BT-Adventskalender: Die „Kraaniche“ fliegen wider

Baden-Baden (jo) – Hinter dem vierten Türchen des BT-Adventskalenders verbirgt sich das brandneue Studioalbum der Ulmer Krautrock-Band Kraan. „Sandglass“ versprüht viel positive Energie.

Die vierte Ausgabe des BT-Adventskalenders widmet sich dem neuen Album der Ulmer Band Kraan. Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

© Jag_cz - stock.adobe.com

Die vierte Ausgabe des BT-Adventskalenders widmet sich dem neuen Album der Ulmer Band Kraan. Foto: Jag_cz - stock.adobe.com/BT-Grafik

Für Freunde mit einer Affinität zu Krautrock liegt man mit diesem Geschenk gewiss nicht falsch: Die Ulmer Band Kraan meldet sich mit einem brandneuen Studioalbum zurück. Der Krautrock, Synonym für eine eigenständige, experimentierfreudige deutsche Rockmusik, die neue Wege abseits des Angloamerikanischen suchte, erlebte seine Blütezeit zwischen den späten 60er und frühen 80er Jahren. Kraans Spätwerk „Sandglass“ ist Jahrzehnte danach aus mehreren Gründen bemerkenswert. Die „Kraaniche“ klingen auch in ihrem 50. Flugjahr noch immer erstaunlich frisch. Die Gründungsmitglieder Hellmut Hattler (Bass, Gesang), Jan Fride (Schlagzeug, Percussion) und Peter Wolbrandt (Gitarre, Synthesizer, Gesang) sind weiterhin kompositorisch kreativ und musikalisch fit, während viele andere altgediente Bands (nicht nur aus der Krautrock-Ära) sich darauf beschränken, ihr Material aus glorreichen Zeiten zu Weihnachten in Jubiläumseditionen oder allzu häufig teure Box-Sets zu verpacken.

Im Lockdown eingespielt

„Sandglass“ ist auch dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass Hattler zuletzt einer schweren Erkrankung erfolgreich die Stirn bieten konnte. Eingespielt wurde das 14. Studiowerk Kraans während des Lockdowns im Frühjahr. Dem Album haftet dennoch nichts von Corona-Blues an, sondern die Musik erweist sich als ungemein vielfältig und vielschichtig; sie ist unnachahmlich, wirkt zeitlos und sprüht nur so vor positiver Energie.

Da die Musiker ans Haus gefesselt waren, tauschten sie untereinander Soundfiles übers Netz aus. Aus den einzelnen Ideen und Zutaten entstanden so 13 neue Kraan-Stücke. Auf diesem Weg wirkt auch der 2019 verstorbene frühere Keyboarder Ingo Bischoff posthum mit. Von ihm hat Hattler aus dem Tonarchiv eine Akkordfolge ausgegraben, die das Trio zur entspannten Instrumentalnummer „Moonshine on Sunflowers“ inspirierte. Mit dem Trompeter Joo Kraus ist außerdem ein weiteres einstiges Bandmitglied an „Sandglass“ beteiligt.

Melodischer Jazzrock aus einem Guss

Kraan setzen dort an, wo sie vor zehn Jahren mit dem Vorgängeralbum „Diamonds“ aufgehört hatten. Souverän, lässig und getrieben von einem dynamischen Flow kommt ihr melodischer Jazzrock aus den Boxen; geprägt vom warm tönenden Bassspiel Hattlers, der überragenden Saiten(klang)kunst Wolbrandts und dem polyrhythmischen Einfallsreichtum seines Bruders Jan Fride. Ob Funk („Funky Blue“), Rocksong („Pick Peat“) oder Gitarrenjazz („Schöner wird’s nicht“), Kraan klingen stets wie aus einem Guss. Hinzu kommt ein transparenter, satter Sound. Angesichts des Revivals der Langspielplatte ist es jedoch schade, dass nur zehn Stücke aufs Vinyl passten und kein Download-Code zur Komplettierung beiliegt. Alle 13 neue Nummern der „Kraaniche“ beinhaltet nur das CD-Format.

Kraan: „Sandglass“, Bassball Recordings, CD etwa 16 Euro, LP 23 Euro.

Am 1. Dezember hat BT-Mitarbeiter Hans Wolf den zweiteiligen Roman „Fortunat“ von Otto Flake vorgestellt. Die Besprechung können Sie hier lesen.

Hinter dem Adventskalendertürchen am 2. Dezember verbirgt sich „Fratelli tutti. Enzyklika über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ von Papst Franziskus.

Hinter dem dritten Türchen des musikalischen BT-Adventskalenders versteckt sich eine CD-Sammlung in Erinnerung an den im Dezember 2019 verstorbenen Dirigenten Mariss Jansons.

Zum Artikel

Erstellt:
4. Dezember 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 28sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.