle. Bisher habe es nur Kontrollen einzelner Dienststellen gegeben und keine Vernetzung und enge Zusammenarbeit.

Bußgeld-Stufenkonzept

Die Einführung eines Bußgeld-Stufenkonzepts soll ihr Übriges tun. Die Höhe der Strafzahlungen soll sich dabei mit der Zahl der Verstöße verdoppeln oder gar verdreifachen und könne bis zu 1.000 Euro betragen, so die Offenburger Beamten. Eine schriftliche „gelbe Karte“ soll zudem Poser drauf aufmerksam machen, dass ihr Fahrzeug im Fokus der Polizei steht. Ein weiterer Schritt soll und muss von den Besitzern der von den Posern aufgesuchten Orte kommen. So will etwa das Offenburger Möbelhaus seinen Parkplatz mit Schranken versehen.


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