BH-Hilfen nach schwerer Erkrankung

Baden-Baden (ela) – Eine Brustkrebserkrankung verändert vieles. Nach der OP soll zumindest das Bild für andere wieder so wie vorher sein. Dafür gibt es Ausgleichsschalen und spezielle BHs.

Privatspähre: Brustprothesen sind in speziellen BH-Modellen nicht zu sehen. Foto: Siam/stock.adobe.com

© Siam - stock.adobe.com

Privatspähre: Brustprothesen sind in speziellen BH-Modellen nicht zu sehen. Foto: Siam/stock.adobe.com

Nach einer Brustkrebserkrankung ist nichts mehr wie vorher. Auch wenn die Krankheit an sich überstanden ist, bleiben Spuren. Körperlich zeigen sich diese unter anderem an Veränderungen der Brust durch die Operation, der Narbe und im schlimmsten Fall der Entfernung. Letzteres ist für die betroffenen Frauen eine besonders einschneidende Veränderung.

„Während bei brusterhaltenden Operationen oft nach wenigen Monaten kein wesentlicher Unterschied zur nicht operierten Brust zu erkennen ist, gibt es nach einer Brustentfernung verschiedene Möglichkeiten, diese wieder aufzubauen“, erklärt Dr. Antje Hahn, leitende Ärztin im Brustzentrum Baden-Baden des Klinikums Mittelbaden.

Im Zusammenspiel mit einem möglichst optimalen Operationsergebnis kommen dann auch dem BH und speziellen Hilfsmitteln aus dem Sanitätshaus wichtige Rollen zu, damit eine Formveränderung unter der Kleidung nicht zu erkennen ist. Die Form verändert sich auch, wenn größere Regionen der Brust entfernt werden mussten. Operativ kann viel dafür getan werden, das optisch zu beheben. „Der BH verbirgt die Veränderungen des Körpers, die die Betroffene erst mit sich selbst ausmachen muss, bevor sie diese mit anderen teilen kann. Der BH schützt so die Privatsphäre“, betont Antje Hahn. Und nach einer Rekonstruktion der Brust stütze der BH die Brust und diene einer guten Narbenheilung.

Bereits während ihres Klinikaufenthalts im Brustzentrum Baden-Baden werden die Frauen gezielt durch die Ärzte und Ärztinnen sowie eine Breast Care Nurse beraten. Diese stellt dann auch den Kontakt zu einem Sanitätshaus her, wenn es um spezielle Wäsche oder ausgleichende BH-Einlagen geht. „Kurz nach der OP wird der BH angemessen und gegebenenfalls eine ausgleichende Prothese nach Brustentfernung angemessen. Diese wird so schnell geliefert, dass fast in allen Fällen die Patientin bereits mit dieser Wäsche die Klinik erlassen kann“, erklärt Hahn. Und: „Zwei solcher BHs werden nach einer Brustentfernung üblicherweise pro Jahr von der Krankenkasse getragen.“

Eine der langjährigen Medizinprodukteberaterinnen im Brustzentrum Baden-Baden ist Monica von Hardenberg vom Sanitätshaus Hardenberg und Kiefer. Sie und ihre Kolleginnen besuchen die Patientinnen erstmals kurz nach der Operation im Krankenhaus. „Ich erlebe anfangs viel Unsicherheit. Die Frauen brauchen Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen“, weiß sie. Zumindest die Optik betreffend, könne sie ihnen aber viele Ängste nehmen.

„Es gibt Ausgleichsschalen als Standardmodelle in vielen Formen, Hautfarben, Größen, Stärken und Dicken. Sie sind in 95 Prozent aller Fälle passend“, weiß Monica von Hardenberg. Die sogenannten Brustepithesen werden selbsthaftend auf der Haut oder in einer eingearbeiteten BH-Tasche getragen. Auch eine Maßversorgung per 3D-Scan ist möglich. Die Optik sei mit den heutigen Möglichkeiten gut zu erhalten, die Materialien seien angenehm zu tragen, so Hardenberg.

Doch zunächst geht es kurz nach der Operation erst einmal um die Erstversorgung – mit einem Kompressions-BH gegen einen möglichen Lymphstau oder ganz weichen, perfekt sitzenden BH-Modellen mit breiten Trägern und breitem, elastischem Unterbrustband, um keinen Druck auf die Narbe auszuüben und den Lymphfluss nicht zu behindern. Das ist, so Antje Hahn, ganz wichtig.

Viele Erstversorgungs-BHs haben die Haken und Ösen vorne, da die Frauen ja oft auch in ihrer Beweglichkeit noch eingeschränkt sind. Ausgleichende Prothesen werden in den neuen BH eingelegt. Bügel-Modelle sind dann tabu.

Später können sich die Betroffenen dann Modelle aussuchen, die ihnen gefallen und die „keine Anzeichen von Krankheit“ mehr haben. Es gebe zum Beispiel tolle Spitzen-BHs auch für Einlagen. „Die Auswahl ist groß“, macht Hardenberg Mut.

Je nach Größe und Lage der Brustprothese ist bei der BH-Mode vieles möglich. Nur wer bisher superleichte Modelle oder einen Balconnette getragen hat und tiefe Ausschnitte gezeigt hat, muss sich davon ein Stück weit verabschieden. Denn damit die Prothese verborgen bleibt, ist der Brustansatz bei den speziellen Modellen logischerweise nicht zu sehen. Sie sind höher geschnitten und haben für mehr Komfort auch breitere Träger. Auch Sport ist mit den Brustprothesen kein Problem – und zum Schwimmen gibt es spezielle Modelle im Badeanzug, die auch Salzwasser vertragen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Daniela Jörger

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Erstellt:
20. Februar 2022, 09:30 Uhr
Lesedauer:
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