BT-Adventskalender: Der Roman „Fortunat“ von Otto Flake

Baden-Baden (hawo) – Mit der Besprechung des zweiteiligen Romans „Fortunat“ von Otto Flake beginnt der BT-Adventskalender. Darin werden in der Vorweihnachtszeit täglich Bücher und CDs vorgestellt.

BT-Adventskalender: Der Roman „Fortunat“ von Otto Flake

Jeden Tag öffnet sich nun ein BT-Türchen mit einem literarischen oder musikalischen Tipp. Foto: Jag_cz_stock.adobe.com/BT-Grafik

Die langen Winterabende stehen bevor; was läge da näher, als lange Romane zu lesen? „Raureif überspann die kleine Badestadt. Der Dampf der heißen Brunnen, an denen die Mägde das Wasser für den Haushalt holten, durchrauchte ihn. Die Eisblumen an den Läden der Lange Straße schmolzen nur halb im Licht der Kerzen und Lampen.“ Die „kleine Badestadt“ – Baden-Baden – spielt keine kleine Rolle in Otto Flakes zweiteiligem Roman „Fortunat“, einem gewaltigen Epos, das in Form einer fiktiven Biografie die Geschichte von Jakob Kestenholz erzählt, Sohn eines französischen Emigranten und eines badischen Bauernmädchens. „In den Eihäuten“ kommt er 1814 zur Welt, „mit der Glückshaube, wie die Hebamme verkündete“. Seine Lebensspanne reicht fast über das gesamte 19. Jahrhundert, reale Personen, mit denen er verkehrt, treten auf, darunter Chopin, Rossini, Mendelssohn-Bartholdy, Liszt, Balzac, Victor Hugo, Nadeschda von Meck, die Förderin Tschaikowskys. In Paris lernt er seinen Erzeuger kennen (den Namen „Kestenholz“ verdankt er seinem Ziehvater), den Vicomte Maslin, dessen Bruder ihn adoptiert; fortan nennt er sich nach seinem leiblichen Vater und gibt sich den Vornamen „Jacques“. Paris und später das badische Dorf Sasbach sind die festen Punkte in seinem Leben, von wo aus er in die Welt hinausgreift und wohin es ihn immer wieder zurückzieht. Die Schauplätze wechseln einander ab: Spanien, England, Amerika, Österreich; Fürst Pückler reist mit ihm in den Orient; in Kairo lässt er sich eine Zeit lang als Frauenarzt nieder. Zwei Ehen und mehrere Liebschaften durchlebt er, mehrere Kinder zeugt er. Napoleon III., Kaiser der Franzosen, zieht ihn an den Hof.

Jacques Maslin, alias Jakob Kestenholz – im zweiten Teil des Buches „Ein Mann von Welt“ genannt –, ist der „Fortunat“, dessen abenteuerliche Fortune sich vor dem historischen Panorama eines ganzen Säkulums abspielt. 1897 stirbt er, ein Greis inzwischen, in Sasbach. Otto Flake hat in seinen monumentalen Roman zahlreiche bezaubernde Genrebildchen eingestreut: „Sie gingen noch am gleichen Tag zum Weihnachtsmarkt, der in der Vorstadt lag. Kleine, traute Häuschen schoben sich an der einen Seite vor und zeigten die Richtung an, in der die Gasse weiterwachsen wollte. Jenseits war freier Platz bis zu den Mühlen und den lang gestreckten Seilerwerkstätten an der Oos.“ Wer sich gerne in vergangene Zeiten zurückversetzen lässt und zugleich ein Freund spannender Lektüre ist, der greife zu diesem Roman – einem Stück Weltliteratur im schönsten Sinne des Wortes.

Otto Flake: Fortunat, als Fischer Taschenbuch in zwei Teilen erschienen, Teil eins: 724 Seiten, 19,99 Euro, Teil zwei, 846 Seiten, 26,99 Euro. Die Reihe hat eine längere Lieferzeit.